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Dominik Enste IW-Kurzbericht Nr. 119 30. November 2020 Haushaltshilfen: Verbreitung von Schwarzarbeit wird deutlich unterschätzt

Eine aktuelle Bevölkerungsumfrage von Oktober 2020 zeigt, dass die Pandemie und deren Folgen auch der Hausarbeit mehr Aufmerksamkeit beschert hat – und Haushaltshilfen mehr Anerkennung verdienen. Dafür sind die Befragten auch bereit mehr als den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen – aber meist in bar und ohne Anmeldung. Allerdings wird die Verbreitung von Schwarzarbeit beim Putzen deutlich unterschätzt.

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Verbreitung von Schwarzarbeit wird deutlich unterschätzt
Dominik Enste IW-Kurzbericht Nr. 119 30. November 2020

Haushaltshilfen: Verbreitung von Schwarzarbeit wird deutlich unterschätzt

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Eine aktuelle Bevölkerungsumfrage von Oktober 2020 zeigt, dass die Pandemie und deren Folgen auch der Hausarbeit mehr Aufmerksamkeit beschert hat – und Haushaltshilfen mehr Anerkennung verdienen. Dafür sind die Befragten auch bereit mehr als den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen – aber meist in bar und ohne Anmeldung. Allerdings wird die Verbreitung von Schwarzarbeit beim Putzen deutlich unterschätzt.

Haushalt ist Frauensache

„‘Das bisschen Haushalt macht sich von allein", sagt mein Mann, "Das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein", sagt mein Mann‘“, heißt es im Schlager von Johanna von Koczian schon 1977. Dabei hat die Corona-Pandemie und deren Folgen wie Home-Schooling, Homeoffice und Quarantäne vielen Menschen deutlich gemacht, dass Haushalt alles andere als eine Nebensache ist. 41 Prozent der 1.086 Befragten sagen in einer aktuellen, repräsentativen Forsa-Umfrage, dass die Pandemie ihren Blick auf Tätigkeiten im Haushalt verändert hat. Nicht geändert hat sich, dass bis heute Kochen, Putzen und Waschen trotz aller Gleichberechtigungsfortschritte überwiegend Frauensache geblieben ist (Eyerund/Orth 2019). Dementsprechend beklagen auch deutlich mehr Frauen (48 Prozent) als Männer (36 Prozent) die zusätzlichen Aufgaben, wie Geschirr spülen und häufigeres Putzen. Wenn eine Haushaltshilfe beschäftigt wird, ist dies noch viel öfter Frauensache.

Typische Haushaltshilfe: deutsch, weiblich, über 50 Jahre …

Denn auch 2020 sind 90 Prozent der angemeldeten Minijobber in Privathaushalten weiblich. 75 Prozent sind Deutsche und fast zwei Drittel der Haushaltshilfen sind über 50 Jahre alt. Allerdings machen diese knapp 300.000 Minijobber nur einen kleinen Teil der Haushaltshilfen aus (Minijobzentrale, 2020).

… und schwarz beschäftigt

Die große Mehrheit ist nicht angemeldet und arbeitet ohne Absicherung und Unfallversicherungsschutz illegal. Denn rund 88 Prozent der Haushalte melden ihre Reinigungskraft nicht an. Diese Zahl ist seit 2005 von rund 93 Prozent aufgrund der Schaffung von legalen Alternativen zurückgegangen. Rund 3,3 Millionen Haushalte in Deutschland beschäftigen gelegentlich oder regelmäßig eine Hilfe – und davon lassen rund 2,9 Millionen Haushalte schwarz reinigen, waschen und einkaufen. Denn neben den Minijobbern gibt es knapp 50.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und rund 20.000 Selbständige, die auf Rechnung im Privathaushalt arbeiten (Enste, 2019).

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Zukünftig: mehr Anerkennung, mehr Lohn, krisensicherer Job?

Spätestens die Pandemie hat den Befragten nochmals vor Augen geführt, dass Haushaltstätigkeiten nicht von allein und nicht so nebenbei erledigt werden können – vor allem den Frauen. Denn Waschen und Putzen wird zu 80 Prozent von Frauen erledigt. Schon vor der Pandemie wollte ein Fünftel der Haushalte gerne eine Haushaltshilfe beschäftigen, die dies bisher noch nicht getan haben. 92 Prozent der Haushalte mit Haushaltshilfe waren mit der Arbeit zufrieden (Forsa, 2020a), darunter 72 Prozent sogar sehr zufrieden (Forsa, 2020b). Die aktuelle Umfrage zeigt nun, dass fast 80 Prozent der Befragten bereit sind mindestens 12 Euro pro Stunde für Haushaltstätigkeiten zu zahlen (Forsa, 2020b). Im Durchschnitt liegt die Zahlungsbereitschaft bei rund 15 Euro Stundenlohn. Rund 15 Prozent wäre diese Dienstleistung 20 oder mehr Euro pro Stunde wert. Damit liegt die Höhe der Zahlungsbereitschaft in etwa auf dem Niveau für Gartenarbeit (15 Euro) und Kinderbetreuung (16 Euro). Handwerkliche Arbeiten werden mit rund 20 Euro als deutlich wertvoller eingeschätzt. Die tatsächlich gezahlten Löhne bei Handwerkern weichen dabei allerdings deutlich nach oben ab, während bei Kinderbetreuung im Haus (Babysitting) oder Haushaltshilfen die tatsächlich gezahlten Löhne je nach Region eher darunter liegen. Wenn die Haushaltshilfe ihre Fähigkeiten und Verlässlichkeit durch Zertifikate oder Empfehlungsschreiben nachweisen können, sind allerdings 63 Prozent bereit mehr zu zahlen. Vor allem die Empfehlung durch Freunde (85 Prozent) führt zu mehr Zahlungsbereitschaft. Die Reinigungskraft hat nicht zuletzt durch die zunehmende Relevanz von Hygiene und Sauberkeit in Pandemiezeiten an Wertschätzung gewonnen. Immerhin 30 Prozent der Befragten würden mehr zahlen, wenn sich jemand mit der Bekämpfung von Viren und Bakterien und zum Beispiel Allergien besonders gut auskennt.

Der Minijob im Privathaushalt scheint darüber hinaus recht krisensicher zu sein. Denn die Zahl der gewerblichen Minijobber lag im Juni 2020 im Vergleich zum Juni 2019 um durchschnittlich mehr als 12 Prozent niedriger; im Gastgewerbe sogar bei minus 36 Prozent und bei Kunst, Unterhaltung, Erholung bei minus 27 Prozent. Beim Privathaushalt hingegen gab es nur einen vergleichsweise geringen Rückgang von 3,4 Prozent (Minijobzentrale, 2020) zwischen Juni 2019 und Juni 2020. Seit 2004 ist die Zahl in Privathaushalten sogar um rund 190 Prozent gestiegen, während die gewerblichen Minijobber ein Minus von 13,7 Prozent verzeichnen.

Arbeitsplatz Privathaushalt

Die Rahmenbedingungen sind günstig, den Arbeitsplatz Privathaushalt aus der Schwarzarbeit zu holen, denn 1. die Zahlungsbereitschaft bei vielen Haushalten ist vorhanden; 2. niedrige bürokratische Hürden und steuerliche Anreize sind seit langem geschaffen; 3. Bedeutung von Reinigung und Hygiene sind wichtiger denn je; 4. Vermittlungsplattformen existieren, um Anbieter und Nachfrager zusammenzuführen; 5. Anerkennung und Wertschätzung sind gestiegen. Der Schritt aus der Illegalität ist somit leichter denn je geworden. Außerdem behaupten 50 Prozent der befragten Personen, dass sie ihre Haushaltshilfe – wenn sie denn eine beschäftigen oder beschäftigt hatten (rund 18 Prozent der Befragten haben Erfahrungen mit der Beschäftigung von Haushaltshilfen) – auch angemeldet haben. Die offiziellen Statistiken zeigen dabei, dass hier offensichtlich sozial erwünscht geantwortet wurde. Denn defacto melden nur rund 10 Prozent der Haushalte ihre Haushaltshilfe auch an. Der Umfang der Schwarzarbeit in diesem Bereich wird von den Befragten allerdings auch massiv unterschätzt (s. Abbildung). Nur eine Minderheit von 8 Prozent schätzt die Zahl der nicht angemeldeten Haushaltshilfen richtig ein. Allerdings vermutet die breite Mehrheit, dass mindestens die Hälfte der Haushalte die Hilfe nicht anmelden (65 Prozent). Nur eine Minderheit von 8 Prozent schätzt die Zahl der nicht angemeldeten Haushaltshilfen richtig ein und geht davon aus, dass etwa 9 von 10 Haushalten die Haushaltshilfe nicht anmelden. Denn der tatsächliche Wert liegt seit einigen Jahren bei rund 90 Prozent der Haushalte, die schwarz putzen lassen. Sofern jemand bereits einmal eine Haushaltshilfe beschäftigt hat (dunkelblauer Balken), liegt die Schätzung näher an der Wirklichkeit. Denn 45 Prozent schätzen den Umfang auf 7-8 und weitere 15 Prozent auf 9-10 Haushalte im Vergleich zu 35 und 6 Prozent, wenn keine Hilfe beschäftigt wurde. Für alle Befragten gilt aber, dass die breite Mehrheit von 65 Prozent vermutet, dass mindestens die Hälfte der Haushalte die Hilfe nicht anmeldet. Diese Ordnungswidrigkeit ist somit vielen Menschen bekannt – und wird offensichtlich toleriert. Zumindest für rund 38 Prozent der Befragten ist dieses Verhalten aber auch in Ordnung – ähnlich wie die Beschäftigung von Handwerkern ohne Rechnung (36 Prozent). Schwarzfahren im ÖPNV (17 Prozent), Steuerhinterziehung (13 Prozent) oder Servicekräfte in der Gastronomie nicht anzumelden (9 Prozent) finden hingegen sehr viel weniger Befragte in Ordnung. Spannend ist der Unterschied, den die Befragten hierbei zwischen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung machen. Nur 13 Prozent halten (reine) Steuerhinterziehung für in Ordnung, aber 38 Prozent Schwarzarbeit, die immer auch mit Steuerhinterziehung verbunden ist. Dabei spielt eine Rolle, dass bei der Schwarzarbeit im Gegensatz zur ausschließlichen Steuerhinterziehung auch etwas geschaffen oder gereinigt wird und so ein Mehrwert für die Beteiligten entsteht. Übrigens – auch hier zeigt sich ein Geschlechterunterschied: Frauen halten alle Vergehen für weniger akzeptabel als Männer.

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Verbreitung von Schwarzarbeit wird deutlich unterschätzt
Dominik Enste IW-Kurzbericht Nr. 119 9. November 2020

Dominik Enst: Haushaltshilfen – Verbreitung von Schwarzarbeit wird deutlich unterschätzt

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