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Anastasia Diel / Jasmina Kirchhoff IW-Report Nr. 2 21. Januar 2020 Beschäftigungsstruktur der europäischen Pharmaindustrie: Ein Indikator für die Attraktivität eines Standorts?

In der Diskussion um die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Arzneimittelversorgung in Deutschland steht auch die Frage im Raum, wie die Forschungs- und Produktionsstandorte pharmazeutischer Unternehmen vor Ort gestärkt werden können. Die Kriterien, nach denen Unternehmen ihre Standortentscheidungen treffen, sind vielfältig.

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Ein Indikator für die Attraktivität eines Standorts?
Anastasia Diel / Jasmina Kirchhoff IW-Report Nr. 2 21. Januar 2020

Beschäftigungsstruktur der europäischen Pharmaindustrie: Ein Indikator für die Attraktivität eines Standorts?

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In der Diskussion um die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Arzneimittelversorgung in Deutschland steht auch die Frage im Raum, wie die Forschungs- und Produktionsstandorte pharmazeutischer Unternehmen vor Ort gestärkt werden können. Die Kriterien, nach denen Unternehmen ihre Standortentscheidungen treffen, sind vielfältig.

Neben rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen spielt auch das verfügbare regionale Arbeitskräfteangebot eine bedeutende Rolle, sind Pharmaunternehmen doch in besonderem Maße auf hochqualifizierte Arbeitskräfte angewiesen. Ist davon auszugehen, dass die Funktionsbereiche eines Unternehmens, wie Forschung, Produktion oder Vertrieb, einerseits in den europäischen Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind und diese andererseits mit spezifischen Anforderungen an die benötigten Arbeitskräfte einhergehen, könnte sich auch die Qualifikationsstruktur der Pharmabeschäftigten von Land zu Land unterscheiden. Damit stellt sich die Frage: Inwieweit vermag das regionale Qualifikationsniveau der verfügbaren Arbeitskräfte die Ansiedlung pharmazeutischer Unternehmen zu begünstigen?

Zwei Ergebnisse werden deutlich: Zum einen folgt die Pharmaindustrie zwar in jedem europäischen Land mit Blick auf die Beschäftigungsentwicklung ihrem eigenen Entwicklungsmuster. Doch trotz dieser national divergierenden Entwicklungen können keine Tendenzen einer tatsächlich stattfindenden geografischen Verschiebung von den traditionellen große Standorten wie Deutschland oder dem Vereinigten Königreich hin zu kleineren Ländern abgeleitet werden. Zum anderen ist ein hohes Qualifikationsniveau der verfügbaren Arbeitskräfte vor Ort eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für eine positive Standortentscheidung pharmazeutischer Unternehmen. Für die Gruppen der großen, mittleren und kleinen Pharmastandorte zeigt die jeweils vorherrschende nationale Qualifikationsstruktur der Pharmabeschäftigten, dass die Branche offenbar unabhängig von der Stufe der pharmazeutischen Wertschöpfungskette und der Komplexität des Herstellungsprozesses hochqualifizierte Beschäftigte benötigt – in allen drei Ländergruppen stellen akademisch ausgebildete Arbeitskräfte den höchsten Beschäftigtenanteil. Gleichwohl zeigen sich auf der nationalen Ebene Unterschiede in der Qualifikationsstruktur, die aus Faktoren wie dem allgemeinen Ausbildungsstand der Bevölkerung oder institutionellen Rahmenbedingungen resultieren können. Folglich hängen die Standortentscheidungen nur zum Teil vom Qualifikationsniveau der Bevölkerung ab. Entscheidend ist vielmehr der passende Mix aus einer Vielzahl von Faktoren wie der räumlichen Nähe zu Vorleistungsindustrien und Forschungseinrichtungen, der Infrastrukturausstattung, institutioneller Rahmenbedingungen oder auch der politischen Stabilität am Standort, so dass allein die Betrachtung der regionalen Arbeitskräfte kein ausreichender Indikator für die Möglichkeiten einer gezielten Unternehmensansiedlung ist. Besonders augenfällige Entwicklungen wie die Österreichs verdeutlichen zudem, dass mit einer geeigneten Gestaltung des Faktorenmixes die Entwicklung nationaler Pharmastandorte unterstützen kann.

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