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Sarah Fluchs IW-Nachricht 4. März 2022

Ukraine: Wie Kriege die Umwelt schädigen

Putins Krieg dauert bereits über eine Woche an. Die Folgen sind schwerwiegend, der Krieg geht einher mit großem Leid, Zerstörung und Tod. Hinzu kommen noch nicht absehbare negative Auswirkungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene sowie einschneidende Folgen für die Umwelt.

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Zwar stehen Umweltfolgen eines Krieges zurecht nicht im Fokus aktueller Debatten – dennoch sind sie gravierend und beeinflussen den künftigen Alltag der Zivilbevölkerung stark. Bewaffnete Konflikte haben immer Umweltfolgen: Sie hinterlassen unbewohnbare Regionen, verschmutztes Grundwasser, verseuchte Böden oder brennende Wälder. Manches ist örtlich oder zeitlich begrenzt, anderes hat dauerhafte Konsequenzen.

Völkerrecht verbietet umweltschädigende Kriege

Kriegsbedingte Umweltschäden sind im Völkerrecht verankert. Ein Zusatzprotokoll der Genfer Konvention sowie das sogenannte Umweltkriegsübereinkommen verbieten Kriegsformen mit umweltverändernden Techniken mit „langanhaltenden oder schweren Auswirkungen“. Darunter fallen militärische Eingriffe in die natürlichen Kreisläufe der Umwelt. Das Umweltkriegsübereinkommen der Vereinten Nationen wurde bereits 1976 durch die Generalversammlung verabschiedet und umfasst aktuell 78 Vertragsparteien, darunter sowohl Russland als auch die Ukraine. 

Schwerwiegende Folgen für Wasser, Land und Luft 

Die Umweltschäden durch Kriege sind vielfältig. Sie verwüsten oder zerstören Städte und Landschaften, Kampffahrzeuge brennen Waldgebiete nieder. Schadstoffe aus Bomben und anderen Waffen können das Grundwasser verunreinigen und dazu führen, dass es nicht mehr trinkbar ist. Das hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft und auf die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung, auch nach Kriegsende. Die Ukraine, häufig als Kornkammer Europas bezeichnet, umfasst ein Drittel der Ackerfläche der EU. Durch den aktuellen Krieg verteuern sich Weizenpreise, Agrarprodukte wie Soja oder Sonnenblumenöl werden knapp. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnt vor schwerwiegenden Folgen des Ukraine-Krieges für die weltweite Lebensmittelversorgung, insbesondere in Krisengebieten. Dies wiederum könnte die politische Stabilität in diesen Regionen gefährden. 

In der Ostukraine haben die Kämpfe seit 2014 die ohnehin schon prekäre ökologische Situation weiter verschärft. Durch die Überflutung von Minen, in denen seit dem Konflikt die Arbeit ruht, wurde das Wasser der gesamten Region kontaminiert. Der Fluss Siverskyi Donets und seine Nebenflüsse liefern 80 bis 85 Prozent des von der Donbas Water Company verwendeten Wassers, dem wichtigsten Wasserversorger der Region. Neben fehlenden Trinkwasserquellen sind Infektionen in den betroffenen Gebieten eine weitere Folge.

Öl verseucht den Boden

Angriffe auf Raffinerien können Bodenverseuchungen durch Öl zur Folge haben, wie der Krieg in Syrien gezeigt hat. Zwar befinden sich große Raffinerien oft außerhalb dicht besiedelter Gebiete, jedoch wird das Öl oft in Flüssen weitertransportiert. Im Irakkrieg 1991 wurden Hunderte Ölquellen in Kuwait in Brand gesetzt, auch dort mit schweren Konsequenzen für den Planeten. Knapp zwei Millionen Tonnen Rohöl wurden in den Persischen Golf geleitet. Welche Umweltfolgen der Ukrainekrieg hat, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. 

Insbesondere Kriegsfahrzeuge wie Panzer verbrauchen große Mengen Treibstoff und stoßen entsprechend viel CO2 aus. Ein russischer T-72 Panzer benötigt beispielsweise 250 Liter pro 100 Kilometer auf befestigten Straßen, im Gelände deutlich mehr. Das erklärt die logistischen Probleme auf russischer Seite der vergangenen Tage – und stellt gleichzeitig nur einen Bruchteil der Emissionen dar, die durch Kriege verursacht werden. Jeder Krieg schädigt die Menschheit auf verschiedenen Ebenen für Jahre und Jahrzehnte, viele Folgen sind auch 30 Jahre nach Kriegsende noch deutlich spürbar.
 

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