Vor dem Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bas zur Arbeitszeitflexibilisierung warnen Kritiker vor Gesundheitsrisiken. Eine IW-Auswertung der Arbeitszeiterhebungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt, dass pauschale Sorgen unbegründet sind.
Reform des Arbeitszeitgesetzes: Kritik am Ende der täglichen Höchstarbeitszeit ist unbegründet
Union und SPD wollen die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche ersetzen. Bislang gilt ein Acht-Stunden-Tag, der sich auf zehn Stunden verlängern lässt. Die wöchentlich vereinbarte Arbeitszeit bliebe davon unberührt. Kritiker fürchten jedoch, längere Arbeitstage könnten die Gesundheit der Beschäftigten gefährden.
Eine IW-Studie auf Basis der Arbeitszeiterhebungen der BAuA zeigt allerdings am Beispiel von Bürobeschäftigten: Wer einzelne Tage sehr lange arbeitet, fühlt sich nicht kränker und fehlt auch nicht öfter. Auch die Erholung leidet nicht. Und: Beschäftigte mit sehr langen Arbeitstagen sind mit ihrer Arbeit genauso zufrieden wie diejenigen mit kürzeren. Der Grund liegt nahe: Vielen kommt eine flexible Einteilung entgegen, weil sie Beruf und Familie so leichter unter einen Hut bringen können.
Wer die Zeit frei einteilt, klagt seltener über Erschöpfung
Mit einer Vorschrift, Arbeitszeiten elektronisch zu erfassen, könnte die Bundesregierung die Flexibilisierung der Arbeitszeiten aber direkt wieder konterkarieren. Sie würde die Vertrauensarbeitszeit aushöhlen – jenes Modell, in dem Beschäftigte ihre Zeit am freiesten einteilen. Genau diese Beschäftigten sind laut einer weiteren IW-Studie auf Basis der BAuA-Erhebungen mit ihren Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf am zufriedensten. Sie klagen zudem seltener über Symptome chronischer Erschöpfung. Eine minutengenaue Erfassungspflicht beschneidet genau den Spielraum, der diese Zufriedenheit trägt.
Politik sollte auf die Betriebe vertrauen
Union und SPD sollten Beschäftigten und Unternehmen zutrauen, im Betrieb die richtige Balance zu finden. Wer an einem Tag länger arbeitet und an einem anderen früher geht, kann Familie und Beruf besser vereinbaren und Druck aus dem Arbeitsalltag nehmen. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit schafft Spielräume. Eine starre Erfassungspflicht engt sie wieder ein.
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