Die wirtschaftliche Angleichung zwischen Ost und West steckt fest: Seit fünf Jahren verharrt Ostdeutschland bei knapp 80 Prozent des Westniveaus, zeigt der aktuelle Einheitsindex des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Osten holt wirtschaftlich seit fünf Jahren nicht mehr auf
Die ostdeutsche Wirtschaft hinkt der im Westen auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung hinterher. 2025 erreichten die fünf ostdeutschen Flächenländer knapp 79 Prozent des Westniveaus, nach gut 78 Prozent im Vorjahr. Das zeigen neue Zahlen aus dem IW-Einheitsindex, der den wirtschaftlichen Aufholprozess Ostdeutschlands seit 1990 abbildet.
Dabei hat der Osten seit 1991 kräftig aufgeholt, damals lag er erst bei 51 Prozent der westdeutschen Wirtschaftskraft. Seit fünf Jahren ist die Angleichung jedoch ins Stocken geraten. Der Wert pendelt seit 2020 zwischen 78 und 79 Prozent, die 80-Prozent-Marke hat der Osten bis heute nicht erreicht.
Osten fällt bei Fachkräften zurück
Phasen des Stillstands hat es schon öfter gegeben, etwa ab 1997 und ab 2010. Damals wuchs die Wirtschaft im Westen kräftig und der Osten konnte zeitweise nicht Schritt halten. Diesmal ist es anders: Deutschlandweit stagniert die Wirtschaft, der Westen zieht also nicht davon. Trotzdem schließen die neuen Bundesländer nicht auf.
Bei mehreren Indikatoren kommt der Osten kaum voran oder fällt sogar zurück:
- Erwerbsbeteiligung sinkt: Gemessen an der Gesamtbevölkerung erreichte der Osten 2010 noch knapp 89 Prozent des Westniveaus, 2025 nur noch gut 85 Prozent. Einen so niedrigen Wert gab es zuletzt 1993.
- Investitionen stocken: Beim Wert aller Maschinen, Fabriken, Straßen und Gebäuden je Einwohner – also dem Kapitalstock - holt der Osten seit 15 Jahren kaum noch auf. 2010 lag er bei knapp 77 Prozent des Westniveaus, 2025 bei gut 79 Prozent.
- Forschungspersonal ist rar: Beim Personal in Forschung und Entwicklung erreicht der Osten nur gut 46 Prozent des Westniveaus. Während der öffentliche Bereich mit Universitäten und Instituten relativ gut dasteht, fehlen Forscher in der Wirtschaft, da es kaum Großunternehmen gibt.
Alterung bremst den Aufholprozess
Zwar können die neuen Bundesländer auch Achtungserfolge vorweisen, etwa die Ansiedlung des Tesla-Werks im brandenburgischen Grünheide, das europaweit führende Chip-Cluster in Dresden oder den Ausbau der erneuerbaren Energien. Pessimistisch stimmt allerdings die besonders ungünstige demografische Struktur: Nach IW-Prognosen schrumpft die Bevölkerung im Osten bis 2045 in einem Szenario ohne Zuwanderung um mehr als ein Fünftel – deutlich stärker als im Westen.
Die ostdeutschen Länder sind deshalb noch stärker als ihre westlichen Nachbarn auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Dass diese Offenheit für Zuwanderung nach den jüngsten Wahlergebnissen infrage steht, trübt den Ausblick. Und ebenso wenig Rückenwind dürfte die dortige Wirtschaft von den Vorstößen ihrer Ministerpräsidenten bekommen, die „Rente mit 63“ beizubehalten. Denn mit seiner Bevölkerungsstruktur ist der Osten besonders darauf angewiesen, erfahrene Beschäftigte länger im Job zu halten.
Zur Methodik: Der IW-Einheitsindex berücksichtigt neben der Wirtschaftsleistung je Einwohner auch die Produktivität, den Kapitalstock, den Anteil Hochqualifizierter im Bereich Forschung und Entwicklung, die Erwerbsbeteiligung sowie die Arbeitslosen- und Selbstständigenquote.
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