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Zeige Bild in Lightbox Chinas Autobauer BYD profitiert von staatlicher Förderung und expandiert weltweit im Bereich Elektrofahrzeuge.
Chinas Autobauer BYD: Nutzt staatliche Förderung und expandiert weltweit (© Anadolu / Getty Images)
IW-Nachricht 27. Januar 2026 Jürgen Matthes

Auslandsinvestitionen: Deutsche Unternehmen investieren wieder mehr Geld in China

Die Investitionen deutscher Unternehmen in China sind wieder deutlich gestiegen. Gleichzeitig schmälern die unfairen Handelspraktiken die Exportchancen und erhöhen den Importdruck. Das gefährdet die deutsche Industrie und ihre Arbeitsplätze.

Deutsche Unternehmen haben im Jahr 2025 rund sieben Milliarden Euro neu in China investiert. Das zeigt eine neue IW-Auswertung auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank. Der Zuwachs liegt über dem der beiden Vorjahre mit jeweils 4,5 Milliarden Euro. Zwischen 2010 und 2024 flossen im Durchschnitt jährlich sechs Milliarden Euro an zusätzlichen Direktinvestitionen nach China. Einen großen Teil dieser Investitionen finanzierten die Unternehmen aus Gewinnen vor Ort.

Industriepolitik Chinas wichtiger Treiber

Für den Anstieg spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Einige Unternehmen nutzen China, um im harten Wettbewerb dort ihre globale Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen, vor allem in Bereichen, in denen China einen Vorsprung hat. Der wohl wichtigste Treiber bleibt jedoch die aggressive Industriepolitik Pekings. Unternehmen, die Zugang zum chinesischen Markt mit rund 1,4 Milliarden Menschen wollen, werden unter Druck gesetzt, vor Ort zu produzieren, zu forschen und chinesische statt europäische Zulieferer einzusetzen.

Hinzu kommen massive Eingriffe des Staates in die chinesische Wirtschaft. Staatliche Subventionen und eine unterbewertete Währung verbilligen Produktion und Ausfuhren künstlich. Um sich vor den Gefahren anhaltender Handelskonflikte mit Zöllen und Exportbeschränkungen zu schützen, verlagern viele deutsche Unternehmen immer mehr Geschäftsbereiche nach Fernost. Sie verfolgen dabei eine „China-für-China“- oder sogar eine „China-für-die-Welt“-Strategie. So profitiert China derzeit von der zunehmend angespannten Lage der Weltwirtschaft.

EU muss faire Handelsbedingungen schaffen

Aus unternehmerischer Sicht ist die Entwicklung zwar nachvollziehbar, für die heimische Industrie ist sie jedoch ein Problem. Staatlich geförderte Produktion in China ersetzt zunehmend deutsche Exporte – und damit auch Arbeitsplätze hierzulande. Besonders betroffen sind die Automobil- und Zulieferindustrie. Zudem ist es problematisch, wenn Unternehmen aufgrund von Subventionen nach China abwandern und dadurch hierzulande weniger investieren. Noch größer wäre der Schaden, wenn Waren aus der dort künstlich verbilligten Produktion nach Europa gelangen. Dann stünden deutsche Arbeitsplätze in direkter Konkurrenz zu subventionierten Jobs in China. Solange die EU keine fairen Wettbewerbsbedingungen mit China schafft, bleibt diese Gefahr bestehen.

Zur Methodik: Die Auswertung basiert auf Zahlen der Deutschen Bundesbank. Da bislang nur Daten für die Monate Januar bis November vorliegen, sind die Werte für Dezember und damit auch für das Gesamtjahr mit dem Monatsdurchschnitt hochgerechnet. Zudem stehen die Zahlen unter dem Vorbehalt möglicher Revisionen.
 

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