1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Jung, weiblich und gesucht
IW-Nachricht 22. Oktober 2015 Gewerkschaftsmitglieder

Jung, weiblich und gesucht

Die IG Metall und Verdi melden steigende Mitgliederzahlen. Eine aktuelle Auswertung der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) jedoch zeigt: Mit dem Beschäftigungswachstum halten die jüngsten Zuwächse bei den Gewerkschaftsmitgliedern nicht Schritt.

Denn schaut man sich die Zahlen genauer an, ist die Entwicklung gar nicht positiv: Seit 2012 ist der Organisationsgrad der beiden Gewerkschaften um gut drei Prozentpunkte auf nur noch 17,5 Prozent Ende 2014 gesunken. Der Organisationsgrad gibt dabei an, wie viel Prozent aller Arbeitnehmer Mitglied einer Gewerkschaft sind. Bei steigender Beschäftigung sinkt der gewerkschaftliche Rückhalt in der Arbeitnehmerschaft also auch dann, wenn die Mitgliederzahlen stabil bleiben oder leicht wachsen.

Ein historisches Tief wurde 2006 erreicht – damals waren nur noch 18 Prozent aller abhängig Beschäftigten Mitglied einer Gewerkschaft. Danach stieg der Organisationsgrad leicht an, doch diese Entwicklung hat sich jüngst nicht mehr fortgesetzt. Insbesondere Frauen, Jüngere und Angestellte sind seltener organisiert. So ist fast jede zweite Beschäftigte eine Frau, doch nur etwa jede Dritte ist auch Gewerkschaftsmitglied. 18 Prozent aller Arbeitnehmer sind jünger als 30 Jahre, doch bei den Gewerkschaften machen sie nur 12 Prozent der Mitglieder aus.

Gelingt es den Gewerkschaften nicht, mehr Jüngere anzusprechen, geht der Organisationsgrad in den nächsten Jahren weiter zurück. Dann nämlich scheiden die besser organisierten Älteren aus dem Erwerbsleben aus – und die Gewerkschaften schrumpfen rapide.

Weitere Informationen dazu gibt es im iwd.

Weniger Gewerkschafter

So viele Prozent aller Arbeitnehmer waren Gewerkschaftsmitglieder (in Prozent)

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Deutschland braucht mehr private Investitionen.
IW-Nachricht 19. Oktober 2026 Michael Grömling

Investitionsausfälle durch Krisen wachsen auf 420 Milliarden Euro

Öffentliche Investitionen können das Minus der Unternehmen nicht ausgleichen: Seit Anfang 2020 sind die gesamtwirtschaftlichen Investitionsausfälle deutlich gestiegen, wie eine neue Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

Michael Grömling IW

Artikel lesen
IW-Nachricht 6. Oktober 2026 Jürgen Matthes

China-Handel: Höchste Zeit, dass die EU sich zu wehren lernt

Deutschland und Frankreich fordern vor der entscheidenden China-Reise von EU-Handelskommissar Šefčovič eine handelspolitische Allzweckwaffe gegen Marktverzerrungen. Der Vorstoß ist richtig.

Jürgen Matthes IW

Inhaltselement mit der ID 8880