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Deutschland braucht mehr private Investitionen. (© Gettyimages)
IW-Nachricht 19. Oktober 2026 Michael Grömling

Investitionsausfälle durch Krisen wachsen auf 420 Milliarden Euro

Öffentliche Investitionen können das Minus der Unternehmen nicht ausgleichen: Seit Anfang 2020 sind die gesamtwirtschaftlichen Investitionsausfälle deutlich gestiegen, wie eine neue Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

Der deutschen Wirtschaft sind seit 2020 Investitionen in Milliardenhöhe entgangen. Die Summe entspricht rund neun Prozent aller Bruttoanlageinvestitionen der vergangenen sechseinhalb Jahre. Für die Berechnungen hat das IW die tatsächlichen Bruttoanlageinvestitionen vom ersten Quartal 2020 bis zum zweiten Quartal 2026 mit einem Verlauf ohne Pandemie, geopolitischen Krisen und Strukturproblemen in Deutschland verglichen.

Investitionen kommen fast nur vom Staat

Die Unternehmen investierten demnach rund 470 Milliarden Euro weniger, als nach dem historischen Trend zu erwarten gewesen wäre. Das entspricht fast zwölf Prozent ihrer Investitionen in diesem Zeitraum. Der Staat investierte dagegen rund 50 Milliarden Euro mehr. Zusammengenommen ergeben sich so geschätzte Investitionsausfälle von rund 420 Milliarden Euro. 

Selbst 2026 haben die privaten Investitionen immer noch nicht ihr Vor-Corona-Niveau erreicht. Sie lagen im zweiten Quartal dieses Jahres mehr als zehn Prozent unter dem Jahresdurchschnitt 2019. Anders ist es bei den öffentlichen Investitionen: Sie liegen 20 Prozent höher als 2019. Grund sind zuletzt das Sondervermögen Infrastruktur und die Ausnahme bei der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben. Eine aktuelle IW-Studie zeigt: Zwischen 2020 und 2025 wuchs die deutsche Wirtschaft nur dank höherer Staatsausgaben.

Deutschland muss für private Investoren attraktiver werden

Dass der Staat seinen Investitionsstau auflöst, ist zwar richtig. Für ein nachhaltiges Wachstum können öffentliche Ausgaben private Investitionen jedoch nicht ersetzen. Dass die Bundesregierung mit einem Invest in Germany-Summit ebensolche Gelder nach Deutschland locken will, zeigt deshalb in die richtige Richtung. Hilfreicher wäre es aber, wenn sie die Standortbedingungen rasch verbessert. Denn neben den Krisen schrecken gerade die hohen Kosten für Energie und Arbeit oder Bürokratie die Unternehmen von Deutschland ab. 

Zur Methodik: Für die Schätzung der preisbereinigten Investitionsverluste in Deutschland in den vergangenen 26 Quartalen (erstes Quartal 2020 bis zweites Quartal 2026) wird der tatsächlichen Wirtschafts- und Investitionsentwicklung ein kontrafaktischer Konjunkturverlauf gegenübergestellt. Dieser orientiert sich an der trendmäßigen Konjunkturdynamik des Zeitraums 1991 bis 2019 (siehe Grömling, Michael, 2024, Wirtschaftliche Auswirkungen der Krisen in Deutschland, IW-Report, Nr. 11, Köln). Damit wird ein ökonomisches Umfeld angenommen, in dem es die Pandemie, den Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen geoökonomischen Anpassungslasten nicht gibt. Es handelt sich um gerundete Werte einer groben Orientierungsrechnung.
 

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