Jeder zweite Deutsche wünscht sich das bedingungslose Grundeinkommen, zeigt eine aktuelle Umfrage. Dabei missachtet das Konzept wichtige Gerechtigkeitsdimensionen in der Gesellschaft. Das Grundeinkommen ist ungerecht, weil es Ungleiches gleichbehandelt.
Bedingungsloses Grundeinkommen: Nur auf den ersten Blick gerecht
Etwa jeder zweite Deutsche hofft auf das bedingungslose Grundeinkommen, zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage. Vor allem junge, besser gebildete Menschen sowie Personen aus unteren Einkommensschichten lassen sich von der Idee begeistern.
Scheinbar einfache Lösung
Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens wie dm-Gründer Götz Werner oder der Philosoph Richard David Precht haben den Traum vom Leben ohne Existenzsorgen und Leistungsdruck vielen näher gebracht. Sie sehen in dem Modell die Voraussetzung für Freiheit und Selbstverwirklichung. Das Grundeinkommen gilt bei Befürwortern als Patentrezept zur Lösung vielfältiger Probleme wie Armut, bürokratische Steuersysteme und Ungerechtigkeit. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint das bedingungslose Grundeinkommen die komplexen Gerechtigkeitsfragen in der Sozialen Marktwirtschaft zu beantworten.
Verstöße gegen Gerechtigkeitsdimensionen
Ausgeblendet werden dabei allerdings etliche Faktoren wie die Finanzierungskosten, mögliche Folgen für das Steuer- und Sozialsystem sowie Fehlanreize zur Arbeitsaufnahme – damit müsste zwangsläufig bei einem radikalen Systemwechsel gerechnet werden. Zudem verstößt das bedingungslose Grundeinkommen gegen verschiedene Gerechtigkeitsdimensionen, die als Grundpfeiler der Gesellschaft dienen. Dazu gehört beispielsweise die Bedarfsgerechtigkeit, nach der Menschen je nach persönlichem Bedarf mit Gütern ausgestattet werden. Das Grundeinkommen missachtet auch, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen besondere Ausstattungen benötigen, zum Beispiel Behinderte oder Kranke. Und vor allem verstößt das Prinzip gegen die Leistungsgerechtigkeit – schließlich soll es unabhängig von Leistungsfähigkeit und -willen gezahlt werden. „Das bedingungslose Grundeinkommen ist ungerecht, weil es Ungleiches gleichbehandelt“, sagt IW-Ökonom Dominik Enste, dessen Buch zum Thema „Geld für alle“ in Kürze erscheint.
Öffentlicher Dienst: Potenziale durch mehr Vollzeit
Der öffentliche Dienst beklagt einen Personalmangel, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Der bezifferte Bedarf ließe sich rein rechne-risch zu einem erheblichen Teil durch eine Auswei-tung der Tätigkeit in Richtung Vollzeit decken.
IW
2026: Erneute Nullrunde bei Grundsicherung wahrscheinlich
In der Grundsicherung wird es aller Voraussicht nach eine Nullrunde im Jahr 2026 geben, weil der Regelsatz zuvor in Anbetracht hoher Inflation zu stark angehoben wurde. Denn die regelbedarfsrelevanten Preise stiegen von Januar 2024 bis April 2025 moderat.
IW
