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Preise an der Tankstelle: Seit 1960 haben die Einkommen die Preise deutlich überholt. (© Getty Images / KreativMediaPress)
IW-Nachricht 31. März 2026 Christoph Schröder

Spritpreise: Für Benzin arbeiten Beschäftigte kürzer als in früheren Krisen

Trotz Irankrieg und steigender Spritpreise müssen Beschäftigte für einen Liter Benzin heute kürzer arbeiten als früher. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Ein Liter Super kostet derzeit 2,08 Euro, der durchschnittliche Nettolohn liegt bei 25,56 Euro pro Stunde. Beschäftigte arbeiten also knapp fünf Minuten für einen Liter – weniger als in allen großen Krisen der vergangenen Jahrzehnte. Während der Ölkrise 1974 waren es 6,3 Minuten, in den Jahren 2011 und 2012, als der Ölpreis infolge des Arabischen Frühlings auf über 125 Dollar stieg, knapp sechs Minuten. Selbst der Ukrainekrieg trieb den Wert im Jahr 2022 nur auf 5,2 Minuten.

Löhne wuchsen stärker als Preise

Der Grund für diesen Rückgang liegt nicht etwa in sinkenden Spritpreisen. Denn der Literpreis hat sich seit 1960 versiebenfacht: von umgerechnet 0,31 Euro auf heute 2,08 Euro. Doch der Nettolohn ist im selben Zeitraum fast um das Zwanzigfache gestiegen: von 1,29 Euro auf 25,56 Euro pro Stunde. Wer im Jahr 1960 tanken wollte, arbeitete dafür rund 14 Minuten – fast dreimal so lang wie heute. Weil die Einkommen die Preise so deutlich überholt haben, können sich Beschäftigte an der Zapfsäule heute mehr leisten als früher.  

Irankonflikt lässt Arbeitszeit etwas steigen

Vier Wochen nach Beginn des Kriegs am Persischen Golf nähert sich die Arbeitszeit nun erneut der Fünf-Minuten-Marke. Sie ist aber immer noch weit entfernt von den Spitzenwerten vergangener Krisen. Sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter verschärfen, dürfte sich das allerdings ändern.  

Die Bundesregierung hat bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet: Ab 1. April ist nach österreichischem Vorbild ist nur noch eine Preissteigerung pro Tag zulässig. Ob dies die Preise senkt oder nur dazu führt, dass die täglichen Preisschwankungen geringer ausfallen, bleibt fraglich. Außerdem soll eine strengere Kartellaufsicht greifen. Diese benötigt jedoch Zeit in der Umsetzung, sodass kurzfristige Preiseffekte unwahrscheinlich sind. 

Zur Methodik: Die Berechnungen basieren auf der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamts. Der Bruttolohn je geleisteter Arbeitsstunde beträgt demnach 37 Euro. Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben verbleiben rund 69 Prozent – also 25,56 Euro netto. Die Angaben beziehen sich auf die tatsächlich geleistete Arbeitszeit, nicht auf die bezahlte. Von den bezahlten Stunden sind Urlaub, Feiertage und Krankheit abzuziehen. Die geleistete Arbeitszeit aller Arbeitnehmer – einschließlich Teilzeitbeschäftigter – betrug 2025 rund 1.300 Stunden pro Jahr, also knapp 110 Stunden pro Monat.

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