Die durchschnittliche oder unbereinigte Entgeltlücke liegt in der Privatwirtschaft in Deutschland bei 22 Prozent im Jahr 2018 – diese ergibt sich auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels. Doch alleingenommen sagt dieser „Gender Pay Gap“ wenig aus, da die Zahl sämtliche Unterschiede bei beruflichen Merkmalen nicht berücksichtigt. 

Benachteiligung nicht bewiesen

Aufschlussreicher ist der Blick auf Frauen und Männer, die sich in ihren relevanten Eigenschaften und Arbeitsplatzmerkmalen nicht unterscheiden. Die unbereinigte Lohnlücke wird so wissenschaftlich zerlegt und nach den wesentlichen Ursachen aufgeschlüsselt. Dazu gehören vor allem die Berufs- und Branchenwahl, Berufserfahrung oder Führungsverantwortung. Letztendlich beträgt die bereinigte Lücke rund 5,3 Prozent – eine Zahl, die sich mit anderen Forschungsergebnissen deckt. Ob dieser wesentlich geringere „Gender Pay Gap“ allerdings aufgrund der Benachteiligung von Frauen zustande kommt, lässt sich nicht sagen. So wird diese Lücke auch von Faktoren beeinflusst, die eigentlich berücksichtigt werden sollten, aber nicht durch Daten belegt sind. Dazu gehören etwa fehlende Details zu Tätigkeitsanforderungen und der Art einer Führungsposition oder auch Daten zu Präferenzen und Verhandlungsstrategien in Gehaltsgesprächen.

Erklärbare Ursachen bekämpfen

Doch auch wenn die Lücke nicht gänzlich erklärt werden kann, so kann die Politik wichtige Weichen stellen, wenn sie sich an den nachweisbaren Ursachen orientiert. Die Auswertung des IW hat etwa gezeigt, dass sich die Erwerbsverläufe von Frauen und Männer insbesondere ab der Geburt eines Kindes bzw. mit der Betreuung eines Kindes unterscheiden. Familie und Beruf müssen daher in Zukunft noch besser zu vereinbaren sein, um die Entgeltlücke zu schließen.