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BRICS - Vereinigung von fünf großen Mitgliedern der aufstrebenden Volkswirtschaften.
Gastbeitrag 22. Juni 2025 Samina Sultan in China.Table

Weltordnung im Wandel: Wie Donald Trump die BRICS+ stärkt

Erstmals trifft sich das BRICS+-Bündnis nach der Erweiterung um sechs Staaten. Sein Aufstieg wird befördert durch den politischen und wirtschaftlichen Vertrauensverlust der USA unter Donald Trump. Eine multipolare Weltordnung wird so wahrscheinlicher. Gleichzeitig gibt es große Spannungen im Bündnis.

Im Juli trifft sich erstmals das BRICS+-Bündnis in der erweiterten Fassung. Es umfasst nun elf Mitglieder. Hinzugekommen sind Äthiopien, Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien. Es steht damit für rund 28 Prozent der Weltwirtschaftsleistung (zu laufenden Preisen und Wechselkursen) und rund 48 Prozent der Weltbevölkerung. Ursprünglich sollte das Bündnis als Sammelbegriff für die aufstrebenden Schwellenländer fungieren. Hier stand also noch klar die ökonomische Perspektive im Vordergrund. Die Wirtschaftsleistung des Bündnisses wird durch die neuen Mitgliedstaaten aber nur geringfügig erhöht.

Die neue Erweiterung ist somit vielmehr unter geopolitischen Gesichtspunkten zu verstehen. Die Ausrichtung verschiebt sich hin zu einem Gegengewicht zum „Westen“ und somit zu einem potenziellen Gegenspieler der G7. Denn so unterschiedlich die Mitglieder auch sein mögen, einig sind sich wohl alle, dass sie die westliche Dominanz, etwa im Sicherheitsrat der UN, aber auch in den Institutionen des Bretton-Woods-Systems, Weltbank und IWF, ablehnen. Mit BRICS+ besteht eines der wenigen Dialogformate und globalen Plattformen für die Interessen des sogenannten „globalen Südens“. Obgleich der Erfolg dieser Bemühungen bisher eher gemischt war, stellt das Bündnis somit die bisherige westlich-geprägte globale Weltordnung teils infrage.

Diese Weltordnung gerät ohnehin durch den Rückzug der USA unter Donald Trump aus ihrer angestammten Hegemonialrolle und Hüterin der globalen Ordnung unter Druck. Der Vertrauensverlust – sowohl politisch als auch wirtschaftlich – den die USA derzeit erleiden, ist nicht zu unterschätzen. Dies untergräbt massiv die Soft Power und Einflussmöglichkeiten des Landes. Alte Allianzen, wie innerhalb der NATO, sowie enge Handelsbündnisse wie mit Kanada und Mexiko kommen ins Wanken. Es besteht somit gar die Gefahr einer Spaltung des „Westens“.

Gleichzeitig erodiert die wirtschaftliche Potenz der USA. Die am sogenannten „liberation day“ angedrohten Zölle haben den Status der USA als sicheren Hafen für Anleger infrage gestellt. So kam es nicht nur zu Verlusten an den Börsen, sondern zeitgleich auch bei US-Staatsanleihen und beim US-Dollar. Dessen Status als Reservewährung gerät ohnehin ins Wanken. Tatsächlich ist nicht klar, ob das Ziel der Trump-Administration ein starker oder ein schwacher Dollar ist. So kursiert in Washington unter dem Stichwort „Mar-a-Lago Accord“ die Idee, den Dollar gezielt zu schwächen, um die US-Exporte wettbewerbsfähiger zu machen.

Diese Gemengelage beschleunigt den Wandel hin zu einer multipolaren Weltordnung. Deren genaue Ausgestaltung ist zwar noch unklar. Aber alternative Bündnisse werden dadurch an Relevanz gewinnen. BRICS+ kann die Unabhängigkeit von den USA und die Rolle als Vertreterin des „globalen Südens“ nutzen, um in das Machtvakuum vorzudringen. Strategisch spricht somit einiges für eine größere Rolle des Bündnisses im globalen Machtgefüge.

Gleichwohl ist Skepsis angebracht, aufgrund der großen Heterogenität im Bündnis. So ist die wirtschaftliche Kluft teilweise enorm: Während etwa die Wirtschaftsleistung pro Kopf (in Kaufkraftparität) in den VAE bei rund 68.000 Dollar pro Kopf liegt, beträgt diese in Äthiopien gerade einmal 3.000 Dollar je Kopf. Auch im politischen Bereich dürften die Spannungen noch zunehmen. Etwa mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und der stärkeren Sanktionierung von Russland. Die Haltung Indiens oder auch Brasiliens in diesem Konflikt ist zumindest ambivalent, beide vermeiden eine Positionierung zugunsten des Bündnispartners Russlands. Auch die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran um die Vorherrschaft im Nahen Osten dauern an.

Von besonderer Relevanz für das Bündnis sind die Spannungen zwischen den beiden größten Mitgliedstaaten, Indien und China. Politisch ist zwar vor kurzem eine Einigung im Grenzstreit gefunden worden, aber wie fragil die Lage in der Region ist, hat jüngst wieder die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan gezeigt. Hier steht China auf der Seite Pakistans und unterstützt das Land auch militärisch. Dass Indien sich strategisch keinesfalls an ein von China dominiertes BRICS+ binden lassen wird, zeigt auch die jüngste Teilnahme des Landes am G7-Gipfel in Kanada.

Wirtschaftlich treibt auch die Handelspolitik von Donald Trump einen Keil zwischen die beiden Staaten. Indien versucht sich als alternativer Lieferant zu China in globalen Lieferketten zu positionieren – was auf Widerstand in China stößt. Beide Länder streben nach der Führungsrolle nicht nur im BRICS+-Bündnis, sondern auch global. China ist jedoch seit der Corona-Pandemie wirtschaftlich ins Straucheln geraten. Zudem machen sich zunehmend die demografischen Probleme im Land bemerkbar. Dagegen erscheinen die Wachstumsraten in Indien robust. Es hat 2022 China als bevölkerungsreichstes Land der Welt abgelöst und soll nach Prognose des IWF bis Ende des laufenden Jahres die viertgrößte Wirtschaftsnation werden.

Wie geeint das BRICS+-Bündnis auftreten und agieren kann, ist daher fraglich. Davon hängt aber wesentlich ab, inwiefern es als Machtfaktor ernst zu nehmen ist. Bislang ist es den BRICS+ jedenfalls nicht wirklich gelungen zu signalisieren, wofür sie stehen, sondern vielmehr wogegen sie sind – nämlich gegen die fortgesetzte westliche Vorherrschaft in der Weltordnungspolitik. Die ist dank Donald Trump ohnehin dabei zu erodieren. Ob die BRICS+ das strategische Fenster nutzen können, das sich ihnen dadurch bietet, bleibt somit abzuwarten.

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