Mit der Einführung des Riester-Faktors und des Nachhaltigkeitsfaktors in der Rentenanpassungsformel sowie der Anhebung der Regelaltersgrenze in den 2000er-Jahren gelang es den damaligen Bundesregierungen, die Lastverteilung zwischen den Interessen der Beitragszahler und Rentenbezieher neu auszutarieren.
Der Preis der Prokrastination: Rentenreformen in Zeiten der Gerontokratie
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Mit der Einführung des Riester-Faktors und des Nachhaltigkeitsfaktors in der Rentenanpassungsformel sowie der Anhebung der Regelaltersgrenze in den 2000er-Jahren gelang es den damaligen Bundesregierungen, die Lastverteilung zwischen den Interessen der Beitragszahler und Rentenbezieher neu auszutarieren.
In den 2010er-Jahren wurde dieser Reformpfad aber zugunsten einer Ausweitung der Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung sukzessive revidiert. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die günstige konjunkturelle Lage bis 2018, eine Rolle kann aber auch die zunehmende Alterung der Wählerschaft gespielt haben.
Die Abkehr von der Beitragssatzstabilität und die Hinwendung zu einer Leistungsausweitung wurden spätestens im Jahr 2014 mit der Einführung der abschlagsfreien vorzeitigen Rente für besonders langjährig Versicherte und der sogenannten Mütterrente I zur Anerkennung von Erziehungszeiten markiert. Sinn und Übelmesser (2000) simulierten bereits im Jahr 2000, dass Reformen, die jüngere Beitragszahler entlasten und ältere Rentenbeziehende belasten, ab dem Zeitpunkt ihre politische Mehrheitsfähigkeit verlieren, an dem das Medianalter der wahlberechtigten Bevölkerung das sogenannte Indifferenzalter überschreitet. Diesen Kipppunkt datierten sie auf das Jahr 2023, mit dem eine Epoche der Gerontokratie beginnen würde.
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Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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IW
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