Die deutsche Automobilindustrie steht seit Jahren unter immensem Druck. Bereits seit Ende der 2010er Jahre wird um die Zukunft der Automobilindustrie gerungen: Der demografische Wandel, aufstrebende Mitbewerber und Disruptionen im Welthandel erfordern einen Wandel von Unternehmensprozessen und -strategien.
Future Skills in der Automobil- und Zulieferindustrie Ostwürttemberg
Studie für das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die deutsche Automobilindustrie steht seit Jahren unter immensem Druck. Bereits seit Ende der 2010er Jahre wird um die Zukunft der Automobilindustrie gerungen: Der demografische Wandel, aufstrebende Mitbewerber und Disruptionen im Welthandel erfordern einen Wandel von Unternehmensprozessen und -strategien.
Die Digitalisierung und Dekarbonisierung initiieren zudem branchenspezifische Transformationsdynamiken. Die Herausforderungen im globalen Handel, die jüngst durch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump verschärft worden sind, stellen für die Automobil- und Zulieferunternehmen in Deutschland nur eine weitere Facette dar.
Am aktuellen Rand (2024) sind in Deutschland rund 900.000 Beschäftigte in der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen tätig. Werden Zulieferdienste, z. B. in der Metallverarbeitung oder im Maschinenbau, hinzugezählt, steigt die Zahl der Beschäftigten, die vom Automobil abhängen. Im Jahr 2021 waren knapp 1,2 Millionen Menschen in der produktionsnahen Automobilwirtschaft tätig, insgesamt wurden 2021 3,3 Millionen Beschäftigte mit der Automobilwirtschaft assoziiert. Der Wandel der Automobilindustrie hat aufgrund der konkreten Verortung von Maschinen und Menschen eine räumliche Komponente. Besonders hohe Anteile in der produktionsnahen Automobilwirtschaft weisen beispielsweise die Städte Wolfsburg und Ingolstadt sowie der Landkreis Dingolfing-Landau mit den Stammsitzen und Werken großer Automobilunternehmen auf. Auch in der Region Ostwürttemberg mit dem Landkreis Heidenheim und dem Ostalbkreis ist die Automobilwirtschaft bedeutsam, denn etwa 21.500 Erwerbstätige erwirtschafteten 2021 rund 1,8 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung. Werden Beschäftigte in nachgelagerten Wirtschaftszweigen (z. B. Handel, Tankstellen, Werkstätten) außen vor gelassen, waren 2021 rund 10.350 Beschäftigte in den produktionsnahen Bereichen tätig. Die Beschäftigung in der Region Ostwürttemberg war damit mit 5,7 Prozent (Deutschland: 3,6 Prozent) überdurchschnittlich stark vom produktionsnahen Automobilbereich abhängig.
Der Transformationsdruck ist in Unternehmen, die Komponenten der Verbrenner-Technologie herstellen, höher als in Unternehmen, die bereits in den automobilen Chancenfeldern (Elektrifizierung, Automatisierung, Vernetzung) tätig sind. Die Region Ostwürttemberg ist – gemessen an der Zahl der Beschäftigten, die in der Verbrenner-Technologie tätig sind – überdurchschnittlich stark vom automobilen Wandel betroffen.
Für die Transformation in den Unternehmen, die sowohl neue Technologien und Produkte als auch veränderte Prozesse bedeuten kann, spielen die Kompetenzen der Belegschaften eine Schlüsselrolle. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich den Herausforderungen stellen, Chancen und Möglichkeiten im Zusammenhang mit dem automobilen Wandel zu erkennen, neue Technologien zu bewerten, vielversprechende Lösungswege zu priorisieren sowie neue Prozesse zuverlässig zu verfolgen und neue Tätigkeiten erfolgreich durchzuführen. Gleichwohl die für die Transformation notwendigen Kompetenzen unternehmensindividuellen Spezifika unterliegen, so können sich jenseits organisationaler Grenzen übergeordnete Kompetenzmuster in Abhängigkeit regionaler Wirtschaftsstrukturen erkennen lassen, die für die Bewältigung der Herausforderung und damit für eine erfolgreiche Zukunft notwendig sind.
Diese Future Skills für die Region Ostwürttemberg wurden mittels Machine Learning und ökonometrischen Verfahren herausgearbeitet und die Ergebnisse der Analyse werden in dieser Studie vorgestellt. Dafür erfolgt zunächst eine kurze Einordnung des Begriffs „Future Skills“ im nachfolgenden Kapitel, während Kapitel 3 knapp die Datengrundlage, die angewendete Methodik und die notwendigen Analyseschritte erläutert. In Kapitel 4 werden die Ergebnisse zu den Future Skills für die Automobil- und Zulieferindustrie in der Region Ostwürttemberg vorgestellt. Die Studie schließt mit einer Betrachtung, wie die Erkenntnisse in die Praxis übersetzt werden können.
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Studie für das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg
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