Die vorliegende Ausgabe des IW-Regionalrankings markiert ein besonderes Jubiläum: Die diesjährige Analyse ermöglicht erstmals eine konsistente Retrospektive über einen Zeitraum von zehn Jahren (2016–2026), in dem sich die Rahmenbedingungen für regionale Entwicklung grundlegend verändert haben.
Zwischen Krisen und Chancen: Regionalentwicklung in Zeiten multipler Herausforderungen
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die vorliegende Ausgabe des IW-Regionalrankings markiert ein besonderes Jubiläum: Die diesjährige Analyse ermöglicht erstmals eine konsistente Retrospektive über einen Zeitraum von zehn Jahren (2016–2026), in dem sich die Rahmenbedingungen für regionale Entwicklung grundlegend verändert haben.
Im Fokus der diesjährigen Analyse steht dabei die Frage, inwieweit es Regionen gelungen ist, unter zunehmend herausfordernden Bedingungen regionalen Erfolg zu gestalten und wirtschaftliche Dynamik zu entfalten.
Die vergangenen zehn Jahre waren für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland von tiefgreifenden Umbrüchen geprägt. Auf eine mehrjährige Phase stabilen Wachstums folgte ab Ende der 2010er-Jahre ein zunehmend herausforderndes Umfeld, das sich zu Beginn der 2020er-Jahre zu einem regelrechten „Krisenjahrzehnt“ verdichtete. Konjunkturelle Schwächen über mehrere Jahre, eine industrielle Rezession sowie tiefgreifende strukturelle Veränderungen in den Wertschöpfungsnetzwerken durch Energie- und Rohstoffkrisen treffen dabei zeitlich zusammen und überlagern sich:
- Im Zentrum dieser Entwicklung steht der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Mit dem Pariser Klimaabkommen im Jahr 2015 und der anschließenden Verschärfung der europäischen und nationalen Klimapolitik wurde ein langfristiger Transformationsprozess angestoßen, der insbesondere energieintensive und industriell geprägte Regionen vor grundlegende Anpassungsanforderungen stellt. Diese langfristige Transformation wurde durch kurzfristige Schocks verstärkt, allen voran die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, die bestehende strukturelle Herausforderungen zusätzlich verschärfte. Die Schließung der Straße von Hormuz intensiviert jüngst den Anpassungsdruck.
- Gleichzeitig wirkte die Corona-Pandemie als exogener Einschnitt, der wirtschaftliche Strukturen temporär destabilisierte, zugleich aber bestehende Trends wie Digitalisierung und neue Arbeitsformen erheblich beschleunigte. Parallel dazu haben geopolitische Spannungen und zunehmende Tendenzen zur Deglobalisierung die Rahmenbedingungen für international eingebundene Wertschöpfungsketten verändert. Effizienzorientierte Produktionsmodelle werden zunehmend durch Anforderungen an Resilienz, Stabilität und Sicherheit ergänzt.
- Auch auf dem Arbeitsmarkt haben sich die Rahmenbedingungen infolge des demografischen Wandels grundlegend verschoben. Die Auswirkungen der Alterung der erwerbsfähigen Bevölkerungen verschärfen sich. Neben Fachkräfteengpassen prägt auch internationale Migration regionale Arbeitsmärkte. Die Transformation und die damit in Verbindung stehende Schwäche der Industrie führt zudem zu umfangreichen Up- und Re-Skilling-Bedarfen. Regionen unterscheiden sich dabei deutlich in ihrer Fähigkeit, Arbeitskräfte zu gewinnen, zu integrieren und langfristig zu binden.
In der Gesamtschau ist die vergangene Dekade damit weniger durch einzelne Krisen als vielmehr durch die Gleichzeitigkeit mehrerer Transformationsprozesse gekennzeichnet. Für Regionen ergibt sich daraus ein hochkomplexes Umfeld, in dem wirtschaftliche Entwicklung zunehmend von der Fähigkeit abhängt, mit Unsicherheit umzugehen, strukturelle Veränderungen aktiv zu gestalten und vorhandene Potenziale gezielt weiterzuentwickeln.
Vor diesem Hintergrund analysiert das IW-Regionalranking die regionale Entwicklung aus mehreren Perspektiven: Zunächst wird aufgezeigt, welche Regionen aktuell besonders erfolgreich sind (Kapitel 3). Die Betrachtung jüngerer Entwicklungsverläufe macht aktuelle Wachstumsimpulse sichtbar (Kapitel 4). Darüber hinaus erlaubt der langfristige Niveauvergleich über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg, unterschiedliche Entwicklungspfade systematisch einzuordnen (Kapitel 5) und zentrale Faktoren erfolgreicher Regionalentwicklung zu identifizieren (Kapitel 6).
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