Generative KI-Modelle entwickeln sich rasant. Dadurch können neue Berufsbilder entstehen. Ein prominentes Beispiel dafür ist der „Prompt Engineer“. Ihm wurden zeitweise hohe Gehälter und einfache Einstiegsmöglichkeiten versprochen.
Prompt Engineer: Zwischen Hype und Realität
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Generative KI-Modelle entwickeln sich rasant. Dadurch können neue Berufsbilder entstehen. Ein prominentes Beispiel dafür ist der „Prompt Engineer“. Ihm wurden zeitweise hohe Gehälter und einfache Einstiegsmöglichkeiten versprochen.
Am deutschen Arbeitsmarkt stellt sich dies jedoch anders dar: Jobsuchende interessieren sich zwar für den Beruf, Arbeitgeber schreiben aber fast keine Stellen aus. Daten aus Online-Stellenanzeigen und Messungen des Suchverhaltens bei der Internet-Jobbörse Indeed verdeutlichen, dass sich der Prompt Engineer nicht als eigenständiger Beruf etablieren konnte.
Die rasante Entwicklung neuer Technologien hat das Potenzial, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Dadurch können neue Berufe entstehen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass diese neuen Berufe schnell an Bedeutung verlieren. Die Gründe hierfür sind vielfältig: So kann die zugrunde liegende Technologie wieder Popularität einbüßen (z. B. bei NFT-Beratern), technologische Weiterentwicklungen machen bestimmte Tätigkeiten überflüssig (z. B. Telefonvermittlung) oder Arbeitgeber haben kein Interesse, entsprechende Stellen auszuschreiben (z. B. bei Experten für Kryptowährung).
Alles deutet darauf hin, dass der neu entstandene Beruf „Prompt Engineer“ (deutsch: Prompt Ingenieur) ein Beispiel für letztere beiden werden könnte. Der Beruf hat sich mit dem Einsatz von großen Sprachmodellen (englisch: Large Language Models – LLMs) und künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt. Die Aufgabe von Prompt Engineers ist es, präzise und effektive Eingaben für KI-Systeme zu erstellen, um die bestmöglichen Antworten zu erzielen. Anfänglich war Prompten noch überaus kompliziert und es war viel Chatbot-spezifische Erfahrung notwendig, um das meiste aus den LLMs herauszuholen. Jedoch haben sich die Chatumgebungen kontinuierlich weiterentwickelt und Prompten wurde intuitiver. Die Chatbots können nun sogar selbst Folgefragen stellen, falls sie den ursprünglichen Prompt nicht verstanden haben.
Für die hier durchgeführte Analyse wurden Stellenausschreibungen für Prompt Engineers in Deutschland im Zeitraum von Januar 2023 bis Dezember 2024 untersucht. Die Daten basieren auf früheren Auswertungen zu generativer KI (Büchel/Engler, 2025) und werden mit dem Suchverhalten von Jobsuchenden (Indeed Hiring Lab, 2025) auf der Internetplattform der Jobbörse Indeed ins Verhältnis gesetzt.
<iframe class="everviz-iframe" src="https://app.everviz.com/embed/e8HGwEgIg/?v=10" title="Chart: Prompt Engineer in Stellenanzeigen" style="border: 0; width: 100%; height: 500px"></iframe>
Versprechungen
Nach der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 erschienen in den USA viele Berichte zum neuen Beruf des Prompt Engineers (z. B. WSJ, 2023). Das Marktforschungsinstitut Gartner ordnete den Prompt Engineer sogar als „unverzichtbare KI-Rolle“ für die KI-Entwicklung in der Daten- und Analysebranche ein (Heizenberg, 2024). Auch deutsche Medien griffen das Thema auf. Der Beruf versprach eine attraktive Quereinstiegsmöglichkeit in die heiß begehrte KI-Branche und außerdem sehr hohe Gehälter. Demnach hätte jemand, der Chatbots wie ChatGPT gut bedienen kann, in den USA über 200.000 US-Dollar im Jahr verdienen können (WSJ, 2023). Als Beispiel wurde das KI-Start-up „Anthropic“ genannt, das einige solcher Ausschreibungen veröffentlicht hatte. Besonders auffallend: Die Einstiegshürden waren niedrig. Oft wurde kein Universitätsabschluss vorausgesetzt, wie er sonst in der KI-Branche üblich ist (Büchel/Mertens, 2021). Auch Programmierkenntnisse wurden nicht verlangt. Stattdessen reichte praktische Erfahrung im Umgang mit Chatbots.
Es überrascht daher nicht, dass solche Stellenausschreibungen bei Jobsuchenden auf großes Interesse stießen. Auf der US-Jobplattform von Indeed stieg die Zahl der Suchanfragen nach „Prompt Engineer“ zwischen Januar und April 2023 von 2 auf 144 pro eine Million Anfragen (WSJ, 2025). In Deutschland zeigte sich ein ähnlicher Trend (siehe Abbildung): Im April 2023 sind die Anfragen auf 96 pro eine Million hochgeschossen. Danach gingen die Suchanfragen zwar zurück, blieben in Deutschland aber auf einem vergleichsweise hohen Niveau von rund 33 pro eine Million Anfragen (Indeed Hiring Lab, 2025).
Ernüchterung
Das große Interesse an dem Beruf spiegelt sich auf Seiten der Arbeitgeber jedoch kaum wider. In einer Umfrage, die Microsoft in Auftrag gegeben hat, wurden Unternehmen gefragt, welche neuen Stellen sie in den nächsten 12 bis 18 Monaten schaffen wollen. Prompt Engineering landete dabei auf dem vorletzten Platz (WSJ, 2025).
Für die Analyse auf dem deutschen Arbeitsmarkt wurden sämtliche Stellenausschreibungen erfasst, in denen explizit nach einem Prompt Engineer gesucht wurde. Die monatliche Zahl dieser Angebote pro eine Million Stellenanzeigen ist in der Abbildung dargestellt. Das Ergebnis: Die Nachfrage nach Prompt Engineers ist sehr gering. Zwischen Januar 2023 und Dezember 2024 gab es in ganz Deutschland nur 130 solcher Ausschreibungen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wurden rund 70.000 weitere Stellen für IT-Experten (KldB 43104) veröffentlicht – die Berufsgattung, der nach der Klassifikation der Berufe (KldB) der Bundesagentur für Arbeit der Beruf Prompt Engineer zugeordnet ist (KldB 43104-135).
Hinzu kommt: Die Zahl der Prompt-Engineer-Stellen ist sogar rückläufig. Im Jahr 2024 wurden etwa 50 Prozent weniger Stellen ausgeschrieben als 2023. Der Monat mit den meisten Angeboten war der August 2023 mit gerade einmal 11 Anzeigen pro eine Millionen Stellenanzeigen. Diese Zahlen zeigen, dass der anfängliche Hype um den Beruf bisher nicht zu einer nachhaltigen Etablierung geführt hat.
Es besteht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen dem Interesse auf Seiten der Jobsuchenden und dem tatsächlichen Stellenangebot. In den Monaten April, Mai und Juni 2023 wurden pro Monat durchschnittlich nur 6 Stellenanzeigen pro eine Million veröffentlicht – gleichzeitig gab es durchschnittlich 84 Suchanfragen pro eine Million. Das Angebot von Jobsuchenden war in diesem Vergleich damit etwa vierzehnmal so hoch wie die Nachfrage. Obwohl nach dem Sommer 2023 das Interesse der Jobsuchenden gesunken ist, blieb das Angebot im Durchschnitt sechsfach höher als die Nachfrage.
Prompt Engineering als Kompetenz
Auch wenn sich Prompt Engineering bisher kaum als eigenständiger Beruf durchgesetzt hat und kein deutliches Wachstum erkennbar ist, zeigt sich auf der Ebene der Kompetenzen ein ganz anderes Bild: Im Dezember 2024 wurde diese Fähigkeit in fast doppelt so vielen Stellenanzeigen erwähnt wie im gesamten Zeitraum 2023–2024 explizit nach „Prompt Engineers“ gesucht wurde. Insgesamt wurden über 2.000 Stellen, bei denen explizit Prompt Engineering-Kompetenzen gefordert wurden und weitere knapp 23.000 Stellen, für die mindestens grundlegende Generative KI-Kompetenzen erforderlich waren, in dem untersuchten Zeitraum ausgeschrieben (Büchel/Engler, 2025). Besonders häufig tauchen Prompt Engineering-Kompetenzen in Jobangeboten für Data Scientists, Consultants oder Berufe im Medien- und Kommunikationsbereich auf.
Das deutet darauf hin, dass das Prompt Engineering zunehmend als zusätzliche Kompetenz in bestehenden Berufen gefragt ist und weniger als eigenständiger Beruf.
Fazit: Kompetenz, nicht Beruf
Die große Lücke zwischen dem Interesse von Jobsuchenden und der geringen Nachfrage durch Arbeitgeber zeigt: Der Beruf Prompt Engineer wird wohl auch in Zukunft eher eine Ausnahme bleiben. Stattdessen entwickelt sich ein anderer Trend: In bestehenden Berufen – vor allem im Daten- und KI-Bereich – wird Prompt Engineering zunehmend als zusätzliche Fähigkeit gefragt sein.
Gerade für Berufseinsteiger und Jobsuchende ist das ein wichtiger Hinweis: Trendberufe wie der Prompt Engineer können zwar in Einzelfällen den Einstieg erleichtern, doch langfristig scheint ein anderer Weg oft erfolgsversprechender. Eine fundierte Ausbildung, ein anerkannter Abschluss und der Einstieg in etablierte Berufsfelder bieten meist bessere und nachhaltigere Karrierechancen.
Prompt Engineer: Zwischen Hype und Realität
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
AI and soft skills: Evidence from EU job postings
The influence of AI on the EU labour market has risen substantially in recent years. In 2025, 1.7% of job postings in the EU required in-depth AI knowledge – starting from 0.7% in 2022.
IW
In Brief #9: Measuring AI-exposure in online job advertisements
This methodological note details the identification of AI-related online job vacancies across the EU (for the full empirical analysis see fact sheet #14: AI skill demand in the EU).
IW