Der Bildungsstand und die beruflichen Fähigkeiten beeinflussen die Möglichkeiten des Einzelnen, Einkommen zu erzielen und am sozialen Leben teilzuhaben. Qualifizierte Fachkräfte sind die Basis für unseren Wohlstand, da sie die Innovations- und Leistungsfähigkeit der Unternehmen begründen. Daher investieren sowohl Individuen als auch Unternehmen in Weiterbildung. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) finanziert Weiterbildungsmaßnahmen, da (Weiter-)Bildung der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist. So sind 17,9 Prozent der Personen ohne Berufsabschluss arbeitslos, aber nur 3,9 Prozent der Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und 2,3 Prozent der Akademiker (IAB, 2018). In Zeiten von Fachkräfteengpässen kann das Potenzial von (arbeitslosen) Geringqualifizierten genutzt werden, indem sie für qualifizierte Tätigkeiten weitergebildet werden.

Förderung im SGB III hat sich verdoppelt

Die Förderung der beruflichen Weiterbildung im Rechtkreis des Sozialgesetzbuch (SGB) III, der aus Beitragseinnahmen der Arbeitslosenversicherung finanziert wird, hat sich seit dem Jahr 2006 auf 1,29 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2009 und 2010 sind die Ausgaben stark gestiegen, da viele Unternehmen die Zeit der Auftragsrückgänge für Qualifizierungen genutzt haben, die zum Teil von der BA intensiv gefördert wurden. Da es im Jahr 2005 durch die Einführung des Rechtskreises SGB II zu großen Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik kam, wird hier als Vergleichszeitpunkt das Jahr 2006 gewählt. Es wird angenommen, dass zu dieser Zeit der Umbau zum größten Teil abgeschlossen war. Die Ausgaben je Arbeitslosen haben sich im SGB III zwischen den Jahren 2006 und 2018 von 325 Euro auf 1.605 Euro verfünffacht. Ohne Berücksichtigung der Qualifizierung Beschäftigter ergibt sich bis 2016 ein Anstieg um mehr als das 3,5-Fache. Die Ausgaben je Teilnehmer (bezogen auf den jahresdurchschnittlichen Bestand) haben sich – bei sinkender Arbeitslosenzahl – fast verdoppelt und betrugen im Jahr 2018 rund 14.000 Euro. Diese Steigerung ist auch dadurch bedingt, dass der Anteil an Maßnahmen, die zu einem Berufsabschluss führen, von 36,8 auf 46,4 Prozent gestiegen ist. Diese Weiterbildungsmaßnahmen sind von längerer Dauer und damit teurer; gleichzeitig erhöhen sie die Arbeitsmarktchancen der Teilnehmer nachhaltig (Doerr et al., 2017). Die steigende Bedeutung, die Weiterbildung in der Arbeitsmarktpolitik der BA hat, zeigt sich auch darin, dass sich die Zahl der Teilnehmer je 1.000 Arbeitslosen seit 2006 von 42 auf 114 Personen fast verdreifacht hat.

Förderung von Beschäftigten und Unternehmen wurde ausgeweitet

Mit dem Qualifizierungschancengesetz wurden die Fördermöglichkeiten für Weiterbildung Anfang 2019 deutlich ausgeweitet. Beschäftigte und Unternehmen – und nicht wie bisher mehrheitlich Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen – können gefördert werden. Dies kann zu Mitnahmeeffekten führen: Unternehmen könnten sich Weiterbildungsmaßnahmen, die sie – aus betriebswirtschaftlichem Kalkül – ohnehin durchführen würden, öffentlich kofinanzieren lassen. Zudem ist die neue Förderung sehr unspezifisch. Sie dient dazu, die Qualifikationen der Beschäftigten an wirtschaftliche und strukturelle Veränderungen anzupassen, die durch den technologischen Wandel entstehen. Das umfasst sowohl technisches Know-how als auch Soft Skills, die im Zuge der Digitalisierung ebenfalls immer wichtiger werden, aber auch Qualifizierungsmaßnahmen für neu entstehende Tätigkeiten (Seyda et al., 2018). Dadurch wird das Spektrum der förderfähigen Weiterbildungen sehr groß und kann sehr viele Beschäftigte erfassen. Das Ziel, vor allem Personen ohne Berufsabschluss zu fördern, da diese eine Qualifizierung am dringendsten benötigen, wird dann verfehlt.