Ein „Gender Pension Pay Gap“ von 46 Prozent und ein (negativer) Platz 1 unter den OECD-Staaten wirft auf den ersten Blick kein gutes Licht auf die Gleichstellung von Frauen in Deutschland (OECD, 2019). Der „Gender Pension Pay Gap“ bezeichnet den prozentualen Unterschied zwischen der durchschnittlichen Rente der Männer und der Frauen. Zwar kommt Eurostat (2020a) auf Basis derselben Daten für das Jahr 2018 auf einen „Gender Pension Pay Gap“ von 37,4 Prozent und damit für Deutschland auf Platz 6 in der EU. Auch dies ist jedoch kein rühmliches Ergebnis. Allerdings ist es wichtig, diese Zahl etwas genauer einzuordnen.

Gesetzliche Rente stark abhängig von Erwerbsbiografie

Insbesondere die gesetzlichen Renten waren und sind in Deutschland sehr stark von der individuellen Erwerbs- oder noch präziser von der Beitragsbiografie abhängig. Das ist nicht in allen OECD- und EU-Staaten gleichermaßen der Fall. Die deutsche Rentenversicherung funktioniert stark nach dem Prinzip der sogenannten Teilhabeäquivalenz. Das heißt, je höher die eigenen Beitragszahlungen während des Erwerbslebens im Vergleich zu den anderen waren, desto höher sind im Vergleich auch die eigenen Rentenansprüche. Grundsicherungselemente finden sich in ihr hingegen kaum, diese Absicherung findet in aller Regel außerhalb der Rentenversicherung statt. Gleichzeitig werden zwar auch Kindererziehungszeiten berücksichtigt, im Gegensatz zu den gezahlten Beiträgen spielen sie aber eine untergeordnete Rolle.

Der „Gender Pension Pay Gap“ spiegelt daher für Deutschland sehr deutlich die unterschiedlichen Beitragsbiografien (und damit Erwerbsbiografien) von Männern und Frauen wider: Lange, oft familienbedingte Auszeiten vom Erwerbsleben und Teilzeitarbeit, beides insbesondere in Westdeutschland, aber auch eine geringere Bezahlung, beispielsweise aufgrund der Berufswahl, führten dazu, dass Frauen in der Vergangenheit im Durchschnitt deutlich weniger in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben als Männer.