Als sich im Frühjahr der erste Lockdown abzeichnete, wurde teilweise auch mit einer starken Reaktion der Immobilienpreise gerechnet (z. B. Braun/Simons, 2020), schließlich war von einer schwächeren Nachfrage und höheren Unsicherheiten auszugehen. Entgegen dieser Erwartung hat sich jedoch die Immobilienpreisentwicklung der letzten zehn Jahre mit steigenden Preisen im Wesentlichen fortgesetzt. Im Durchschnitt der 401 kreisfreien Städte und Landkreise (Kreise) stiegen die Preise für Eigentumswohnungen im 2. Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent. Auch bei den Mieten gab es kaum Reaktionen, selbst im Markt für studentisches Wohnen, in dem es aufgrund von Online-Semestern zu einem besonderen Rückgang der Nachfrage gekommen sein sollte (vgl. Oberst/Voigtländer, 2020). Hierfür dürften vor allem drei Gründe ursächlich sein:

1. In vielen Städten und Kreisen herrscht nach wie vor ein erheblicher Nachfrageüberschuss (vgl. Henger/Voigtländer, 2019). Insbesondere aufgrund der starken Arbeitsmigration der letzten Jahre und Zuwanderung junger Menschen aus dem In- und Ausland in die Ballungsräume ist die Nachfrage nach Wohnraum stark gestiegen, während das Angebot nicht in gleichem Maße ausgebaut werden konnte. Auch wenn nun bedingt durch die Corona-Pandemie die Nachfrage zumindest kurzfristig etwas zurückgegangen ist, hat dies noch nichts an dem grundsätzlichen Missverhältnis aus Angebot und Nachfrage geändert. Im Markt für studentisches Wohnen ist etwa davon auszugehen, dass andere Nachfragegruppen in die Lücken gestoßen sind.

2. Wohnimmobilien sind längst nicht so überbewertet, wie dies teilweise unterstellt wird. Insbesondere haben Wohnimmobilien die deutlichen Zinsreduktionen der letzten Jahre noch nicht vollständig nachvollzogen. Dies verdeutlicht etwa der Wohnnutzerkostenansatz, der darauf hinweist, dass kaufen im Verhältnis zu mieten immer noch deutlich günstiger ist (vgl. Sagner/Voigtländer, 2020). Oder anders ausgedrückt: Wären Wohnimmobilien tatsächlich überbewertet gewesen, hätte man einen Einbruch der Kaufpreise in einer Wirtschaftskrise erwarten müssen – dies ist jedoch nicht nur ausgeblieben, sondern die Kaufpreise steigen sogar weiter.

3. Der Lockdown und auch die Einschränkungen bei Freizeitmöglichkeiten haben den Nutzwert des eigenen Wohnumfelds unterstrichen. Wer ein eigenes Arbeitszimmer hatte und die Möglichkeit, den Kindern etwa eigene Räumlichkeiten für das Homeschooling zur Verfügung zu stellen, wird deutlich besser durch den Lockdown gekommen sein als derjenige, der in einer kleinen Wohnung lebt. Dies dürfte die Zahlungsbereitschaft für das Wohnen, trotz möglicher Einkommenseinbußen, hochgehalten haben.