Lange wurde politisch über eine Neuregelung der Provisionen für Makler gerungen, gestritten wurde dabei vor allem über die Frage, ob auch in Deutschland das in vielen anderen europäischen Ländern gebräuchliche Bestellerprinzip eingeführt werden sollte (Voigtländer, 2019). Dies hätte in der Mehrzahl der Fälle bedeutet, dass nur der Verkäufer den Makler bezahlt, da dieser die Dienstleistung beauftragt. Geeinigt hat man sich dann aber auf eine Aufteilung der Maklerprovisionen auf Käufer und Verkäufer, wobei zwingend ist, dass der Käufer maximal so viel zahlt wie der Verkäufer. Diese Regelung gilt ab dem 23.12.2020.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass sich mit dieser Neuregelung außer in einigen Bundesländern kaum etwas ändern wird. In u. a. Berlin, Hamburg und Hessen hat bislang vorwiegend der Käufer die Provision gezahlt, während in den meisten anderen Bundesländern auch jetzt schon zumindest formal eine Teilung gilt. Tatsächlich ist es aber so, dass gerade in angespannten Märkten fast nur der Käufer zahlt, selbst wenn formal die Provision geteilt wird. Einige Makler haben sogar sehr offen damit geworben, dass bei ihnen die Provision zulasten des Käufers geht. Voigtländer (2019) konnte überdies zeigen, dass zum Beispiel in Köln die Provision für Käufer über die letzten Jahre immer weiter gestiegen ist. 2019 musste bei jedem vierten Inserat bereits eine Provision von 5,95 Prozent gezahlt werden. Eine stärkere Belastung des Käufers ist zukünftig aber ausgeschlossen.

Damit wird sich der Markt deutlich ändern. Schließlich hat nun der Verkäufer ein echtes Interesse, über die Provisionshöhe zu verhandeln, was eben auch direkt dem Käufer nutzt. Dies kann zu einer deutlichen Entlastung der Käufer führen. In Ländern wie Schweden, den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich liegt die Provision oft bei 2 Prozent des Kaufpreises oder darunter. Ob es auch in Deutschland zu solchen Provisionen kommen wird, ist ungewiss, sicher erscheint jedoch, dass ein verstärkter Preiswettbewerb einsetzen wird. Darüber hinaus ist auch mit einer Differenzierung des Angebots zu rechnen. So wird es Anbieter geben, die vor allem mit geringen Provisionen überzeugen möchten, während andere ein größeres Leistungspaket, das etwa auch Home Staging oder exklusiv gestaltete Exposés beinhaltet, anbieten werden.

Nichtsdestotrotz müssen sich Makler damit aber auf geringere Provisionen je Transaktion einstellen – ein wesentlicher Grund, warum der Widerstand gegen eine Neuregelung so hoch war. Insbesondere wurde befürchtet, dass es zu Insolvenzen und Entlassungen kommen wird. Ein Blick ins europäische Ausland, in dem die Provisionshöhe oftmals sehr viel geringer ausfällt, zeigt jedoch, dass auch in einem neuen Wettbewerbsumfeld genug Potenzial für Makler gegeben ist.