Im bisherigen Jahresverlauf 2020 ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen trotz des kräftigen Wirtschaftseinbruchs mit einem für das Gesamtjahr erwarteten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5 bis 6 Prozent rückläufig. Zum Teil kann dies auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende September – und für den Insolvenzgrund Überschuldung darüber hinaus – zurückgeführt werden, doch auch seit Oktober signalisieren Frühindikatoren kein Anschwellen der Insolvenzzahlen (IWH, 2020). Im laufenden Jahr könnte die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen damit gegenüber 2019 um circa 9 Prozent sinken, auf einen neuen Tiefststand von 17.060.

Insolvenztrend, Strukturwandel und Staatseingriffe

Der aktuelle Rückgang der Insolvenzen ist positiv zu sehen, da die Beschäftigten insolventer Firmen große Schwierigkeiten haben dürften, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, solange die Krise andauert. Das Ausscheiden von Unternehmen gehört aber zum funktionierenden Strukturwandel, deshalb sollte der Staat prinzipiell nicht als Retter für schlecht wirtschaftende Unternehmen einspringen: Der Trend zum Onlinehandel war zum Beispiel schon vor der aktuellen Beschleunigung in vollem Gange, so dass Kaufhauskonzerne unter Druck gerieten. Die Corona-Pandemie verändert die Bedingungen jedoch rasant, etwa im Luftverkehr. So war die Lufthansa „vor Corona“ ein gesundes Unternehmen. Da Deutschland als Handelsnation auf exzellente globale Verbindungen angewiesen ist, ist die Stützung einer Netzwerk-Airline vertretbar (Röhl/Rusche, 2020). Die Corona-Pandemie führt zu Verwerfungen, die Staatshilfen und -beteiligungen auch in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Impfstoffen rechtfertigen können.