Die EU-Kommission verfolgt im Rahmen ihrer Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter das Ziel, den sogenannten Gender Pay Gap, also die durchschnittliche Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen, zu reduzieren (EU, 2016). Im Rahmen ihres Aktionsplans für die Jahre 2017 bis 2019 hat sie sich auch das Ziel gesetzt, Daten zum bereinigten Gender Pay Gap gemeinsam von der EU-Kommission und Eurostat erarbeiten zu lassen (EU, 2017). In diesem Kontext dürften die aktuellen Beiträge von Leythienne/Ronkowski (2018) und Boll/Lagemann (2018) zu nennen sein sowie ergänzend dazu auch eine vergleichbare Studie von Boll et al. (2016). Die bereinigte Lohnlücke kann als verbleibender Teil der durchschnittlichen Entgeltlücke interpretiert werden, wenn sich Frauen und Männer in einer Vielzahl von lohnrelevanten Merkmalen gerade nicht unterscheiden, wie etwa hinsichtlich der Größe des Betriebs, der Bildung, der Betriebszugehörigkeitsdauer, der Branche, des Berufs, usw. Damit ist die bereinigte Entgeltlücke deutlich aussagekräftiger, da sie einen präziseren Vergleich der Löhne von Frauen und Männern mit ähnlichen personen- und tätigkeitsbezogenen Merkmalen herstellt und insofern auch den Grundsatz des gleichen Entgelts bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit besser zum Ausdruck bringt.

Während die Angaben zum durchschnittlichen Gender Pay Gap jährlich erscheinen und häufig auch im Zentrum des medialen Interesses stehen, können Berechnungen zum bereinigten Gender Pay Gap aufgrund der Verfügbarkeit der erforderlichen Daten (nationale Verdienststrukturerhebungen) nur im Abstand von vier Jahren erfolgen. Die nunmehr vorliegenden Ergebnisse in Boll/Lagemann (2018) und Boll et al. (2016) erlauben dennoch einen begrenzten zeitlichen Vergleich von Daten zum bereinigten Lohnabstand, da sie auf Basis derselben Datengrundlage (die auch die amtliche Statistik nutzt) für die Jahre 2010 und 2014 und unter Verwendung einer vergleichbaren Methodik berechnet wurden. Im Folgenden werden nur jeweils die Angaben von Staaten herangezogen, die für beide Jahre vorliegen (Grafik).

Die Bandbreite der Ergebnisse ist relativ groß. So beträgt im Jahr 2014 der bereinigte Lohnabstand 2 Prozent in Belgien und 16,7 Prozent in Estland. Deutschland gehört demnach mit einer bereinigten Entgeltlücke von 5,8 Prozent zu den Staaten mit den geringsten Entgeltunterschieden zwischen den Geschlechtern. Hinzu kommt, dass in vielen Staaten eine Reduktion der bereinigten Entgeltlücke zwischen 2010 und 2014 stattgefunden hat. Während von 2010 bis 2014 der bereinigte Verdienstabstand im Vereinigten Königreich um 3,8 Prozentpunkte abnahm, stieg die bereinigte Entgeltlücke in Estland um 1,8 Prozentpunkte. In Deutschland betrug die Reduktion immerhin 1,9 Prozentpunkte, d. h. die durchschnittlichen Lohnunterschiede konnten im Jahr 2014 zu einem größeren Anteil als noch im Jahr 2010 durch die verwendeten Merkmale erklärt werden. Besonders auffällig ist, dass Deutschland mit 14,9 Prozentpunkten (in 2014) den größten Erklärungsanteil der verwendeten Merkmale im Vergleich zu allen betrachteten Staaten aufweist, d. h. etwa 72 Prozent des durchschnittlichen Lohnunterschieds in Deutschland lassen sich darauf zurückführen, dass sich Männer und Frauen in den verwendeten lohnrelevanten Merkmalen unterscheiden.