Allein die Deutsche Post rechnet dieses Jahr mit 1,8 Milliarden beförderten Paketen (ntv.de, 2020). Dies entspricht einem Wachstum von etwa 15 Prozent im Vergleich zu 2019. Für die Zunahme dürfte insbesondere der Internethandel verantwortlich sein, weil viele Konsumenten während der Pandemie lieber zu Hause bleiben. Insbesondere im November hat sich die Entwicklung verschärft, weil durch die Schließung von Gastronomie, Hotellerie und kulturellen Einrichtungen sowie der Absage beispielsweise von Weihnachtsmärkten die Anreize für einen Einkaufsbummel in der Stadt vor dem Hintergrund der latenten Infektionsgefahr noch weiter gesunken sein dürften.

Das Ausmaß des Rückgangs wird an den Zahlen der Firma Hystreet deutlich. Diese misst die Kundenfrequenz in Einkaufsstraßen an verschiedenen Standorten und bietet sie auf hystreet.com zur Einsicht an. Diese Daten wurden verwendet, um die Effekte der Pandemie auf die Innenstädte im November und Dezember abzuschätzen. Dazu wurden die Passantenzahlen mit den Werten aus dem Vorjahr verglichen. Es gingen insgesamt 40 Straßenabschnitte in 21 deutschen Städten in die Analyse ein. Im November 2019 wurden 32,5 Millionen Passanten an diesen Messabschnitten verzeichnet, während es dieses Jahr lediglich 18,3 Millionen waren. Der Rückgang betrug somit knapp 44 Prozent. Einen ähnlichen Wert vermeldete der Handelsverband Deutschland (HDE): Dieser gab für die 2. Novemberwoche einen Rückgang von 43 Prozent bei der Kundenfrequenz und mehr als einem Drittel beim Umsatz an (HDE, 2020a).

Für die Abschätzung des Effekts auf den Dezember wurde die Woche vom 23.11.-29.11.2020, also die Woche, die auf den 1. Advent endet, mit der entsprechenden Woche aus dem Vorjahr verglichen (25.11.-1.12.2019). An den insgesamt 40 Straßenabschnitten in 21 Städten konnte hier ein Rückgang um knapp 50 Prozent verzeichnet werden. In dieser Woche beginnen in vielen Städten traditionell die Weihnachtsmärkte, wodurch ein Hinweis auf den Verlauf im Dezember möglich sein dürfte.

Zur Abschätzung des Umsatzausfalls in der Innenstadt durch die Pandemie und der Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung mussten in einem weiteren Schritt die betroffenen Einzelhandelsbranchen sowie deren Umsatz in der Vergangenheit bestimmt werden. Zur Kategorisierung der Einzelhandelsbranchen wurde die Einteilung in WZ08-Klassen des Statistischen Bundesamts (2020) verwendet. Um die Innenstädte abzugrenzen, wurden zunächst alle Untergruppen der WZ08-47 herangezogen, die den Einzelhandel abbildet. Damit wurde bereits der Kfz-Handel ausgeschlossen. Anschließend ebenfalls ausgeschlossen wurde der Internet- und Versandhandel (WZ08-4791), der Einzelhandel mit Wohnmöbeln (WZ08-47591), Baumärkte (WZ08-47523) sowie Tankstellen (WZ08-473). Herausgenommen wurde ebenfalls die Klasse WZ08-4711 (Einzelhandel mit Waren verschiedener Art, Hauptrichtung Nahrungsmittel), da der hohe Umsatz pro Unternehmen darauf hindeutet, dass es sich hierbei hauptsächlich um Supermärkte handelt. Apotheken finden sich zwar in jeder Innenstadt, doch auch sie wurden herausgenommen, da hier kaum Ausfälle zu beklagen sind (DAZ, 2020).

Für die verbliebenen Einzelhandelskategorien wurden die aktuell verfügbaren Umsatzzahlen des Statistischen Bundesamts (2020) mit Stand 31.12.2018 um die ebenfalls angegebenen E-Commerce Anteile bereinigt. Bei den Umsatzzahlen handelt es sich jedoch um Jahresangaben. Deshalb wurden die Monatsanteile des Gesamtjahresumsatzes aus 2019 herangezogen (HDE, 2020b, 19), um eine Verteilung auf die Monate zu ermöglichen. Basierend auf diesen Daten wurde der innerstädtische Einzelhandelsumsatz im November 2019 auf rund 17,4 Milliarden Euro geschätzt. Für Dezember ergab die Schätzung einen Wert von 19 Milliarden Euro. Für das gesamte Jahr 2019 wurde ein Umsatz von nahezu 190 Milliarden Euro in den Innenstädten geschätzt.