Nach dem deutschen Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz liegt Schwarzarbeit u.a. in den folgenden Fällen vor: Ein Arbeitgeber beschäftigt Arbeitnehmer unter Missachtung steuerlicher und/oder sozialversicherungsrechtlicher Pflichten; ein Bezieher von Sozialleistungen (z.B. Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II) nimmt eine Beschäftigung auf, ohne dies dem zuständigen Leistungsträger mitzuteilen; ein Gewerbe wird ohne Gewerbeanmeldung ausgeübt; ein Handwerk wird ohne Eintrag in die Handwerksrolle ausgeübt.

Bisherige Versuche, den Umfang von Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft zu schätzen, basieren entweder auf makroökonomischen Analyseverfahren oder auf mikroökonomischen Befragungsdaten der Bevölkerung. Diese Unternehmensbefragung ergänzt somit diese Daten um Schätzungen auf der Mesoebene. Schwarzarbeit ist in Deutschland dabei basierend auf Schätzungen mit den komplexen makroökonomischen Ansätzen seltener als in vielen anderen Ländern (vgl. Enste, 2017). Bei der Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft liegt Deutschland (Enste, 2018) im Langzeitdurchschnitt von 2003 – 2018 mit einem durchschnittlichen Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt von rund 14 Prozent auf Platz 12 der OECD-Staaten; Schwellen- und Entwicklungsländer weisen jeweils institutionell bedingt noch zum Teil deutlich höhere Aktivitäten in der Untergrundwirtschaft auf. Für das Jahr 2018 prognostizieren Schneider/Boockmann (2018) den Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland auf umgerechnet 323 Milliarden Euro, was in Relation zum Bruttoinlandsprodukt von ca. 3,3 Billionen Euro nur noch knapp 10 Prozent entspricht.

Umsatzeinbuße: 300 Milliarden Euro

Auf der Meso-/Unternehmensebene können wir den Umsatz, der durch die Vorleistungen deutlich höher als das Bruttoinlandsprodukt ist, schätzen. Alle 3,3 Millionen Unternehmen in Deutschland erzielten im Jahr 2016 zusammen einen Umsatz von 6,4 Billionen Euro (Statistisches Bundesamt, 2018a). In der Unternehmensbefragung sind nicht alle Branchen enthalten; u.a. fehlen die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Die erfassten Branchen erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von 5,2 Billionen Euro. Die Unternehmen in diesen Branchen schätzen ihren Umsatzverlust durch Schwarzarbeit auf 4,7 Prozent pro Jahr. Für die in der Unternehmensbefragung erfassten Branchen bedeutet dies einen Umsatzverlust von 244 Milliarden Euro jährlich. Geht man davon aus, dass die nicht erfassten Branchen (darunter auch das Gaststättengewerbe) mindestens in ähnlicher Weise von Schwarzarbeit betroffen sind, ergibt sich sogar eine Umsatzeinbuße von über 300 Milliarden Euro jedes Jahr. Dabei verteilen sich die Umsatzeinbußen sehr unterschiedlich über die verschiedenen Unternehmen (Grafik).