Prognosen des Handelsverbands Deutschland (HDE) aus dem Januar 2020 gingen für 2020 von einem Gesamtumsatz im Einzelhandel von rund 557 Milliarden Euro aus (HDE, 2020). Der Onlinehandel sollte rund 63 Milliarden Euro, gut 11 Prozent, dazu beitragen. Die Corona-Krise führt nun dazu, dass diese Prognosen vermutlich nach oben korrigiert werden müssen. Zwar ist der Anteil des Onlinehandelsumsatzes in den vergangenen Jahren bereits konstant gestiegen (Engels/Rusche, 2019). Für 2020 dürfte nun ein deutlicherer Schub zu erwarten sein – vorausgesetzt, die Onlinehändler verfügen über ausreichend personelle Ressourcen und logistische Strukturen, um die stark gestiegene Nachfrage zu bedienen.

Die Nachfrage im Online- und Offlinehandel war bislang durch starke strukturelle Unterschiede geprägt. Im Offlinehandel trugen sogenannte FMCG (Fast Moving Consumer Goods), also schnelllebige Verbrauchsgüter wie Drogerieartikel, Tiernahrung oder Lebensmittel, mit 42,5 Prozent mit Abstand den größten Teil zum Gesamtumsatz 2018 bei (HDE, 2019, 14). Im Onlinehandel dagegen machten FMCG 2018 lediglich einen Anteil von 8,4 Prozent aus. Am Gesamtmarkt der FMCG betrug der Onlineanteil nur 2,2 Prozent (HDE, 2019, 12). Dies war der geringste Wert für alle vom HDE untersuchten Warengruppen.

Die FMCG, allen voran Lebensmittel, wurden bislang lieber offline gekauft und waren verlässliche Umsatzlieferanten für den stationären Einzelhandel. In Zeiten des Coronavirus werden die Vorteile des Onlinehandels wie Bequemlichkeit und der flexible Zugang zu einer breiten Produktpalette von der heimischen Couch noch verstärkt. Die Schließungen von Bekleidungsgeschäften und anderen Orten des stationären Einzelhandels verlagern die Nachfrage möglicherweise ins Netz. Aber auch Lebensmittel werden zunehmend online gekauft – eine Möglichkeit für den Onlinehandel, sich auch in dieser Warengruppe einen Namen zu machen.

Dass Verbraucher zunehmend auch FMCG online kaufen, legt das innerhalb von wenigen Wochen stark gestiegene Suchinteresse auf Google an Begriffen wie „Nudeln“, „Desinfektionsmittel“, „Klopapier“ und „Konserven“ nahe. Die Funktionsweise und die Beschaffenheit der Güter, die mit diesen Begriffen verbunden sind, dürften den meisten Konsumenten bereits vertraut sein. Somit liegt die Vermutung nahe, dass sie diese Suchbegriffe eingegeben haben, um Einkaufsmöglichkeiten für entsprechende Güter zu finden. Die Werte in der Abbildung stammen von Google-Trends und sind für jeden Begriff so skaliert, dass der Tag mit den meisten Suchanfragen in den vergangenen 90 Tagen den Wert 100 erhält. Der erste Wert stammt vom 18. Dezember 2019 und der letzte vom 15. März 2020. Ein Wert von 50 beispielsweise besagt, dass an dem jeweiligen Tag nur halb so viele Suchanfragen wie im Maximum während des Vergleichszeitraums eingegangen sind.