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Gutachten 12. Mai 2026 Cornelius Bähr / Felix Heyer / Thorsten Lang / Marco Trenz Zwölfter Strukturbericht für die M+E Industrie in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im Jahr 2024 zum zweiten Mal in Folge geschrumpft und liegt damit noch immer auf dem Niveau des Jahres 2019, also vor der Corona-Pandemie.

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Zwölfter Strukturbericht für die M+E Industrie in Deutschland
Gutachten 12. Mai 2026 Cornelius Bähr / Felix Heyer / Thorsten Lang / Marco Trenz

Zwölfter Strukturbericht für die M+E Industrie in Deutschland

Studie für den Arbeitgeberverband GESAMTMETALL e.V.

Cornelius Bähr / Felix Heyer / Thorsten Lang / Marco Trenz Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer schweren Krise. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im Jahr 2024 zum zweiten Mal in Folge geschrumpft und liegt damit noch immer auf dem Niveau des Jahres 2019, also vor der Corona-Pandemie.

Das IW schätzt den Ausfall beim preisbereinigten BIP bis 2024 auf 735 Milliarden Euro (Grömling, 2025) – das BIP könnte demnach acht Prozent höher liegen als heute. Zunehmend wird dabei die Investitionsschwäche zur Ursache des ausbleibenden Wachstums. Aktuelle Umfragen lassen auch weiterhin eine geringe Investitionstätigkeit erwarten (Bardt et al., 2024). Die Daten für das erste Halbjahr 2025 bestätigen dies (Bardt et al., 2025a).

Die Standortkrise führt so zu einem massiven Wohlstandsverlust, der insbesondere Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes trifft. Hier ging die reale Bruttowertschöpfung gegenüber 2019 sogar um 3,8 Prozent zurück. Die vorübergehende Erholung nach der Corona-Krise bis zum Jahr 2023 ist vollständig verpufft. Im Jahr 2024 lag die industrielle Wertschöpfung real um 4,3 Prozent unter der des Jahres 2023. Die M+E-Industrie – als wichtigste Branche des Verarbeitenden Gewerbes und Kern des Geschäftsmodells Deutschland – leidet in hohem Maße unter diesem Negativtrend:

  • Zwischen 2018 und 2024 sank die Produktion jährlich um durchschnittlich 2,3 Prozent. Allein zwischen dem ersten Quartal 2023 und dem letzten Quartal 2024 ging der Produktionsindex um 10 Punkte zurück.
  • Die Beschäftigung in der M+E-Industrie in Deutschland ist seit 2018 jährlich um 0,3 Prozent gesunken. Gegenüber dem Höchststand von 2019 gingen damit bis 2024 rund 134.000 Arbeitsplätze verloren. Im ersten Halbjahr 2025 setzte sich der Stellenabbau fort.
  • Allein mit den verlorenen Arbeitsplätzen hätte im Jahr 2024 ein BIP in Höhe von rund 15 Mrd. Euro erwirtschaftet werden können.

Dabei sieht sich die Branche von zwei Seiten unter Druck:

  • Im Standortwettbewerb liegt Deutschland weit zurück. Dies zeigt sich in den Ergebnissen des IW-Standortindex (Kapitel 3) ebenso wie in unbefriedigenden Ergebnissen in anderen Standortvergleichen (z.B. IMD, 2025: Rang 19). Zu den markantesten Schwächen zählen die hohen Kosten in fast allen Bereichen und die bürokratischen Belastungen.
  • Die Globalisierung gerät zunehmend ins Stocken. Der weltweite Handel mit M+E-Produkten wächst in den letzten Jahren langsamer, Zölle und andere Handelshemmnisse wie Exportbeschränkungen sind Gift für deutsche Exporteure von Industriewaren, während chinesische Unternehmen ihre Exporte ausweiten, die dortigen Importe jedoch kaum wachsen. Neue Konkurrenz erwächst der deutschen M+E-Industrie vor allem bei ihrer traditionellen Stärke – den Medium-Hightech-Gütern wie Automobile. So wird ein bisheriger Wachstumstreiber der deutschen M+E-Industrie massiv geschwächt.

Fast vier Millionen Beschäftigte sind in der M+E-Industrie tätig und erwirtschaften dort rund 14 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland. Kein anderes großes Land in der EU konnte seine industrielle Bedeutung in dem Maße aufrechterhalten. Davon profitieren in Deutschland erstens unternehmensnahe Dienste und zweitens die Forschungs- und Wissenschaftslandschaft, ohne deren enge industrielle Forschungskooperationen die internationale Exzellenz in vielen Fällen nicht möglich wäre.

Wegen dieser hohen Bedeutung der Branche ist die derzeitige gesamtwirtschaftliche Schwäche in erster Linie auf einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Produktion in der M+E-Industrie und dem gesamten Verarbeitenden Gewerbe zurückzuführen. Daraus erwächst einerseits die gesamtwirtschaftliche Relevanz einer guten Entwicklung der Branche und andererseits eine Verantwortung der Politik, geeignete Rahmenbedingungen für die Industrie zu schaffen. Dazu

  • müssen staatlich verursachte Kosten wie Lohnnebenkosten für die Unternehmen begrenzt und reduziert werden;
  • müssen bürokratische Lasten massiv verringert werden, indem Verfahren beschleunigt, digitalisiert und ausgedünnt werden;
  • muss die EU für eine faire und regelbasierte internationale Wettbewerbsordnung eintreten und gleichzeitig den EU-Binnenmarkt weiter stärken.

Der vorliegende zwölfte Strukturbericht für die M+E-Industrie zeigt Lage und Entwicklung der M+E Industrie in Deutschland auf (Teil 1) und setzt sie in einen internationalen Kontext (Teil 2). Hier wurden in einem Schwerpunkt (Kap. 3.5) des Berichts die Kosten der M+E-Industrie in ihren wesentlichen Komponenten im internationalen Vergleich analysiert und Stellschrauben zu deren Senkung beleuchtet. In Teil 3 des Berichts wird aufgezeigt, dass Deutschland bei wichtigen Wettbewerbsfaktoren für eine innovative Industrie gute Ergebnisse vorweisen kann, internationale Wettbewerber aber aufholen. Hier wird dementsprechend wie unter einem Brennglas verdeutlicht, dass die M+E-Unternehmen weiterhin darum kämpfen, ihre hervorragende globale Wettbewerbsposition zu halten und auszubauen, die heimischen Standortbedingungen jedoch dazu führen, dass die Vorsprünge erodieren.

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Zwölfter Strukturbericht für die M+E Industrie in Deutschland
Gutachten 12. Mai 2026 Cornelius Bähr / Felix Heyer / Thorsten Lang / Marco Trenz

Zwölfter Strukturbericht für die M+E Industrie in Deutschland

Studie für den Arbeitgeberverband GESAMTMETALL e.V.

Cornelius Bähr / Felix Heyer / Thorsten Lang / Marco Trenz Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

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