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Gutachten 28. Februar 2025 Cornelius Bähr / Felix Heyer / Christian Kestermann / Thorsten Lang / Marco Trenz /Benita Zink Elfter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland

Mit dem Erscheinen des Draghi-Reports (Draghi, 2024) und dem Antritt der neuen EU-Kommission wurden Impulse gesetzt, um die Themen der Wettbewerbsfähigkeit Europas und der Steigerung der Produktivität wieder stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Einer wettbewerbsfähigen Industrie wird dabei eine besondere Bedeutung zugewiesen. Die Analysen des M+E-Strukturberichts unterstreichen die Relevanz dieser Impulse.

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Elfter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland
Gutachten 28. Februar 2025 Cornelius Bähr / Felix Heyer / Christian Kestermann / Thorsten Lang / Marco Trenz /Benita Zink

Elfter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland

Studie für den Arbeitgeberverband GESAMTMETALL e.V.

Cornelius Bähr / Felix Heyer / Christian Kestermann / Thorsten Lang / Marco Trenz /Benita Zink Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mit dem Erscheinen des Draghi-Reports (Draghi, 2024) und dem Antritt der neuen EU-Kommission wurden Impulse gesetzt, um die Themen der Wettbewerbsfähigkeit Europas und der Steigerung der Produktivität wieder stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Einer wettbewerbsfähigen Industrie wird dabei eine besondere Bedeutung zugewiesen. Die Analysen des M+E-Strukturberichts unterstreichen die Relevanz dieser Impulse.

Die M+E-Industrie in Deutschland ist die zentrale Säule des Verarbeitenden Gewerbes und damit auch der Gesamtwirtschaft. Sie erwirtschaftet

  • 68 Prozent der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes und
  • 14 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung.

In den Betrieben der M+E-Industrie sind rund 4 Mio. Personen beschäftigt. Die starke M+E-Industrie trägt wesentlich zum hohen Industrieanteil bei, den Deutschland im internationalen Vergleich gerade gegenüber den meisten europäischen Ländern aufweist.

Die hohe gesamtwirtschaftliche Bedeutung der M+E-Industrie in Deutschland erwächst zudem unter anderem aus

  • ihrem Beitrag zu Produktivität und zu Einkommen: Mit knapp 111.900 Euro je Erwerbstätigen liegt die Produktivität der M+E-Industrie rund 35 Prozent über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Mit rund 60.400 Euro je Arbeitnehmer sind die Bruttoentgelte um 38 Prozent höher als im Durchschnitt. Ohne die M+E-Industrie wäre Deutschland weniger produktiv. Die durchschnittlichen Entgelte in Deutschland wären geringer.
  • ihrem Beitrag zu Forschung, Entwicklung und Innovation: die M+E-Industrie in Deutschland stemmt rund zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Rund 28 Prozent der FuE-Aufwendungen der M+E-Industrie sind externe Aufwendungen, die Hochschulen und Forschungseinrichtungen zugutekommen. Die enge Verknüpfung von Industrie und angewandter Forschung ist eine Stärke des Innovationsstandortes Deutschland, die essenziell mit der FuE-Orientierung der Industrie verbunden ist.
  • ihrer hohen Verflechtung innerhalb der Gesamtwirtschaft: über ihren Vorleistungsbezug schafft die M+E-Industrie auch Umsatz und Beschäftigung in anderen Unternehmen.
  • ihrer Fähigkeit, über Exporte Einkommen aus dem Ausland zu generieren: 59 Prozent ihrer Umsätze erzielt die M+E-Industrie im Ausland und erzeugt so zusätzliches Einkommen in Deutschland.

Allerdings setzt die aktuelle Entwicklung den Wohlstandstreiber M+E-Industrie erheblich unter Druck (Teil 1). Das reale Bruttoinlandsprodukt hat zwar den Einbruch der Corona-Krise überwunden, ist aber gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 praktisch nicht gewachsen. Damit befindet sich Deutschland in der längsten Wachstumsschwäche in der Geschichte der Bundesrepublik. Ein wesentlicher Teil der Krise besteht darin, dass in der M+E-Industrie wie im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt seit 2018 keine positive Entwicklungsdynamik zu erkennen ist. Ihre Anteile an der Gesamtwirtschaft gehen zurück.

Die Gründe für die Standortkrise sind vielfältig. Hohe Kosten am Standort Deutschland, vor allem bei Energie-, Rohstoff- und Materialkosten sowie bei den Arbeitskosten (vgl. Kapitel 9), aber auch bei Belastungen durch Bürokratie vermindern die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Der sprunghafte wirtschaftspolitische Kurs verschärft die Unsicherheiten und damit die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die inländische Nachfrage nach Investitionsgütern ist regelrecht eingebrochen, was neben aktuellen konjunkturellen Aspekten nachhaltig ein Problem für die Perspektiven der M+E-Industrie in Deutschland darzustellen droht. Zusätzlich haben die o.g. Kostenbelastungen zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit geführt, was die Nachfrage im Ausland schwächt, zumal neue Konkurrenten gleichzeitig deutlich an Produktivität und Innovationskraft gewonnen haben.

Am aktuellen Rand führt diese Entwicklung zu Arbeitsplatzverlusten. Auf die Phase des Beschäftigungsaufbaus bis 2019 folgte bis 2023 schon ein Rückgang von rund 90.000 Beschäftigten, der sich nun beschleunigt. Die Betrachtung des langfristigen Strukturwandels in der M+E-Industrie (Kapitel 3) beleuchtet diese Entwicklung in genauerem Detail.

Seit dem Jahr 2018 ist auch die Dynamik der deutschen M+E-Industrie auf den Exportmärkten gebremst. Der Erfolg auf den Exportmärkten zählt zwar zu den traditionellen Stärken der M+E-Industrie. 59 Prozent der Umsätze erwirtschaftet die deutsche M+E-Industrie im Ausland. Damit werden 73 Prozent der Auslandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes von M+E-Betrieben erzielt. Die M+E-Industrie konnte sich im internationalen Wettbewerb in der langfristigen Perspektive gegenüber dem Aufkommen neuer Wettbewerber gut behaupten und die Chancen der Globalisierung nutzen. Sie verliert in letzter Zeit aber an Boden. So sank ihr Anteil an den weltweiten M+E-Exporten von zwischenzeitlich über 12 Prozent (2003-2005) auf nun rund 9 Prozent. Die Entwicklung der Bruttowertschöpfung fällt hinter den Wettbewerbern zurück. Im Teil 2 (M+E-Industrie im internationalen Wettbewerb – Konkurrenz holt auf) werden diese Entwicklungen beschrieben.

Die Analysen in Teil 3 (Wettbewerbsfaktoren im Vergleich – Wettbewerbsvorteile schwinden) zeigen, dass bei den traditionellen Wettbewerbsvorteilen der deutschen M+E-Industrie – FuE-Intensität, Produktdiversifizierung und -komplexität, Technologieorientierung – die neuen Wettbewerber immer stärker aufholen. So hat sich beispielsweise der Abstand zwischen den FuE-Intensitäten in den M+E-Industrien Chinas und Deutschlands um 4,1 Prozentpunkte verringert, während die absoluten FuE-Aufwendungen der M+E-Industrie in China heute bei fast dem dreifachen Wert der Aufwendungen in Deutschland liegen. Für den Erfolg im internationalen Wettbewerb bleiben diese Wettbewerbsfaktoren für die deutschen M+E-Industrie aber entscheidend.

Wegen der höheren Kosten am Standort ist zudem ist eine höhere Produktivität in Deutschland notwendig. Ein Schwerpunkt widmet sich daher dem internationalen Vergleich der Arbeitszeiten und Lohnstückkosten in der M+E-Industrie (Kapitel 9). Geringe Arbeitszeiten sprechen dafür, dass das Potenzial des Humankapitals in Deutschland nicht ausreichend genutzt wird. Die hohen Arbeitskosten werden durch eine höhere Produktivität nicht ausgeglichen, sodass die Lohnstückkosten in der deutschen M+E-Industrie höher ausfallen als bei den Wettbewerbern.

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