1. Home
  2. Studien
  3. Arbeitskosten international: Deutschland in der Spitzengruppe
Christoph Schröder IW-Kurzbericht Nr. 95 18. September 2020 Arbeitskosten international: Deutschland in der Spitzengruppe

Die industriellen Arbeitskosten sind in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen Land: In der EU wird Deutschland lediglich von Belgien und Dänemark übertroffen, zudem noch von der Schweiz und Norwegen. Die aktuell diskutierte 4-Tage-Woche würde selbst bei einem Teil-Lohnausgleich die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stark belasten.

PDF herunterladen
Deutschland in der Spitzengruppe
Christoph Schröder IW-Kurzbericht Nr. 95 18. September 2020

Arbeitskosten international: Deutschland in der Spitzengruppe

IW-Kurzbericht

PDF herunterladen Zitieren

Kopieren Sie die Informationen:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Die industriellen Arbeitskosten sind in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen Land: In der EU wird Deutschland lediglich von Belgien und Dänemark übertroffen, zudem noch von der Schweiz und Norwegen. Die aktuell diskutierte 4-Tage-Woche würde selbst bei einem Teil-Lohnausgleich die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stark belasten.

Die industriellen Arbeitskosten sind in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen Land: In der EU wird Deutschland lediglich von Belgien und Dänemark übertroffen, zudem noch von der Schweiz und Norwegen. Die aktuell diskutierte 4-Tage-Woche würde selbst bei einem Teil-Lohnausgleich die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stark belasten.

Die Arbeitskosten setzen sich aus vielen Bestandteilen zusammen (Schröder, 2019). Zum Bruttoentgelt eines Mitarbeiters kommen als größter Posten die Arbeit-geberbeiträge zur Sozialversicherung hinzu. Ins Gewicht fallen auch die betriebliche Altersvorsorge und die sonstigen Zusatzkosten – dazu zählen etwa die Aufwendungen für die Aus- und Weiterbildung, Entlassungsentschädigungen und Familienbeihilfen. Diese Kostenbestandteile addieren sich im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands auf 26,4 Prozent des Bruttoentgelts.

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland mit Kosten von knapp über 42 Euro den fünften Rang. Angeführt wird das Ranking von der Schweiz und Norwegen. In der EU haben nur Dänemark und Belgien höhere Kosten zu tragen. Hinter Deutschland folgen Schweden mit einem annähernd gleichhohen Kostenniveau und die Nachbarländer Österreich und Niederlande mit Kosten zwischen 39 und 40 Euro. Damit sind vor Deutschland ausschließlich relativ kleine Wettbewerbsländer platziert. Von den größeren Ländern ist lediglich Frankreich mit einem Rückstand von 8 Prozent kostenmäßig in der Nähe Deutschlands. Die USA produzieren zu um ein Sechstel niedrigeren Arbeitskosten. Japan, das Vereinigte Königreich und Italien haben sogar einen Vorteil von einem Drittel.

Inhaltselement mit der ID 7873
Inhaltselement mit der ID 7870

Die ost- und mitteleuropäischen Mitgliedsländer der EU liegen mit Ausnahme Sloweniens (18,77 Euro) im Höchstfall bei knapp einem Drittel des deutschenKostenniveaus. Malta, Tschechische Republik, Zypern, die Slowakische Republik und Estland liegen in dieser Gruppe mit Kosten zwischen 12,50 Euro und gut 14 Euro an der Spitze. Rumänien (6,57 Euro) und Bulgarien (5,17 Euro) haben als günstigste EU-Standorte gerade einmal halb so hohe Kosten. Ähnlich hoch wie in Bulgarien sind die Arbeitskosten in der Türkei und in Russland.

Im außereuropäischen Ausland sind die Arbeits-kosten teils noch weit niedriger: In Malaysia fallen für eine Arbeitsstunde im Verarbeitenden Gewerbe lediglich 2,60 Euro und auf den Philippinen sogar nur zwei Euro an. Von diesem Kostenniveau hat sich China mittlerweile weit entfernt: Eine Arbeitnehmerstunde kostet dort knapp 8 Euro und ist somit teurer als beispielsweise in Rumänien. Noch vor zehn Jahren kostete eineArbeitsstunde in der chinesischen Industrie weniger als 3 Euro. Gleichwohl ist eine Arbeitsstunde in Deutschland noch mehr als fünfmal so teuer wie in China.

Inhaltselement mit der ID 7871 Inhaltselement mit der ID 7872

Vergleicht man Deutschland mit der etablierten Konkurrenz insgesamt – die EU-15, das Vereinigte Königreich, Schweiz, Norwegen, USA, Kanada und Japan – zeigt sich, dass die deutschen Arbeitskosten um 24 Prozent höher liegen als im Durchschnitt der Wettbewerber. Dieser Kostennachteil schwankt seit dem Jahr 2000 auch wechselkursbedingt in einem Korridor zwischen 21 und 30 Prozent. Die aktuell von einigen Gewerkschaften und Politikern vorgeschlagene Vier-Tage-Woche könnte diesen Rahmen sprengen und würde den Kostennachteil erheblich vergrößern: Selbst wenn bei gleichbleibender täglicher Arbeitszeit nur ein Teillohnausgleich von 50 Prozent erfolgen würde, stiege der deutsche Kostennachteil bei einer Arbeitszeitverkürzung von fünf auf vier Tage auf 40 Prozent. Gleichzeitig würde Deutschland knapp vor Dänemark zum teuersten Standort in der EU werden.

PDF herunterladen
Deutschland in der Spitzengruppe
Christoph Schröder IW-Kurzbericht Nr. 95 18. September 2020

Christian Schröder: Arbeitskosten international – Deutschland in der Spitzengruppe

IW-Kurzbericht

PDF herunterladen Zitieren

Kopieren Sie die Informationen:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
IW-Ökonom Christoph Schröder
Christoph Schröder in den Ruhr-Nachrichten Ruhr-Nachrichten 21. September 2021

Mindestlohn von 12 Euro ist nicht für alle Betroffenen gut

Wenige Tage vor der Bundestagswahl wird hitzig über den Mindestlohn diskutiert. Dabei könnte eine Erhöhung auf 12 Euro auch für viele betroffene Arbeitnehmer eine schlechte Idee sein, sagt IW-Ökonom Christoph Schröder im Gespräch mit den Ruhr-Nachrichten.

IW

Artikel lesen
Holger Schäfer IW-Nachricht 30. September 2020

Arbeitsmarkt: Drei Maßnahmen für mehr Stabilität

Der Arbeitsmarkt hat sich von der Coronakrise noch nicht erholt, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit. Kurzarbeit war bisher zwar ein probates Instrument in der Krise, hilft aber nicht dauerhaft. Mit mehr Flexibilität ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880