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IW-Kurzbericht Nr. 19 23. Februar 2025 Marc Scheufen / Armin Mertens Die jecke Zick als Wirtschaftsfaktor: Bes der Nubbel brennt

Vom 11. November 2024 bis zur Nubbelverbrennung am 5. März 2025 dauert die Karnevalssession 2024/25. Mit 115 Tagen zählt sie zu einer der längsten Sessionen aller Zeiten. Die längere Zeit zum Feiern schlägt sich auch in den Umsatzzahlen nieder. Mit mindestens 2,1 Milliarden Euro erreicht der Gesamtumsatz ein neues Rekordhoch – und wer in Köln feiern will, muss für die Hotelübernachtung besonders tief in die Tasche greifen.

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Bes der Nubbel brennt
IW-Kurzbericht Nr. 19 23. Februar 2025 Marc Scheufen / Armin Mertens

Die jecke Zick als Wirtschaftsfaktor: Bes der Nubbel brennt

Marc Scheufen / Armin Mertens Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Vom 11. November 2024 bis zur Nubbelverbrennung am 5. März 2025 dauert die Karnevalssession 2024/25. Mit 115 Tagen zählt sie zu einer der längsten Sessionen aller Zeiten. Die längere Zeit zum Feiern schlägt sich auch in den Umsatzzahlen nieder. Mit mindestens 2,1 Milliarden Euro erreicht der Gesamtumsatz ein neues Rekordhoch – und wer in Köln feiern will, muss für die Hotelübernachtung besonders tief in die Tasche greifen.

Jedes Jahr am 11.11. beginnt die „jecke Zick“ – wie der Karneval im kölschen Dialekt auch genannt wird. Traditionell endet die Karnevalszeit mit der Nubbelverbrennung am Aschermittwoch. Der Nubbel, eine lebensgroße Strohpuppe, muss dabei sinnbildlich für die Verfehlungen, die während der Karnevalszeit begangen wurden, als Sündenbock herhalten – frei nach dem Motto: „D’r Nubbel es an allem schold“ (Bläck Fööss).

Die Länge der Karnevalssession hängt unmittelbar mit Ostern zusammen. Mit dem Ende der Karnevalszeit beginnt die 40-tägige Fastenzeit, die am Karsamstag vor Ostern endet. Entscheidend ist der Mondkalender, denn festgelegt ist, dass der Ostersonntag auf dem ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn (21. März) liegt. So ist es eine glückliche Fügung, dass die diesjährige Session mit 115 Tagen satte 20 Tage länger Geld in die Kassen von Gastronomie, Einzelhandel, Hotels, Transport und Sonstigem spült als die des Vorjahrs.  

Karneval wird in ganz Deutschland gefeiert. Zu den absoluten Karnevalshochburgen gemessen an der Anzahl der Umzüge pro Kreis zählen Nordrhein-Westfalen (vor allem das Rheinland), Rheinland-Pfalz (Mainz) und das südliche Baden-Württemberg (Widmann, 2000). Von klassischer Gastronomie über Hotelübernachtungen bis hin zu Veranstaltungstickets und Kostümen lassen sich die Jecken das närrische Brauchtum einiges kosten.

Umsätze auf Deutschlandebene

Auf Deutschlandebene kann unter Berücksichtigung des Verbraucherpreisindex (Statistisches Bundesamt, 2025) und der Extrapolation von Werten aus einer Studie von BCG/RFH (2019) der Gesamtumsatz der Karnevalssession 2024/25 auf mindestens 2,1 Milliarden Euro beziffert werden. Mit knapp 925 Millionen Euro entfällt der höchste Umsatz auf den Bereich der Gastronomie, gefolgt von Einzelhandel (449 Millionen Euro), Transport (322 Millionen Euro), Hotelübernachtungen (240 Millionen Euro) und 179 Millionen Euro für Sonstiges. Im Vorjahr lag der Gesamtumsatz aufgrund der kurzen Session (95 Tage) noch bei 1,7 Milliarden Euro.

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Hotelübernachtungen auf Kreisebene

Für Hotelübernachtungen müssen Karnevalisten in Köln besonders tief in die Tasche greifen. Auf Basis von originären Daten zu den durchschnittlichen Übernachtungskosten pro Nacht an den Hauptkarnevalstagen der aktuellen Session (27. Februar bis 4. März 2025), denen Preisdaten aus Vergleichszeiträumen gegenübergestellt werden, kann der Mehrpreis für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte betrachtet werden. 

Die Daten wurden automatisiert über das Vergleichs-portal Check24 erhoben. Hierfür wurden die Preise für ein Standard-Doppelzimmer für zwei Erwachsene aller knapp 16.000 Hotels in Deutschland aus verschiedenen Zeiträumen gesammelt. Neben den Preisen für die Hauptkarnevalstage wurden Vergleichspreise eine Woche vor den Karnevalstagen (20. Februar bis 25. Februar) und eine Woche danach (6. März bis 11. März) erfasst. Über die Geolokation der Hotels wurden durchschnittliche Tagespreise für die Hauptkarnevalstage und für die Vergleichszeiträume auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte aggregiert.

Die Tabelle zeigt das Ranking von elf deutschen Karnevalshochburgen. Dabei zeigt sich Köln als unangefochtener Spitzenreiter beim Preisanstieg für eine Übernachtung während der Karnevalstage. So kostet eine Nacht in einem Hotel der Rheinmetropole im Schnitt 105 Euro mehr als im Vergleichszeitraum. Das bedeutet einen durchschnittlichen Preisaufschlag für die Jecken von fast 80 Prozent. Mit weitem Abstand folgt auf Rang zwei die Faschingshochburg Nürnberg mit einem mittleren Preisaufschlag von 55 Euro (plus 41 Prozent) pro Nacht.

Die anderen Karnevalshochburgen zeigen hingegen einen vernachlässigbaren Karnevalsaufschlag. So kostet die Übernachtung in der Fasnet-Hochburg Rottweil im Schnitt 9 Euro mehr pro Nacht, gefolgt von Mainz, Berlin, Marne und Düsseldorf. Prozentual wird kein Karnevalsaufschlag in Aachen, Bremen und Köthen fällig. In der bayerischen Hauptstadt München spart man über die Karnevalstage sogar im Schnitt 9 Euro (minus 7 Prozent) pro Übernachtung.   

Besonders spannend ist der Vergleich zwischen den rheinländischen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf. „Wer will denn schon in Düsseldorf feiern?“, so würde der Kölsche Jeck den großen Unterschied wahrscheinlich kommentieren. Immerhin bleibt den Feiernden in Düsseldorf mehr Geld für den sonstigen Konsum. Wer also der glücklichere Jeck ist, sei dahingestellt.

Fazit

Die mit 115 Tagen besonders lange Karnevalssession 2024/25 spült einen neuen Rekordumsatz in die Kassen von Gastronomie, Einzelhandel, Hotels, Transport und Weiteren. Demgegenüber fallen allerdings auch immense Kosten für Sicherheit, Reinigung usw. an. Wer sein vom Feiern müdes Haupt möglichst nah am Ort des Geschehens betten möchte, muss für die Übernachtung in der Karnevalshochburg Köln besonders viel ausgeben. Aber auch das wird echte Jecken sicher nicht vom Feiern abhalten.

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