In der deutschen Wirtschaft macht sich Pessimismus breit: Erstmals seit der globalen Finanzmarktkrise im Jahr 2009 ist der Saldo aus positiven und negativen Exporterwartungen mit 13 Prozentpunkten im Minus. Im Westen des Landes erwarten nur noch 16 Prozent der Unternehmen einen Exportzuwachs; im Osten sieht es mit zehn Prozent noch schlechter aus. Das zeigt die jüngste IW-Befragung von 2.300 Unternehmen in der Bundesrepublik.

Schwache Weltnachfrage dämpft die Stimmung

Die schlechten Erwartungen im Außenhandel wirken sich direkt auf die Produktion aus: Im Frühjahr 2018 lag der Saldo der Produktionserwartungen noch bei über 40 Prozentpunkten. Im Herbst 2019 ist er auf minus sieben Prozentpunkte abgerutscht. Zuletzt hatte die Staatsschuldenkrise vor sieben Jahren für solch eine schlechte Stimmung gesorgt. 

Fast ein Drittel der Firmen geht aktuell davon aus, dass die Produktion im Jahr 2020 zurückgeht. Besonders die Hersteller von Vorleistungsgütern, etwa die Chemieindustrie, und die von Investitionsgütern, beispielsweise Maschinenbauer, haben mit der schwachen Weltnachfrage zu kämpfen. 

Das Ende des Beschäftigungsaufbaus

Auch mit Investitionen wollen sich die Unternehmen im kommenden Jahr eher zurückhalten. Hier beträgt der Saldo für Investitionsabsichten minus vier Prozentpunkte – im Frühjahr 2018 war er mit plus 35 Prozentpunkten noch sehr robust. 
Doch das ist nicht allein die Weltwirtschaft schuld: Durch steigende Arbeits- und Energiekosten, Regulierungen und Bürokratie ist der Investitionsstandort Deutschland im internationalen Vergleich zunehmend unattraktiv – auch mit negativen Folgen für den Arbeitsmarkt. Der hatte sich über viele Jahre stark verbessert: Trotz Finanz- und Schuldenkrise wurden in Deutschland seit 2005 rund 5,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Doch für das nächste Jahr wollen knapp 29 Prozent der Unternehmen Stellen abbauen. Auch hier rutscht der Saldo erstmals seit sieben Jahren wieder ins Minus.