1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Weltfrauentag: Größte Lücken in typischen Frauenberufen
Zeige Bild in Lightbox Eine Kindergärtnerin spielt mit zwei kleinen Kindern.
BERLIN, GERMANY - SEPTEMBER 14: A teacher plays with children at the Kleiner Fratz child daycare center in Neukoelln on September 14, 2022 in Berlin, Germany. Child daycare centers across Germany are facing compounding problems, including rising costs for energy and food as well as a shortage of staff. At the Kleiner Fratz Neukoelln center instalment payments for energy have gone up 50% and food prices 9%, yet the amount of money the center receives from the city per child has gone unchanged. The center has the capacity to take on another 30 children but cannot do so because it lacks the required extra four teachers. Germany is facing a possible energy crisis as well as economic recession to consequences stemming from Russia's ongoing war in Ukraine. (Photo by Sean Gallup/Getty Images) (© Foto: GettyImages)
IW-Nachricht 7. März 2023 Lydia Malin / Robert Köppen

Weltfrauentag: Größte Lücken in typischen Frauenberufen

Der Fachkräftemangel ist eines der größten Probleme der deutschen Wirtschaft. Aktuell fehlen bundesweit rund 633.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Besonders groß ist die Lücke in der Sozialarbeit, bei Kinderbetreuung und in der Pflege – Berufe, in denen hauptsächlichen Frauen arbeiten, wie neue Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen. Die Belastung auf das Personal wächst.

Am Weltfrauentag setzen sich weltweit Menschen für die Gleichstellung für Frauen und Männer ein. Der deutsche Arbeitsmarkt ist in diesem Punkt noch immer nicht ausgeglichen: Obwohl Jahr für Jahr mehr Frauen erwerbstätig sind, ist die Erwerbstätigenquote noch immer niedriger als bei Männern. Eine neue IW-Studie zeigt: Insbesondere in Berufen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, ist der Fachkräftemangel ein Problem. Sechs der zehn Berufe, die mit den größten Fachkräftelücken kämpfen, sind klassische Frauenberufe.

Sozialarbeit, Pflege und Erziehung besonders betroffen

Die größten Lücken gibt es in Sozialarbeit und Sozialpädagogik, also beispielsweise in Kinderheimen, der Suchtberatung oder Jugendämtern. Für 80 Prozent der offenen Stellen gab es rechnerisch bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen, über 23.000 Fachkräfte fehlen. Groß ist die Lücke auch in der Kinderbetreuung und Erziehung: Hier können fast 74 Prozent der ausgeschriebenen Arbeitsplätze nicht besetzt werden, weil passend ausgebildetes Personal fehlt. Mehr als 87 Prozent der Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, sind Frauen – mehr als in allen anderen Berufsgruppen. Durch die Lücke ergibt sich eine hohe Arbeitsbelastung. Ähnlich ist es in der Alten- und Krankenpflege: Hier sind rund 80 Prozent der Beschäftigten Frauen. Und es fehlen tausende Fachkräfte: Rund 35.000 von 43.000 offenen Stellen können nicht besetzt werden, weil es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt.

Geschlechterrollen müssen aufgebrochen werden

Es bleibt ein weiter Weg, um die Lücken zu schließen und damit die Arbeitsbelastung für Frauen – und Männer – zu verringern. So sollte möglichst früh in die berufliche Orientierung von Kindern- und Jugendlichen investiert werden. Geschlechterrollen müssen aufgebrochen und junge Menschen ermutigt werden, ihre berufliche Zukunft aufgrund ihrer Fähigkeiten und Interesse zu wählen. Wegen des demografischen Wandels ist es außerdem unverzichtbar, mehr qualifizierte Zuwanderer zu gewinnen. „Unternehmen müssen besser auf die Bedürfnisse von dem jeweils anderen Geschlecht eingehen“, sagt Studienautorin Lydia Malin. „Nur so können die Lücken etwas verringert werden. Dabei helfen eine gendergerechte Sprache und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ 

Inhaltselement mit der ID 11853
Inhaltselement mit der ID 11856

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung
Gutachten 30. September 2026 Jurek Tiedemann / Gero Kunath

Von Helfer zu Fachkraft – Fachkräftepotenziale der Höherqualifizierung

Viele kleine und mittlere Unternehmen suchen ausgebildete Fachkräfte, finden jedoch oft aufgrund von Fachkräfteengpässen keine.

Jurek Tiedemann / Gero Kunath IW

Artikel lesen
IW-Report Nr. 38 11. September 2026 Paula Risius et al.

Ausbildung erfolgreich gestalten vom Marketing bis zur Übernahme

Die betriebliche Ausbildung ist ein zentraler Hebel der Fachkräftesicherung. Am Anfang der Investition in künftige Nachwuchskräfte steht die Ansprache und Gewinnung von neuen Auszubildenden. Für viele Unternehmen ist es eine Herausforderung, angebotene Ausbildungsplätze passend zu besetzen.

Paula Risius / Dirk Werner / Philip Herzer / Fritz Orange / Regina Flake / Franziska Arndt / Yasin Küçükyavuz / Edgar Schmitz IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880