1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Warum die Akademikerrente kein Problem löst
Zeige Bild in Lightbox Bundestag Factions Meet Ahead Of Parliamentary Session Week
Sozialdemokraten Bas, Klingbeil: Der abschlagsfreie Renteneintritt könnte künftig an 45 Beitragsjahre gekoppelt werden. (© Getty Images)
IW-Nachricht 15. Mai 2026 Jochen Pimpertz

Warum die Akademikerrente kein Problem löst

In der Debatte um die Rentenreform fordern Ökonomen, den abschlagfreien Renteneintritt an 45 Beitragsjahre zu koppeln. Doch das bestehende System belohnt lange Erwerbsbiografien bereits – und das demografische Kernproblem bliebe ungelöst.

In der Diskussion um die anstehende Rentenreform kursiert die Idee, eine abschlagfreie Rente nicht mehr ab einem festen Alter zu gewähren, sondern erst nach 45 Beitragsjahren. Wer später ins Berufsleben startet – typischerweise Akademiker –, soll auch später in Rente gehen. Das klingt fair, löst aber keines der drängenden Rentenprobleme.

Wer länger arbeitet, bekommt heute schon mehr

Denn das bestehende System honoriert lange Erwerbsbiografien bereits. Die gesetzliche Rente bemisst sich nach Entgeltpunkten: Wer viel verdient und viele Jahre einzahlt, sammelt mehr Punkte – und bekommt mehr Rente. Zahlen der Gesetzlichen Rentenversicherung zeigen: Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren beziehen im Schnitt 26 Prozent mehr Rente als Versicherte mit 35 bis 44 Beitragsjahren. Bei den Rentenzugängen 2024 lag der Abstand sogar bei einem Drittel. Akademiker kommen aber kaum auf diese 45 Jahre: Bei einer Regelaltersgrenze von derzeit rund 66 Jahren hätte ein Ingenieur sein Diplom bereits mit 21 ablegen müssen.

Gegen das Modell sprechen auch praktische Einwände:

  • Wer heute erwerbstätig ist und die Rente vor Augen hat, plant seine Altersvorsorge mit Blick auf die geltende Regelaltersgrenze. Betriebliche und private Vorsorge sind darauf abgestimmt, dass die gesetzliche Rente ab einem bestimmten Alter ohne Abschlag fließt. Würde der abschlagfreie Eintritt an Beitragsjahre geknüpft, bliebe älteren Beschäftigten kaum Zeit, entstandene Lücken zu schließen. 
  • Auch Arbeitsverträge müssten angepasst werden: Üblicherweise endet das Beschäftigungsverhältnis mit Erreichen der Regelaltersgrenze. Arbeitgeber und Beschäftigte müssten künftig für jeden Einzelfall prüfen, ab wann eine abschlagfreie Rente greift.

Das zentrale Problem der Rentenversicherung ist ein anderes: Immer weniger Beitragszahler finanzieren immer mehr Renten. Dieses Ungleichgewicht zwischen Jung und Alt lässt sich nicht beheben, indem man Rentenansprüche innerhalb einer Generation umverteilt – von Akademikern zu Nicht-Akademikern. Statt sich an immer komplizierteren Stellschrauben zu versuchen, müsste die Politik endlich benennen, wofür es keine Wahl mehr gibt: später in Rente für alle – oder niedrigere Bezüge.

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Alexander Schweitzer: Der neue Arbeitsminister hat sich gegen die Abschaffung der Rente mit 63 ausgesprochen.
Pressemitteilung 4. November 2026 Ruth Maria Schüler / Stefanie Seele

Babyboomer: Nur 37 Prozent gehen regulär in den Ruhestand

2025 beziehen 1,1 Millionen Personen eine Altersrente, obwohl sie das gesetzliche Renteneintrittsalter noch nicht erreicht haben. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Der Trend zur Frührente setzt sich damit fort.

Ruth Maria Schüler / Stefanie Seele IW

Artikel lesen
IW-Kurzbericht Nr. 79 4. November 2026 Ruth Maria Schüler / Stefanie Seele

Auch 2025: 1,1 Millionen Babyboomer beziehen vorzeitig ihre Rente

2025 bezogen knapp 7 Millionen Babyboomer eine Altersrente. 12 Millionen folgen bis Mitte der 2030er Jahre.

Ruth Maria Schüler / Stefanie Seele IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880