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(© Foto: GettyImages)
IW-Nachricht 20. August 2018 Jochen Pimpertz

Rentenniveau: Offene Rechnung

Dass das Rentenniveau langfristig stabil bleiben soll, ist unumstritten. Fraglich ist aber dessen Höhe. Denn je besser die Rentner versorgt werden, desto stärker werden Beitragszahler und Finanzminister belastet. Die Politik muss daher dafür sorgen, Menschen länger in Arbeit zu halten.

Der Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat sich dafür ausgesprochen, das Rentenniveau über das Jahr 2025 hinaus festzuschreiben. Sein Argument: Stabile Renten verhindern einen deutschen Trump. Gleichzeitig fordert Scholz ein plausibles Finanzierungsmodell. Sollte dies nicht in der Großen Koalition umzusetzen sein, drohe ein Rentenwahlkampf.

Klar ist: Die Forderung nach einer dauerhaften Untergrenze für das Rentenniveau ist unstrittig. Die Frage bleibt aber, in welcher Höhe? Die GroKo möchte das Sicherungsniveau bis zum Jahr 2025 auf 48 Prozent festschreiben. Doch spätestens ab dem Jahr 2025, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente gehen, muss das Rentensystem angepasst werden – nach aktuellen Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums muss dafür das Rentenniveau zügig sinken. Ab 2030 sogar unter die 45-Prozent-Marke. Anderenfalls ließe sich der Beitragssatzanstieg nicht einmal auf die Höhe von fast 22 Prozent begrenzen.

Klar ist aber auch: Ein höheres Rentenniveau führt zwangsläufig zu höheren Finanzierungslasten. Sollte die derzeit gültige Beitragssatzobergrenze von 20 Prozent ebenfalls dauerhaft eingehalten werden, entstünde nach IW-Berechnungen allein im Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von fast 30 Milliarden Euro. Gäbe man aber den Schutz der Beitragszahler preis, um das Loch über höhere Beitragssätze zu schließen, dann würde die 22-Prozent-Marke noch vor Ende des nächsten Jahrzehnts übersprungen.

Die einfachste Lösung dieses Problems ist die Verlängerung des Erwerbslebens. Gelingt es, die Menschen länger erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt zu beschäftigen, besteht die Chance, das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern zu stabilisieren. Das sorgt für höhere Beitragseinnahmen, geringen Anpassungsdruck beim Beitragssatz und in der Folge auch für ein stabiles und höheres Rentenniveau.

Die Diskussion verliefe wohl entspannter, wenn sich die Parteien an den realen Gegebenheiten orientierten. Wichtig bleibt gleichwohl die Mahnung, die Rentenfrage vor populistischen Einflüssen zu schützen.
 

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