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Jochen Pimpertz IW-Nachricht 3. November 2021

Rentenerhöhung: Es wird nicht ohne längere Arbeitszeit gehen

2022 sollen die gesetzlichen Renten um mehr als fünf Prozent steigen. Was viele Rentner freut, belastet die Beitragszahler zusätzlich – und schafft künftig Probleme bei der Finanzierung, die jetzt gelöst werden müssen, um kommende Generation nicht zu überfordern.

Im Sommer dieses Jahres mussten die westdeutschen Rentenbezieher eine Nullrunde hinnehmen, im Osten gab es ein Plus von 0,72 Prozent. Jetzt dürfen sich viele Rentner freuen: 2022 sollen die Renten so stark steigen wie seit 40 Jahren nicht mehr. Im Westen ist ein Plus von 5,2 Prozent möglich, im Osten könnten die Renten sogar um 5,9 Prozent steigen. 

Keine ausgleichende Gerechtigkeit

Die angekündigte Rentenanpassung folgt mit zeitlichem Abstand der wirtschaftlichen Erholung von der Corona-Krise. Die Rentenkassen dürften die Pandemie gut überstanden haben. Allerdings gerät dabei in Vergessenheit, dass die Rentenanpassungsformel für diesen Sommer sogar ein Minus ergeben hat. Die gesetzliche Rentengarantie verhinderte eine Kürzung, aber grundsätzlich soll mit dem sogenannten Nachholfaktor das ausgelassene Minus in den nächsten Jahren nachgeholt und mit Erhöhungen verrechnet werden.

Mit der doppelten Haltelinie, die die schwarz-rote Koalition 2018 auf den Weg gebracht hat, wird dieser Nachholfaktor aber bis zum Jahr 2025 ausgesetzt. Die Folge: Gesetzliche Renten steigen nicht nur stärker als ursprünglich gedacht, das Sicherungsniveau klettert sogar auf aktuell 49,4 Prozent. Weil künftige Rentenanpassungen auf diesem erhöhten Niveau aufsatteln, müssen die Beitragszahler tiefer in die Tasche greifen.

Eine IW-Simulation zeigt, dass der Beitragssatz nach 2025 jedes Jahr um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte höher ausfallen muss. Die aktuellen Rentner wird es freuen, denn das Sicherungsniveau wird voraussichtlich in der laufenden Legislaturperiode oberhalb von 49 Prozent liegen.

Millionen Erwerbstätige werden fehlen

Auch zwei Jahrzehnte nach der Rürup-Kommission scheint es noch immer nicht angekommen zu sein, dass die Rentenpolitik nicht nachhaltiger wird, wenn die Finanzierungslasten auf die Schultern der jüngeren Beitragszahler überwälzt werden. Statt das Sicherungsniveau über das Jahr 2025 hinaus bei 48 Prozent zu stabilisieren, sollten jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden: In den nächsten Jahren gehen die Baby-Boomer in Rente, auf dem Arbeitsmarkt fehlen Millionen Erwerbstätige. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie mag einen Beitrag liefern, eine qualifizierte Einwanderungspolitik einen weiteren. Auf Dauer wird es aber nicht ohne eine längere Lebensarbeitszeit gehen.
 

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