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Henry Goecke IW-Nachricht 3. Juli 2021

Rettungsdienste brauchen im Osten länger

In maximal zwölf bis fünfzehn Minuten soll ein Rettungswagen beim Notfall sein. Eine neue Datenauswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis der frei verfügbaren Geodatenbank Open Street Map zeigt jetzt: In vielen Regionen im Osten dauert es länger als anderenorts in Deutschland.

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Der Rettungsdienst ist in Deutschland Ländersache. Demnach legt jedes Land separat fest, wie lange ein Rettungswagen bis zum Eintreffen beim Notfall brauchen darf. So gilt beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und im Saarland: Vom Eingang des Notrufs bis zum Eintreffen des Fahrzeugs sollen in 95 Prozent der Fälle nur maximal zwölf Minuten vergehen. In Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachen gelten respektive zehn, zwölf und fünfzehn Minuten, allerdings wird erst gezählt, wenn die Rettungsmannschaft durch die Telefonzentrale alarmiert wird, nicht schon mit dem Notruf. In Bayern tickt die Uhr erst, wenn der Wagen ausrückt.

Für die neue IW-Auswertung wurde auf die reine Fahrtzeit geguckt. Unberücksichtigt bleiben die Ausrückzeit, also die Zeit zwischen der Alarmierung des Rettungswagens und dessen Abfahrt, sowie auch die Dispositionszeit, also die Zeit zwischen Eingang des Notrufs und der Alarmierung des Rettungswagens. Auch die Dauer des Notrufs ist exklusive. Zudem schränkt die Struktur des Rettungsdienstes in Deutschland die Analyse ein: In Deutschland beteiligen sich auch Feuerwehren am Rettungsdienst, die nicht vollständig in dem Open Street Map Datensatzes hinterlegt sind. Unter der Hypothese, dass die dadurch implizite Verzerrung und die Datenqualität zwischen den Regionen gleich ist, lässt sich ein Vergleich zwischen den Regionen erstellen, nicht jedoch eine valide Berechnung von Größen, die sich mit den in den Gesetzen zu findenden maximalen Zeiten vergleichen lassen.

Längere Fahrtzeiten im Nordosten

Insbesondere in der Prignitz und in der Uckermark in Brandenburg, auf der Mecklenburgischen Seenplatte sowie in einigen Gemeinden des Schwarzwalds kann es in einzelnen Gemeinden länger dauern, bis ein Rettungswagen eintrifft. In Ballungsräumen Großstädten wie Köln, Berlin und Leipzig sowie dem Ruhrgebiet ist Hilfe dagegen sehr zügig vor Ort.

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Auch in großen Bereichen von Flächenbundesländern ist Hilfe schnell vor Ort. Beispielsweise Brandenburg, das in 95 Prozent der Fälle nur fünfzehn Minuten für die Fahrt-, Ausrück- und Dispositionszeit brauchen will, erreicht – gegeben der Daten – im Schnitt einen Wert von achteinhalb Minuten. Allerdings gibt es Gemeinden, wo es deutlich länger dauert. Grundsätzlich sind diese Werte als obere Grenze zu interpretieren, da neben den Rettungsstellen auch Feuerwehren zum Teil am Rettungswesen beteiligt sind und diese nicht Teil des Datensatzes sind.

Methode

Für die IW-Auswertung wurde von jedem Punkt zu den drei geografisch nächstgelegenen Rettungswachen die Fahrzeit ausgerechnet. Die daraus resultierenden kürzesten Fahrzeiten wurde für die Berechnungen auf Gemeindeebene verwendet. Feuerwachen wurden für die Analyse nicht explizit einbezogen. Da Rettungsdienste jedoch mitunter auch von Feuerwachen gefahren werden, bedeutet dies, dass die Fahrtzeit überschätzt sein könnte.

Die Auswertung zeigt, dass die Datenabfrage über Open Street Map ein guter Weg ist, um die Versorgungsabdeckung im Vergleich zwischen den Regionen von öffentlichen Gütern zu analysieren. Für valide Auswertung mit Blick auf die tatsächliche Dauer der Erreichbarkeit muss dieser Open Street Map Datensatz jedoch mit weiteren Informationen, hier die über alle Feuerwehren, die sich am Rettungssystem beteiligen, angereicht werden. Zu beachten ist dabei weiterhin, dass Feuerwehren, die an der Rettung teilnehmen, dies eventuell nur an bestimmten Tagen in der Woche tun.

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