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Gastbeitrag 3. November 2026 Michael Hüther im Unternehmermagazin Creditreform

Europas KI-Chance?

Bei der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hinken Deutschland und Europa hinterher. Warum es am Ende dennoch klappen könnte, damit Geld zu verdienen, schreibt IW-Direktor Michael Hüther in einer Kolumne für das Unternehmermagazin Creditreform.

OpenAI, Anthropic, Google und DeepSeek: Bei der Entwicklung von KI-Modellen spielt die Musik außerhalb von Europa. Von den relevanten neuen KI-Modellen des Jahres 2025 stammen 43 aus den USA, 31 aus China und lediglich eines aus der EU. Schon werden Klagerufe laut, dass wir die nächste technologische Revolution verpassen. Doch die Sorge ist verfrüht: Mag sein, dass es anderswo die schnellsten Modelle gibt – aber die profitabelsten Geschäftsmodelle sind es deshalb noch nicht.

Geld wird nicht durch Chatten verdient. Einfach gesagt, muss man bei neuen Technologien nicht das Rad neu erfinden. Man muss es besser als andere in die eigenen Prozesse einbauen. Wem es also gelingt, KI in Produktion, Logistik oder Qualitätskontrolle einzusetzen, der kann gigantische Potenziale heben. In dieser Verbindung lag schon immer die Stärke der deutschen Wirtschaft. Sie ist dezentral organisiert: In regionalen Clustern arbeiten Maschinenbauer, Zulieferer, Softwarehäuser und Ingenieurdienstleister eng zusammen. Genau dort entstehen Produkte, die Technik und Service verbinden – die Maschine kommt mit Wartung, Datenauswertung und Schulung. KI passt in dieses Muster: Sie wirkt am stärksten, wo Industriewissen und Dienstleistung zusammenkommen. Bereits heute entstehen über 120 Milliarden Euro Umsatz durch KI-gestützte Produktinnovationen.

Datenhoheit zählt

Datenschutzkonforme KI ist kein Nischenthema. Für Behörden, Krankenhäuser, Banken oder Unternehmen mit sensiblen Produktionsdaten ist es unverzichtbar. Bei US-Anbietern gehen sie Risiken ein: Der CLOUD Act verpflichtet sie, Behörden auf Anfrage Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren – unabhängig davon, wo die Server stehen. Auch chinesische Anbieter scheiden wegen vergleichbarer Souveränitätsbedenken aus. Bleibt noch Europa: Europa verfügt mit der DSGVO und dem AI-Act über einen verbindlichen Rechtsrahmen. Wenn dieser mit einer leistungsfähigen Infrastruktur und verlässlicher Datenhoheit verbunden wird, kann daraus ein Wettbewerbsvorteil entstehen.

Ein Selbstläufer ist es deshalb nicht. Wer mitspielen will, muss jetzt die entsprechenden Voraussetzungen schaffen: Deutschland muss die Talente gewinnen, die aktuell nicht in die USA wollen oder können. Europa muss eine Regulierung umsetzen, die Vertrauen schafft, ohne Innovation abzuwürgen. Und schließlich: genug günstige Energie und Rechenkapazität. Wenn all das gelingt, kann Deutschland auch im KI-Zeitalter ein Wirtschaftsmotor sein.

Zur Kolumne auf creditreform.de

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