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Adriana Neligan auf Stiftung Energie & Klimaschutz Gastbeitrag 21. April 2021

Digitalisierung als Hebel für mehr Ressourceneffizienz

Rohstoffe stellen einen erheblichen Kostenfaktor für Unternehmen dar. Deswegen ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Ressourceneffizienz in den Betrieben sehr wichtig. Mithilfe der Digitalisierung lässt sich die Ressourceneffizienz nicht nur leichter messen, auch Einsparpotentiale können so besser gehoben werden, schreibt IW-Ökonomin Adriana Neligan in einem Gastbeitrag für die Stiftung Energie & Klimaschutz.

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Prinzipiell können Unternehmen Ressourcen weniger verbrauchen, mehrmalig gebrauchen und/oder ersetzen, um Ressourceneffizienz zu steigern. Der Fokus in den Unternehmen liegt nach wie vor darauf, über klassische Optimierungsmaßnahmen weniger Ressourcen zu verbrauchen. Bislang dominieren Maßnahmen zur Energieeinsparung und -effizienz sowie klassische Prozessoptimierungen und weniger Ansätze, die direkt am Produkt ansetzen, sei es über die Anpassung des Designs oder die Erweiterung des Angebots in Form von Produkt-Service-Systemen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Studie. Wesentliche Basis bildete hierfür eine repräsentative Befragung von knapp 900 Unternehmen der Industrie und industrienahen Dienstleister im Rahmen des IW-Zukunftspanels (Neligan et al., 2021).

Die Ressourceneinsparpotentiale sind keineswegs erschöpft

Fast jedes zweite Unternehmen glaubt laut IW-Zukunftspanel, dass es bei optimaler Nutzung der technischen Möglichkeiten weitere Potentiale freisetzen könnte. In den Unternehmen ließe sich im Durchschnitt eine weitere Reduzierung des aktuellen Ressourceneinsatzes von 7 Prozent realisieren. Etwas höher liegt die Einsparmöglichkeit im Produzierenden Gewerbe mit 8 Prozent. Das absolute Ressourceneinsparpotential im Produzierenden Gewerbe liegt grob geschätzt bei mehr als 10 Milliarden Euro oder gut 1 Prozent der industriellen Bruttowertschöpfung.

Digitalisierung als wichtiger Hebel zur Ressourceneinsparung

Die Digitalisierung verändert Produktionsprozesse grundlegend: Prozess- und Produktionsdaten können ständig erhoben und vorgehalten werden und ermöglichen so eine in Echtzeit gelenkte Produktion. Digitalisierung macht Ressourceneffizienz messbar und Einsparpotentiale nutzbar. Viele Unternehmen sehen im Einsatz digitaler Technologien vor allem den Vorteil für Ressourceneffizienz, dass Einsparpotentiale erkannt und umgesetzt werden und zu Kostensenkungen führen. Auch die Kundennähe durch Vernetzung wird als vorteilhaft gesehen. Für die Industrie stehen auch die verbesserte Transparenz bei Herstellungsprozessen im Vordergrund. Für unternehmensnahe Dienstleister ist eine intelligente Datenerfassung/-verknüpfung für Echtzeit-Monitoring ein wesentlicher Vorteil.

Durch einen höheren Digitalisierungsgrad bei Effizienzmaßnahmen lässt sich in Unternehmen ein höheres Maß an Ressourceneffizienz erreichen. Der Anteil der erfolgreich materialeinsparenden Unternehmen steigt mit dem Digitalisierungsgrad bei Ressourceneffizienzmaßnahmen an und der Anteil der Unternehmen mit geringen Materialeinsparungen sinkt (Abbildung 1).

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Allerdings werden im betrieblichen Alltag Ressourceneffizienz und Digitalisierung noch selten ganzheitlich betrachtet. Nur wenige Unternehmen sind bei den verschiedenen Ressourceneffizienzmaßnahmen bislang stark digitalisiert. Häufig genutzte Maßnahmen zur Optimierung von Prozessen und Energieverbräuchen sowie bei der Verwendung neuer Techniken weisen auch am ehesten einen hohen Digitalisierungsgrad auf.

Einsatz von digitalen Technologien und Anwendungen häufig in kleinen Schritten

Für den Einstieg sind Daten und Schnittstellen besonders wichtig – diese tragen heute auch am ehesten zur Steigerung von Ressourceneffizienz in Unternehmen bei. Im zweiten Schritt nutzen Unternehmen Plattformen, Prozessmonitoring über die Vernetzung von Sensoren und Aktoren sowie die prädiktive Wartung als wichtige Voraussetzungen für die Vernetzung in der Wertschöpfungskette. Viele digitale Technologien leisten bislang hier noch keinen Beitrag, insbesondere, wenn es um die weitere Vernetzung und Kollaboration oder Modellierung und Simulation geht.

Es gibt aber noch einige Herausforderungen zu meistern

In vielen Unternehmen, vor allem in der Industrie, fehlen digitale Komplettlösungen. Insellösungen führen laut der Befragung nicht zu einer umfassenden Digitalisierung. Weitere Hemmschwellen sind die mangelnde Finanzkraft für den Aufbau einer komplett digitalisierten Anlage und die unzureichende Nachrüstbarkeit bestehender Anlagen. Es fehlen zudem häufig passende, auf das Unternehmen spezifizierte Softwarelösungen, vor allem in der Industrie, oder es ist zu aufwändig, eingekaufte Softwarelösungen anzupassen oder der Unterstützungsbedarf ist zu hoch.

Grundvoraussetzung, um die Digitalisierung für Ressourceneffizienz voranzubringen, ist eine funktionierende Infrastruktur. Die Breitbandinfrastruktur sowie Datensicherheit, die für unternehmensübergreifende Vernetzung wichtig sind, sind laut der Unternehmensbefragung noch verbesserungswürdig. Zudem ist vielen Unternehmen, vor allem KMU noch unklar, wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis aussieht, da Informationen und fachkundige Beratungen fehlen. Auch mangelt es bei etwa einem Drittel der Unternehmen noch an Normen und Standards.

Deswegen wäre ein besserer Wissenstransfer wichtig, indem die verschiedenen öffentlich geförderten Angebote besser bekannt gemacht und miteinander verknüpft werden. Ein erster Schritt hierfür ist der im Rahmen der Studie erstellten Broschüre „Handlungsempfehlungen für KMU“, die hier erste Informationen und Ansatzpunkte liefert (IW / IW Consult / WIK, 2021)

Hier geht es zum Gastbeitrag.

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