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Gutachten 17. November 2025 Vanessa Hünnemeyer / Hilmar Klink / Hanno Kempermann / Lennart Bolwin / Tillman Hönig Transformation gemeinsam gestalten: Zehn Missionen für die Zukunft der Hauptstadtregion

Die Geschichte der Hauptstadtregion ist bewegt – und sie kannte in den vergangenen 20 Jahren nur eine Richtung: bergauf. Die Wirtschaftskraft hat sich mehr als verdoppelt, die Produktivität kräftig zugelegt.

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Zehn Missionen für die Zukunft der Hauptstadtregion
Gutachten 17. November 2025 Vanessa Hünnemeyer / Hilmar Klink / Hanno Kempermann / Lennart Bolwin / Tillman Hönig

Transformation gemeinsam gestalten: Zehn Missionen für die Zukunft der Hauptstadtregion

Studie für die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e.V.

Vanessa Hünnemeyer / Hilmar Klink / Hanno Kempermann / Lennart Bolwin / Tillman Hönig Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die Geschichte der Hauptstadtregion ist bewegt – und sie kannte in den vergangenen 20 Jahren nur eine Richtung: bergauf. Die Wirtschaftskraft hat sich mehr als verdoppelt, die Produktivität kräftig zugelegt.

Berlin-Brandenburg im Aufwind – aber noch nicht am Ziel 

Doch trotz dieser beachtlichen Dynamik bleibt der Abstand zum Bundesdurchschnitt auch nach fast 35 Jahren deutscher Einheit bestehen. Der regionale Erfolg verteilt sich heterogen und konzentriert sich auf wenige Regionen wie Potsdam-Mittelmark, Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming (IW-Regionalranking, 2024). Der Weg zu flächendeckendem Erfolg in der Hauptstadtregion verläuft über Ausstrahlungseffekte der bereits starken Regionen und der Ausschöpfung endogener Potenziale.

Beides adressiert die große grundlegende Herausforderung Berlin-Brandenburgs: Die Hauptstadtregion verfügt über relativ wenige und kleine Unternehmen. Diese Zersplitterung bremst Innovationskraft, erschwert Skalierungsmöglichkeiten und verhindert Transformationsmomentum:

  • In kleinen Unternehmen sind notwendige Ressourcen für die Transformation, wie Fachkräfte, Wissen und Finanzkapital, knapp. 
  • Kritische Massen an Unternehmen, um Transformationsthemen regional voranzubringen und sich in Wettbewerb und Kooperation („coopetition“) erfolgreich zu entwickeln, sind rar. Infolgedessen können die Potenziale der exzellenten wissenschaftlichen Landschaft in der Hauptstadtregion nicht vollumfassend wirtschaftlich genutzt werden.

Transformation braucht Vielfalt – und Berlin-Brandenburg hat sie

Trotz struktureller Herausforderungen zeigen die vergangenen Jahrzehnte die klar vorhandene Fähigkeit zu Weiterentwicklung, Wachstum und Erneuerung in Berlin-Brandenburg. Auch für die Zukunft ist die Hauptstadtregion vielversprechend aufgestellt. Eine indikatorbasierte Regionalanalyse zeigt, dass alle 19 Regionen in Berlin-Brandenburg über Anker zur Gestaltung der großen erforderlichen Transformationsprozesse verfügen:

  • Innovationsökosysteme in Berlin, Potsdam und zunehmend auch in Cottbus bilden mit ihrer vielfältigen FuE-Landschaft und dynamischen Gründungsszene das Rückgrat für Digitalisierung und Dekarbonisierung.
  • Digitale Voraussetzungen sind in vielen Regionen gegeben – leistungsfähige Infrastrukturen, IT-Kompetenzen und Automatisierungspotenziale in der Wirtschaft ermöglichen die Anwendung neuer Technologien.
  • Dekarbonisierung kann gelingen, wenn regionale Potenziale in den Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie konsequent erschlossen werden.
  • Zunehmende Verflechtungen zwischen Berlin und den Regionen in Brandenburg sowie die Einbindung in globale Märkte eröffnen strategische Entwicklungsräume und Chancen für Resilienz und Internationalisierung gleichermaßen.
  • Brandenburg punktet mit guter sozialer und technischer Infrastruktur – ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte.
  • Gleichzeitig sind die Voraussetzungen nicht in allen 19 Regionen gleich ausgeprägt: Im Landkreis Teltow-Fläming beispielsweise hat ein vergleichsweiser geringer Anteil der Unternehmen Zugriff auf Bandbreiten im Gigabit-Bereich, während der Ausbau der erneuerbaren Energien im Regionalvergleich gut gelingt.

Berlin-Brandenburg ist eine vielfältige Region mit regional unterschiedlichen Stärken und Qualitäten. Diese Vielfalt ist kein Nachteil, sondern das entscheidende Kapital für die Gestaltung der großen Transformationen des 21. Jahrhunderts. Denn: Vielfalt ermöglicht regionale Spezialisierung. Und die kluge Kombination unterschiedlicher Stärken ermöglicht systemübergreifende Innovationen mit dem Potenzial, echten Impact zu erzeugen. Etwas, das als Nische beginnt, kann in anderen Kontexten zu bahnbrechenden Innovationen führen (Christensen, 1997).

Vielfalt macht die Hauptstadtregion zudem resilienter: Unterschiedliche Wirtschafts- und Innovationsstrukturen gleichen mögliche Schwankungen in Zuliefer- und Absatzmärkten aus und mindern Risiken in unsicheren Transformationsprozessen. Innovationen mit systemischem Charakter, z. B. in der Verkehrs- und Energiewende, können gerade in den ländlichen Regionen kleinräumlich erprobt und von dort heraus skaliert werden. Während die Universitätsstandorte Berlin, Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) auf wissensintensive Dienstleistungen spezialisiert sind, finden sich in Brandenburg vermehrt industrielle Anknüpfungspunkte. Eine Kombination aus exzellentem Engineering-Know-how und Digitalisierungs-Know-how eröffnet erstens Wachstumspotenziale in etablierten Unternehmen und zweitens Ansiedlungspotenziale für ausländische Unternehmen und Start-ups, die Fachkräfte, Technologie und Flächen suchen.

Vielfalt zeigt sich nicht nur in den Bereichen Wirtschaft und Innovation, sondern auch in Wohn-, Lebens- und Arbeitsbedingungen. Sie eröffnet Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen attraktive Perspektiven und stärkt damit die Fachkräftebasis in Tiefe und Breite. Aus landesplanerischer Sicht bieten Berlin und Brandenburg zusammen unternehmerische Entwicklungsmöglichkeiten, die weder Metropole noch Flächenland allein hervorbringen könnten.

Transformation birgt wirtschaftliche Potenziale

Mit der Gestaltung der Transformationen Digitalisierung, Dekarbonisierung, demographischer Wandel und Deglobalisierung ergibt sich in Berlin-Brandenburg zusätzliches Wertschöpfungspotenzial in Milliardenhöhe. Damit die Hauptstadtregion ihr volles Wertschöpfungspotenzial entfalten kann, braucht es die richtigen Köpfe und Kapazitäten. Besonders entscheidend sind Innovationsimpulse und Umsetzungsstärke. Ausschlaggebend für die Transformationskraft in Berlin-Brandenburg sind daher ein stärkerer Personaleinsatz für Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in den Unternehmen, mehr Ingenieurinnen und Ingenieure und mehr IT-Beschäftigte – diese drei Hebel bringen voneinander unabhängig die folgenden Potenziale mit sich:

  • Forschung und Entwicklung (FuE) in Unternehmen setzen unverzichtbare Innovationsimpulse. Mit innovativen Lösungen sichern sich Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Damit entstehen in Berlin-Brandenburg hochwertige Arbeitsplätze. Eine starke FuE-Kultur macht die Hauptstadtregion zum Motor nachhaltiger Innovation. Gelingt es, den FuE-Personaleinsatz in der Hauptstadtregion auf das Niveau der Metropolregion Stuttgart zu heben, könnte das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 45,6 Milliarden Euro steigen.
  • Ingenieure bringen das notwendige Know-how mit, um aus Ideen marktfähige Produkte zu machen. Mit ihrem technischen Sachverstand verwandeln sie Innovationsimpulse in konkrete Lösungen. Eine größere Ingenieursbasis beschleunigt den Transfer von Forschung in die Praxis und sichert damit nicht nur Transformationskraft, sondern auch unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit. Steigt der Anteil der beschäftigten Ingenieurinnen und Ingenieure in Berlin-Brandenburg auf das Niveau der Metropolregion München, könnte das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 34,1 Milliarden Euro steigen.
  • IT-Beschäftigte sind für die Digitalisierung unverzichtbar. Sie treiben u. a. Themen wie Datenintegration oder Vernetzung von Prozessen, Produkten und Dienstleistungen voran. Damit schaffen sie die Grundlage für intelligente, digitale Systeme. Mehr IT-Kompetenz in der Region bedeutet mehr Geschwindigkeit und Flexibilität, um Transformation zu gestalten. Kann die Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit ausgeprägtem IT-Knowhow auf das Niveau der Metropolregion München gesteigert werden, könnte das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 17,9 Milliarden Euro steigen.

Die Chancen für die Hauptstadtregion sind also enorm. Sie werden sich jedoch nicht von selbst oder zufällig verwirklichen. Ob Berlin-Brandenburg diese Wertschöpfung künftig tatsächlich realisiert, entscheidet sich am strategischen Handeln und den Rahmenbedingungen der kommenden Jahre. Die Region braucht starke Ideen sowie die richtigen Hebel und Akteure, die gemeinsam zukunftsweisende Projekte umsetzen. Zehn Transformationsmissionen können die notwendigen Veränderungen initiieren und die dazu notwendigen Aktivitäten bündeln.

10 Missionen zur Gestaltung der Transformationen in Berlin-Brandenburg

Regionale Vielfalt ist ein großes Kapital. Doch ohne klare Perspektive droht sich Vielfalt in losen Enden zu verlieren. Das führt zu Streuverlusten und bremst den Transformationsprozess aus.

Ein missionsorientiertes Vorgehen setzt genau hier an: Missionen übersetzen komplexe Herausforderungen in greifbare Ziele und Handlungsfelder. Sie geben der Transformation eine konkrete Gestalt. Sie schaffen Orientierung, lenken Handlungen auf mögliche Lösungen und helfen so Ressourcen zu bündeln. Lokale Impulse werden in eine gemeinsame Transformationsperspektive eingebettet, Silos überwunden und Innovationen mit neuen regionalen Entwicklungspfaden eng verwoben. Zudem mobilisieren und motivieren sie die regionalen Akteure (Wittmann et al., 2022; Zenker et al., 2024).
 

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