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Holger Schäfer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung Interview 28. August 2011

Die Jugend trifft es zuerst

In Spanien protestieren Zehntausende gegen eine Jugendarbeitslosigkeit von gut 40 Prozent. Auch in Griechenland, Portugal und Frankreich gehen Jugendliche auf die Straße. Verglichen damit haben junge Deutsche wenig Probleme bei der Jobsuche – allerdings immer noch mehr als Ältere. Warum das so ist, erklärt IW-Referent Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

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In Deutschland sind neun Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 arbeitslos, in der Gesamtbevölkerung sind es nur etwa sechs Prozent. Woran liegt das?

Das Erste, was Unternehmen in Krisenzeiten beschließen, sind Einstellungsstopps. Das trifft immer vor allem die Jüngeren, die ja den Einstieg in die Arbeitswelt noch suchen. Dieser Einstieg bleibt ihnen dann verwehrt. Bevor ein Unternehmen an Entlassungen denkt, wird es als nächsten Schritt befristete Verträge nicht verlängern. Auch das trifft junge Menschen härter.

Weil sie sehr viel häufiger befristet angestellt sind als Altere. Warum ist das eigentlich so?

Befristungen sind ein Instrument der Personalauswahl, das ist so etwas wie eine verlängerte Probezeit. Die Unternehmen gewinnen dadurch Zeit für die Entscheidung, ob sie einen Berufsanfänger auf Dauer beschäftigen wollen oder nicht. Wenn es zu Entlassungen kommt, sind Jüngere auch wieder besonders stark betroffen, weil die Unternehmen vor allem diejenigen Mitarbeiter halten wollen, die betriebsspezifische Erfahrung haben. Außerdem spielt das Alter in Sozialplänen eine große Rolle, die Jüngeren müssen zuerst gehen.

In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit niedriger als in fast allen anderen EU-Ländern, nur die Niederlande und Österreich stehen noch besser da. Warum ist die Lage bei uns so günstig?

Der wichtigste Grund ist der robuste Arbeitsmarkt, Deutschland ist aus der Finanzkrise weit besser herausgekommen als die meisten anderen europäischen Staaten. Stabilisierend wirkt auch das deutsche System der dualen Ausbildung. Es ermöglicht jungen Menschen, früh in den Arbeitsmarkt zu kommen und Qualifikationen zu erwerben - selbst in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Auch die Demographie spielt eine große Rolle. Vor allem in Ostdeutschland sind die Geburtenraten nach der Vereinigung sehr gefallen, das wirkt sich jetzt stark aus. Die Unternehmen müssen dem drohenden Fachkräftemangel begegnen, daher bemühen sie sich um Auszubildende.

In welchen Bereichen haben Junge zurzeit die besten Chancen?

Vor allem in den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen, da gibt es in Bayern und Baden-Württemberg mehr offene Stellen als arbeitslose Fachkräfte. Jungen Menschen, die in ihrer Region keinen Job finden, kann man nur zu einem Umzug raten. Aber das ist in der Regel kein großes Problem, denn Junge sind sehr viel mobiler als Altere. Die schlechtesten Einstiegsmöglichkeiten bieten Berufe mit geringen Qualifizierungsanforderungen. Jetzt im Boom waren zwar sogar Hilfsarbeiter wieder gefragt. In der Krise werden solche Stellen aber zuerst gestrichen.

Die Angst vor einer neuen Rezession wächst. Wird die Jugendarbeitsiosigkeit dann auch in Deutschland steigen?

Wie sich der Arbeitsmarkt entwickeln wird, kann ich nicht vorhersagen. Falls eine neue Krise kommt, wird sie natürlich auch die Jüngeren treffen. Trotzdem dürften die Chancen der jungen Menschen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sehr gut bleiben, jedenfalls im Vergleich zu denen ihrer Altersgenossen in anderen europäischen Ländern.

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