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Gastbeitrag 9. Mai 2018 Christian Rusche in der Fuldaer Zeitung

Datenhandel: Sind Daten das neue Öl?

Der Handel mit Daten hat bereits spürbare Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt. In einem Gastbeitrag in der Fuldaer Zeitung analysiert IW-Ökonom Christian Rusche die wachsende Bedeutung des Datenhandels für die Wirtschaft.

Unternehmen mit datengetriebenen Geschäftsmodellen wie Facebook oder Alphabet zählen zu den wertvollsten weltweit. Daten werden auch für die Wirtschaft allgemein immer wichtiger: Mittlerweile hat der Handel mit ihnen bereits spürbare Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt. Innerhalb Europas ist dieser Effekt besonders groß in Großbritannien.

„Womit verdient Facebook eigentlich Geld?“ Das war eine der Fragen, die Facebook-Chef Mark Zuckerberg den US-Senatoren bei einer Anhörung, die wegen der Cambridge-Analytica-Affäre stattfand, beantworten sollte. Zuckerbergs lapidare Antwort: Wir schalten Werbung. Aufgrund der detaillierten Nutzerdaten ist Facebook in der komfortablen Lage, Zielgruppen direkt ansprechen zu können – und somit entsprechend hohe Werbeeinnahmen zu generieren. Wie wertvoll die Daten der Nutzer sind, wird an der Marktkapitalisierung von Facebook deutlich: aktuell rund 420 Milliarden Euro.

Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung werden Daten aber auch für die Gesamtwirtschaft immer wichtiger – Stichwort Industrie 4.0. Daten werden deshalb schon als das neue Öl bezeichnet, wobei der Vergleich nicht ganz zutrifft, da Daten nicht verbraucht werden. Im Gegenteil: Sie haben den entscheidenden Vorteil, mehreren Zwecken gleichzeitig dienen zu können.

Zudem müssen Daten nicht zwingend eingekauft werden, da jedes Unternehmen bereits welche besitzt. Der Rohstoff im eigenen Betrieb muss nur gefördert und veredelt werden. Um den Unternehmen dabei zu helfen, hat das Bundeswirtschaftsministerium beispielsweise das Projekt „DEMAND“ geplant. In diesem sollen Wege zur Identifizierung und Bewertung von Datenschätzen erforscht werden.

Die Unternehmen können die Daten jedoch gleichzeitig zur eigenen Nutzung auch weiterverkaufen, denn aufgrund der Masse und der Verwendungsmöglichkeiten hat sich bereits ein Markt für Daten gebildet. Darunter wird der Handel mit ganzen Datensätzen sowie Dienstleistungen, die auf Rohdaten beruhen, zusammengefasst. Die International Data Corporation hat diesen Markt nun in einer Studie für die EU-Kommission untersucht und kommt für die Europäische Union zu folgenden Erkenntnissen:

Das Vereinigte Königreich hat mit rund 13 Milliarden Euro das größte Handelsvolumen mit Daten innerhalb der EU. International dominieren jedoch die USA, wo Alphabet (Google), Microsoft und viele andere Internetkonzerne ihren Sitz haben. In den Vereinigten Staaten belief sich der Wert des Datenmarkts 2016 auf annähernd 130 Milliarden Euro, das ist mehr als das Zehnfache des deutschen Markts von rund 12,9 Milliarden. Da diese Zahlen jedoch nicht den Datenaustausch innerhalb einzelner Unternehmen abbilden, dürfte das tatsächliche Handelsvolumen noch weitaus höher sein.

Darüber hinaus haben Daten mittlerweile einen spürbaren Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Länder. Und dieser ist deutlich größer, als es das Marktvolumen vermuten lässt. Denn zum direkten Effekt durch die Tätigkeit der Datenunternehmen kommen noch indirekte und induzierte Effekte. Indirekte Effekte entstehen einerseits bei Zulieferern, da dort Waren und Dienstleistungen nachgefragt werden; andererseits auch bei Datenkäufern, die damit beispielsweise neue Produkte und Dienstleistungen anbieten können. Induzierte Effekte wiederum entstehen, wenn etwa die Angestellten von Datenunternehmen ihr Gehalt ausgeben.

Innerhalb der EU erzeugt der Datenmarkt den größten BIP-Effekt wiederum im Vereinigten Königreich (2,56 Prozent des BIPs, rund 61 Milliarden Euro), gefolgt von Deutschland (2,45 Prozent, rund 77 Milliarden Euro), den Niederlanden (2,38 Prozent, 16,7 Milliarden Euro) und Dänemark (2,37 Prozent, 6,6 Milliarden Euro). Auch in Österreich mit 2,15 Prozent bzw. rund 7,6 Milliarden Euro und Irland mit 1,91 Prozent bzw. 5,3 Milliarden Euro gibt es deutliche Effekte. Da für Brasilien, Japan und die USA nicht alle Auswirkungen des Datenmarkts auf das Wirtschaftswachstum erfasst werden, lassen sich die Werte für diese Länder jedoch nicht mit den EU-Werten vergleichen.

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