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Noch sieht es für die deutsche Wirtschaft ganz gut aus, ihr Wachstum hält an. Doch am Horizont drohen bereits dunkle Wolken, die Aussichten verschlechtern sich. Foto: skhoward/iStock

Die Deutschen können derzeit viel Geld ausgeben, sehr zur Freude der Wirtschaft. Der starke Arbeitsmarkt, niedrige Energiepreise und Zinsen steigern den Konsum. Auch der Staat nimmt mehr Geld in die Hand. Vor allem für die Unterbringung und Integration der Flüchtlinge wird er bis 2017 rund 50 Milliarden Euro ausgeben, prognostiziert das IW Köln. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt in dieser Zeit auf einen neuen Rekordwert von 43,8 Millionen. Einzig aufgrund des Flüchtlingszustroms wird sich die Arbeitslosenquote zugleich leicht auf 6½ Prozent erhöhen.

Dennoch verdüstern sich die wirtschaftlichen Aussichten, warnen die IW-Forscher: Der traditionell starke deutsche Export schwächelt – unter anderem aufgrund der unsicheren Lage in vielen Schwellenländern. Zudem steigen die Lohnstückkosten in der Industrie, damit nimmt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ab. Insgesamt werden die deutschen Exporte 2016 nur um 2¼ Prozent zulegen, deutlich weniger als in den Vorjahren. Laut IW-Konjunkturumfrage erwarten lediglich 27 Prozent der befragten Firmen steigende Ausfuhren in diesem Jahr, 15 Prozent rechnen mit einem Rückgang. Auch im kommenden Jahr springt der Exportmotor nicht richtig an. Zudem dürften sich die positiven Effekte wie der niedrige Ölpreis abschwächen. Dadurch sinkt das Wirtschaftswachstum 2017 auf gut 1¼ Prozent.

Um die Wirtschaft zu stärken, raten die IW-Konjunkturforscher der Politik zur Vorsicht. Industrie und Bürger dürfen nicht noch weiter finanziell belastet werden, für teure Wahlgeschenke wie die Lebensleistungsrente gibt es keinen Spielraum. Die öffentlichen Haushalte dürfen zudem keine neuen Schulden machen. „Die komfortable Budgetsituation könnte schneller vorbei sein, als viele denken, sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

IW-Trends

IW-Forschungsgruppe Konjunktur: Vordergründig robust, hintergründig anfällig – IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2016

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Statement

Michael Hüther: Vordergründig robust, hintergründig anfällig – IW-Konjunkturprognose und IW-Konjunkturumfrage Frühjahr 2016

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Tabellen und Grafiken

Vordergründig robust, hintergründig anfällig – Materialien zum Statement

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Ansprechpartner

Ölpreis
IW-Nachricht, 29. September 2016

Ölpreis Ende der KonjunkturspritzeArrow

Die Zeiten billigen Öls sind fürs Erste vorbei: Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich die OPEC-Staaten jetzt darauf geeinigt, ihre Produktion zu deckeln. Der Ölpreis stieg sofort sprunghaft an und dürfte in den kommenden Monaten weiter zulegen. Die deutsche Wirtschaft wird die Bremseffekte schnell zu spüren bekommen. mehr

IW-Konjunkturampel
IW-Pressemitteilung, 15. September 2016

IW-Konjunkturampel Die Warnleuchten springen anArrow

Auf den ersten Blick erscheint die deutsche Wirtschaft noch robust: In den ersten sechs Monaten 2016 ist sie noch gewachsen. Doch der Ausblick verdüstert sich, zeigt die Konjunkturampel des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Ausgerechnet die Industrie macht Sorgen. mehr

Konjunktur
IW-Nachricht, 12. August 2016

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Die deutsche Konjunktur zeigt sich in der ersten Jahreshälfte 2016 erstaunlich robust. Hierbei hat sich der Außenhandel insbesondere im zweiten Quartal als Konjunkturstütze erwiesen. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung werden Waren made in Germany in Süd- und Osteuropa wieder vermehrt nachgefragt. Doch fehlende Investitionen sind Grund zur Sorge. mehr