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Dank einer guten Entwicklung am Arbeitsmarkt steigt die Zahl der Menschen in Normalarbeitsverhältnissen. Foto: Yuri_Arcurs/iStock

Nach Jahren der Lohnzurückhaltung steigen die realen Bruttolöhne in Deutschland zuletzt wieder stark an. Besonders erfreulich: Mit einem Zuwachs von 6,6 Prozent haben die Bruttoerwerbseinkommen der unteren zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Zeitraum 2009 bis 2013 am stärksten zugelegt. Die reichsten zehn Prozent konnten ihre Einkommen im selben Zeitraum nur um 2,8 Prozent steigern. Insgesamt haben die Löhne seit 2012 real stärker zugelegt als die Arbeitsproduktivität. Eine Entwicklung, die auch Probleme mit sich bringen kann: „Die steigenden Kosten für die Unternehmen können die wirtschaftliche Dynamik dämpfen“, sagt IW-Direktor Michael Hüther.

Die Nettoeinkommen der Gesamtbevölkerung – also die Summe aller Erwerbs- und Kapitaleinkommen nach staatlichen Abgaben und zuzüglich Renten und Sozialtransfers – sind nahezu so gleich beziehungsweise ungleich verteilt wie 2005. Damit liegt Deutschland im Europavergleich im besseren Mittelfeld. Anders als vielfach vermutet, hat auch die Vermögensungleichheit in Deutschland zuletzt nicht weiter zugenommen.

Maßgeblich dazu beigetragen hat die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt. Seit 2006 erhöht sich der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse an der erwerbsfähigen Bevölkerung immer weiter. Mit 46,5 Prozent lag er im vergangenen Jahr auf dem höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Der Anteil der befristet Beschäftigten liegt bei rund 10 Prozent und ist seit Jahren rückläufig.

„Politik und Gesellschaft sollten die positiven Seiten der wirtschaftlichen Entwicklung wahrnehmen und nicht alles schwarz malen“, sagt Hüther. Insgesamt geht es den Deutschen inzwischen besser als noch vor zehn Jahren. „Dazu haben nicht zuletzt erfolgreiche Reformen wie die Agenda 2010 beigetragen.“

Ungleichheit und staatliche Umverteilung

Gini-Koeffizienten der Markt- und Nettoeinkommensverteilung in den Ländern der Europäischen Union im Jahr 2014 (Ein Gini-Koeffizient von 0 bedeutet, dass alle verglichenen Personen genau das gleiche Einkommen verdienen; ein Wert von 1 bedeutet, dass eine einzige Person das gesamte Einkommen erhält und alle anderen nichts)

EU-28: bevölkerungsgewichteter Durchschnitt der EU-28-Staaten. Quellen: EUROMOD, 2016; Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Diese Grafik können Sie kostenlos auf Ihrer Website einbetten. Schreiben Sie onlineredaktion <AT> iwkoeln.de

IW-Report

Martin Beznoska / Ralph Henger / Tobias Hentze / Hans-Peter Klös / Hagen Lesch / Judith Niehues / Jochen Pimpertz / Axel Plünnecke / Holger Schäfer / Jörg Schmidt / Christoph Schröder / Michael Voigtländer / Dirk Werner: Faktencheck Gerechtigkeit und Verteilung – eine empirische Überprüfung wichtiger Stereotype

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Interview, 8. September 2016

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Wer die angeblich zunehmende Ungleichheit in Deutschland thematisiert, erntet meist viel öffentlichen Beifall – egal, ob die Behauptung stimmt oder nicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat deshalb eine ganze Reihe populärer Thesen zum Thema Einkommens- und Vermögensverteilung auf ihren Wahrheitsgehalt hin abgeklopft. mehr auf iwd.de