Die verteilungs- und gerechtigkeitspolitische Debatte in Deutschland hat spätestens seit dem Frühjahr 2016 – unter anderem ausgelöst durch eine Veröffentlichung des DIW (Fratzscher, 2016) – wieder deutlich an Fahrt gewonnen. Das Thema Verteilung und Gerechtigkeit ist in der Wahrnehmung der Medien wieder weit nach oben gerückt. Der für Herbst dieses Jahres erwartete Fünfte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird zum einen für eine weitere Akzentuierung der Debatte sorgen und zum anderen auch dafür, dass in der anstehenden Positionierung der politischen Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl im September 2017 verteilungspolitische Argumente einen bedeutsamen Platz in der politischen Programmatik einnehmen werden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hat in der Vergangenheit mehrfach eine kritische Position zu der Behauptung eingenommen, zentrale verteilungspolitische Indikatoren hätten sich strukturell und im Trend verschlechtert (Niehues, 2015a; 2015b; 2016a; 2016b; Niehues/Kolev, 2016). Auch andere Befunde kommen zu dem Ergebnis, dass es bereits seit einigen Jahren zu einer Trendwende hin zu einer verringerten Ungleichheit gekommen sei (Felbermayr et al., 2016a) und dass das Umverteilungssystem in Deutschland dazu führe, dass in keinem anderen Land die Ungleichheit bei den Nettoeinkommen stärker vermindert sei als in Deutschland (Felbermayr et al., 2016b).

In dem vorliegenden Report unterzieht das IW Köln eine Reihe von wichtigen Stereotypen der Gerechtigkeits- und Verteilungsdebatte einer empirischen Überprüfung. Dabei werden auch Politikbereiche jenseits der klassischen Verteilungsindikatorik in den Blick genommen, etwa der Arbeitsmarkt, die Lohnpolitik sowie die Steuer-, Renten-, Bildungs- und Wohnungspolitik. Der Aufbau des Reports über die einzelnen Bereiche folgt dem Grundsatz des Faktenchecks, wonach eine häufig gehörte und medial vermittelte Aussage mit einer belastbaren empirischen Evidenz kontrastiert wird, soweit diese verfügbar ist. Neuere Indikationen für mögliche strukturelle Veränderungen, die bisher noch keine Empirie für Deutschland bieten – etwa: „die nächste Generation wird es nicht mehr besser haben als die heutige“ (McKinsey Global Institute, 2016) – sind ebenso wenig Gegenstand dieses Reports wie die Ableitung von Handlungsempfehlungen bezogen auf die vorgestellten Befunde. Diese bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitischen Debatten werden in weiteren Publikationen beleuchtet werden.

IW-Report

Martin Beznoska / Ralph Henger / Tobias Hentze / Hans-Peter Klös / Hagen Lesch / Judith Niehues / Jochen Pimpertz / Axel Plünnecke / Holger Schäfer / Jörg Schmidt / Christoph Schröder / Michael Voigtländer / Dirk Werner: Faktencheck Gerechtigkeit und Verteilung – eine empirische Überprüfung wichtiger Stereotype

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Gastbeitrag, 27. Dezember 2016

Knut Bergmann und Judith Niehues in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Wahrnehmung und WirklichkeitArrow

Tendenziell neigen insbesondere gutverdienende Menschen dazu, ihre Einkommensposition zu unterschätzen, wobei die Deutschen im internationalen Vergleich besonders pessimistisch sind. Ein Gastbeitrag von IW-Kommunikationsleiter Knut Bergmann und IW-Verteilungsforscherin Judith Niehues in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. mehr

Armuts- und Reichtumsbericht
IW-Nachricht, 14. Dezember 2016

Armuts- und Reichtumsbericht Viele positive EntwicklungenArrow

Mittlerweile kursiert der Entwurf des Fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Internet. Der Bericht deutet auf viele positive Entwicklungen hin, dennoch werden in vielen Medien vor allem negative Befunde betont. Das ebenfalls dokumentierte Auseinanderdriften von gefühlter und messbarer Realität dürfte sich dadurch weiter verstärken. mehr

Regionale Armut
IW-Pressemitteilung, 5. Dezember 2016

Regionale Armut Auf die Preise kommt es anArrow

Der Westen Deutschlands ist reich, der Osten arm – so pauschal läuft häufig die Armutsdebatte. Tatsächlich aber stehen vor allem westdeutsche Städte schlecht da, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik könnte gegensteuern. mehr