Der Bildungsmonitor 2016, den das Institut der deutschen Wirtschaft Köln für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt, misst seit 2004 bereits zum dreizehnten Mal, in welchen Handlungsfeldern der Bildungspolitik Fortschritte erzielt werden konnten. Das Bildungssystem hat vielfältige Aufgaben (Persönlichkeitsentwicklung, Teilhabe, Kultur, etc.). Schwerpunkt des Bildungsmonitors ist es, bildungsökonomische Ziele des Bildungssystems zu betrachten und den Beitrag des Bildungssystems zur Fachkräftesicherung zu beschreiben. Der Zusammenhang zwischen Fachkräfteverfügbarkeit, Innovationskraft und Wirtschaftswachstum ist auf Ebene der Volkswirtschaft und einzelner Regionen in einer Reihe an Studien gut belegt (siehe zum Beispiel Anger u.a., 2014a). Im Bildungsmonitor wird folglich eine ökonomische Sichtweise eingenommen. Die Ergebnisse der Studie sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren und einzuordnen. Im Jahr 2016 wird zudem ein besonderes Augenmerk auf die Bildungsintegration von Flüchtlingen gelegt, die zu einem zusätzlichen Bedarf an Bildungsinvestitionen führt.

Zusätzliche Bildungsausgaben dienen aus ökonomischer Sicht vor allem dazu, die Wachstumschancen zu erhöhen, zu mehr Wohlstand zu führen und zu einer größeren Gerechtigkeit beizutragen. Da ein höheres Bildungsniveau zu mehr Wirtschaftswachstum und zur Vermeidung von Wertschöpfungsverlusten führt (Hanushek/Wößmann, 2008; Koppel/Plünnecke, 2009), stellt eine Bildungspolitik, die primär die Kompetenzen am unteren Rand der Bildungsverteilung erhöht, ohne am oberen Rand die Kompetenzen zu reduzieren, eine wichtige Maßnahme für mehr Wachstum und Verteilungseffizienz dar (Anger/Orth, 2016).

Auch wenn der Indikator Bildungsausgaben gemessen am BIP häufig als Indikator für Ländervergleiche oder die Entwicklung der Bildungsausgaben verwendet wird, weist er doch erhebliche Mängel auf: Die demografische Entwicklung einer Bevölkerung wird durch diese Messzahl nicht berücksichtigt (Esselmann/Plünnecke, 2014). Daher ist es sinnvoll, die realen öffentlichen Bildungsausgaben pro Einwohner im Alter von unter 30 Jahren zu betrachten. Diese sind von 2.907 Euro im Jahr 1995 auf 4.206 Euro im Jahr 2010 und 4.620 Euro im Jahr 2014 deutlich gestiegen (Anger/Plünnecke, 2016). Die Zunahme der realen Bildungsausgaben je Einwohner im Alter von unter 30 Jahren ist sowohl auf höhere Ausgaben je Bildungsteilnehmer als auch auf gestiegene Teilnahmequoten vor allem in der frühkindlichen Bildung sowie in der Hochschulausbildung zurückzuführen (Esselmann/Plünnecke, 2014a,b).

Seit Mitte der 90er Jahre ist die Anzahl der Plätze in Kindertageseinrichtungen noch einmal deutlich ausgebaut worden. Positiv ist zu beurteilen, dass zwischen den PISA-Tests aus den Jahren 2003 und 2012 die Anzahl der Jugendlichen aus bildungsfernen oder migrantisch geprägten Haushalten, die in ihrer Kindheit einen Kindergarten besucht haben, deutlich angestiegen ist. Dadurch ist der Abstand in der Teilnahmequote zu anderen Kindern zurückgegangen.

Der Effekt einer Teilnahme an frühkindlicher Bildung auf die Kompetenzen ist in den PISA-Tests 2003 und 2012 unverändert hoch und relevant. Kontrolliert um mögliche weitere Einflüsse zeigt sich, dass Kinder, die die KITA länger als ein Jahr besucht haben, in den verschiedenen PISA-Kompetenzbereichen 20 bis 30 Punkte mehr erzielen als andere Kinder (Anger/Orth, 2016). Durch die höhere Teilnahme von Kindern aus bildungsfernen Haushalten an frühkindlicher Bildung hat sich die Zahl der Schüler, die der Risikogruppe in den drei Kompetenzbereichen angehören, verkleinert, der Effekt des sozioökonomischen Hintergrundes auf die Kompetenzen wurde verringert und Jugendliche mit Migrationshintergrund konnten hinsichtlich der erreichten Kompetenzen aufholen (Anger/Orth, 2016).

Weiterhin ist jedoch festzuhalten, dass Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder, deren Mütter keinen Berufsabschluss haben und auch Kinder aus niedrigen Einkommensgruppen seltener als andere Kinder an frühkindlicher Bildung teilnehmen (Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2016, 60; Schmiade/Spieß, 2010) und seltener Einrichtungen mit guter Anregungsqualität besuchen (Hasselhorn/Kuger, 2014).

Auch im Hochschulbereich sind steigende Bildungsausgaben zu verzeichnen, die hauptsächlich auf eine steigende Studierendenquote zurückzuführen sind. In den Jahren 2000 bis 2002 erreichten 50,4 Prozent der Personen aus Akademikerhaushalten einen Hochschulabschluss. In den Jahren 2012 und 2013 waren es bereits 64,4 Prozent. Damit zeigt sich, dass die Bildungsaufstiege vieler Elternhäuser aus den 70er Jahren nachhaltig gesichert werden konnten. Von der steigenden Studierendenquote profitierten aber nicht nur die Kinder aus Akademikerhaushalten, auch der Anteil junger Menschen aus Nichtakademikerhaushalten, die einen Hochschulabschluss absolviert haben bzw. dies noch tun werden, hat zugenommen. In den Jahren 2000 bis 2002 erzielten im Durchschnitt 18,6 Prozent der Personen aus Nichtakademikerhaushalten einen Hochschulabschluss und im Durchschnitt der Jahre 2012 und 2013 waren es schon fast 23 Prozent (Anger/Plünnecke, 2016).

Gutachten für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Christina Anger / Anja Katrin Orth / Axel Plünnecke: Bildungsmonitor 2016 – Ein Blick auf die Bildungsintegration von Flüchtlingen

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Statement

Axel Plünnecke: Bildungsmonitor 2016 – ein Blick auf die Bildungsintegration von Flüchtlingen

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"Das bringen Flüchtlinge der Wirtschaft"
Interview, 8. September 2016

Michael Voigtländer in den Ruhr Nachrichten "Das bringen Flüchtlinge der Wirtschaft"Arrow

Wenn viele Flüchtlinge kommen - was sind die Folgen? Profitiert der Arbeitsmarkt? Wie groß sind die Herausforderungen für den Wohnungsmarkt? Was bedeutet all das ganz konkret für den Kreis Unna und die Region? Ein Interview mit IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer in den Ruhr Nachrichten. mehr

Flüchtlinge
IW-Nachricht, 25. August 2016

Flüchtlinge Sprachkenntnisse sind der SchlüsselArrow

Die Integration von Flüchtlingen in das deutsche Bildungssystem wird nicht billig. Dennoch sollte die Politik mehr Geld in die Sprachförderung stecken, denn nur mit guten Deutschkenntnissen haben Flüchtlinge eine Chance auf dem Arbeitsmarkt, wie aktuelle Studien zeigen. Dafür muss aber auch das Personal in Schulen und Kitas besser geschult werden. mehr