Regionaler Armutsvergleich Image
Armutsforscher Christoph Schröder Quelle: IW Köln

In Deutschland gelten Personen oder Haushalte als einkommensarm, wenn ihr Einkommen maximal 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) erreicht. Die unterschiedlichen Preise in den einzelnen Regionen werden nicht berücksichtigt. Dabei braucht ein Münchner Single 1.030 Euro, um sich genauso viel leisten zu können wie ein durchschnittlicher deutscher Bürger mit 870 Euro monatlich. Der letztgenannte Wert markiert die Schwelle für die relative Einkommensarmut.

Die IW-Ökonomen Christoph Schröder (Foto) und Klaus-Heiner Röhl haben zur Analyse der relativen Einkommensarmut nun erstmals die regionalen Preisniveaus mit einbezogen und so die Einkommens- in die Kaufkraftarmut überführt. Ergebnis: Ost und West liegen real weniger weit auseinander als nominal. So weist Thüringen die drittniedrigste Quote aller Bundesländer auf. Dagegen ist das Stadt-Land-Gefälle stärker als vermutet. In ländlichen Regionen sind im Schnitt nur knapp 14 Prozent der Bevölkerung kaufkraftarm, in den Städten aber 22 Prozent. Besonders schlecht schneidet Köln mit mehr als 26 Prozent ab. Aber auch Städte wie Bremerhaven oder Duisburg weisen fast ein Viertel Kaufkraftarme auf.

Die besonders von relativer Kaufkraftarmut betroffenen Gruppen gleichen sich deutschlandweit. So gelten knapp die Hälfte der Personen, in deren Haushalt mindestens ein Arbeitsloser lebt, knapp ein Drittel der Alleinerziehenden sowie rund ein Viertel der Alleinstehenden und der Personen mit Migrationshintergrund als kaufkraftarm.

Wegen dieser Ergebnisse fordern die IW-Forscher u.a., die regionalpolitische Förderung mehr auf die Großstädte zu fokussieren. Dazu müssten Investitionen, Innovations- und Gründungsförderung sowie Bildung und Integration stärker verknüpft werden.

Armut ist urban

Anteil der Bevölkerung 2012 in Prozent (Klicken Sie auf Region, Einkommensarmut und kaufkraftberinigte Einkommensarmut, um die Tabelle entsprechend zu sortieren)

Einkommensarmut: weniger als 60 Prozent des bundesweiten Medianeinkommens (teilt alle Einkommensbezieher in zwei genau gleich große Gruppen); kaufkraftbereinigte Einkommensarmut: weniger als 60 Prozent des um regionale Kaufkraftunterschiede bereinigten Medianeinkommens; Ursprungsdaten: Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus 2012, BBSR

Armut nach Kaufkraft

Anteil der Bevölkerung in relativer Kaufkraftarmut 2012 in Prozent – klicken Sie auf die Karte, um mehr zu erfahren

Ursprungsdaten: Forschungsdatenzentren der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus 2012, BBSR

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Ansprechpartner

26. August 2016

Regionale Armut Arme Eltern, schlechte SchülerArrow

Finanzielle Armut und Bildungsarmut gehen oftmals Hand in Hand. So zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), dass in den meisten Regionen, in denen vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche in finanziell schwierigen Verhältnissen leben, auch mehr Schüler die Schule abbrechen als anderswo. mehr auf iwd.de

Armutsgefährdete Kinder
IW-Pressemitteilung, Nr. 58 vom 25. August 2016

Armutsgefährdete Kinder Bildungsarmut wird vererbtArrow

In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen. mehr

IW-Kurzbericht, Nr. 52 vom 25. August 2016

Wido Geis / Christoph Schröder Armutsgefährdete Kinder und Schulabbrüche im regionalen VergleichArrow

Berechnungen des IW Köln zeigen, dass es in Regionen mit vielen armutsgefährdeten Kindern auch häufiger zu Schulabbrüchen kommt. Die Armutsgefährdung geht dabei häufig mit geringerer Bildung der Eltern einher. Damit sich durch Vererbung von Bildungsarmut die Armutsgefährdung in betroffenen Regionen nicht verfestigt, sollten flächendeckend qualitativ hochwertige Betreuungs- und Ganztagschulangebote gemacht werden. mehr