Bevölkerungsentwicklung Image
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Die Mehrheit der Menschen wird laut Vorausberechnung künftig 65 Jahre oder älter sein. Die Gruppe der 20- bis 64-Jährigen, das sogenannte Erwerbspersonenpotential, wird dagegen – je nach unterstellter Nettozuwanderung – um bis zu 30 Prozent zurückgehen. Gründe sind die anhaltend niedrige Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung.

Die absehbare demografische Entwicklung stellt die deutsche Wirtschaft vor vielfältige Herausforderungen: Die Kapitalmärkte müssen sich darauf einstellen, dass mehr Menschen einst angelegtes Geld als Rentner „entsparen“, weswegen sich die Nachfrage nach Vermögensanlagen verändern wird. Die Wohnungsmärkte stehen einerseits vor der Herausforderung einer wachsenden Nachfrage und steigenden Mieten in den Großstädten. Während in den ländlichen Gebieten andererseits der Leerstand noch weiter um sich greifen wird. Und auf den Produktmärkten müssen sich die Unternehmen auf die Konsumwünsche einer alternden Gesellschaft einstellen.

Die Bevölkerungsvorausberechnung sollte allerdings nicht dazu verleiten, in unüberlegten Aktionismus zu verfallen. Denn es gilt, sich bewusst zu machen, was hinter der Berechnungsmethodik steckt: Die jüngste Variante ersetzt die Ergebnisse der 12. Berechnung aus dem Jahr 2009. Die neuen „Basisvarianten“ berücksichtigen die aktuell hohe Nettozuwanderung nach Deutschland und unterstellen einen positiven Wanderungssaldo von 500.000 Menschen pro Jahr, der sich innerhalb von sechs Jahren auf 100.000 bzw. 200.000 abschwächen wird. Dadurch unterscheiden sich die Ergebnisse teilweise deutlich von der 12. koordinierten Vorausberechnung. So entspricht im Jahr 2030 die Bevölkerung nach den neuen Daten in etwa dem aktuellen Niveau. Bei der Vorgängerversion zeigte sich indes bereits bis dahin ein Bevölkerungsrückgang.

Zudem sollte immer bedacht werden, dass die berechneten Szenarien keinerlei Informationen über die jeweilige Eintrittswahrscheinlichkeit enthalten. Sie haben also lediglich einen „wenn…, dann…“-Charakter. Die Gefahr ist dadurch groß, dass Entscheider aus Politik und Wirtschaft das für sie beste Szenario als das wahrscheinlichste auswählen und danach handeln – was fatale Konsequenzen haben kann.

Außerdem werden Vorausberechnungen umso unsicherer, je weiter der Blick in die Zukunft geht. Denn entwickeln sich die demografischen Komponenten nur minimal anders, als es die Wissenschaftler unterstellt haben, resultieren vor allem in fernerer Zukunft deutliche Abweichungen von den skizzierten Szenarien. Konkret bedeutet das: Entwickeln sich die Wanderungsbewegungen weniger optimistisch als jetzt angenommen, wäre mit einem spürbaren Bevölkerungsrückgang schon bis 2030 zu rechnen. Das sollten sich Politik und Wirtschaft immer vor Augen führen.

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 14. Februar 2017

Oliver Koppel / Axel Plünnecke Erste Erfolge der qualifizierten Zuwanderung aus IndienArrow

Bereits in den letzten Jahren haben Zuwanderer erheblich zur Fachkräftesicherung in MINT-Berufen beigetragen. Bestrebungen, MINT-Zuwanderer aus dem Herkunftsland Indien zu gewinnen, zeigen erste Erfolge – sowohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen als auch die Zahl der Studierenden in MINT-Fächern sind zuletzt deutlich gestiegen. mehr

Zuwanderung in die Großstädte
Gutachten, 7. Februar 2017

Philipp Deschermeier / Ralph Henger / Björn Seipelt / Michael Voigtländer Zuwanderung in die Großstädte und resultierende WohnungsnachfrageArrow

Die Nachfrage nach Wohnraum in den deutschen großen Städten ist nach wie vor hoch. Ursächlich dafür ist die starke Zuwanderung sowohl aus dem Ausland als auch dem Inland. Allerdings gelingt es den Großstädten nicht, genügend zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, um die Nachfrage zu bedienen. mehr

Demografie
IW-Nachricht, 1. Februar 2017

Demografie Schrumpfen war gesternArrow

Die Rekordzuwanderung des Jahres 2015 und steigende Geburtenzahlen hellen die einst düsteren Demografie-Aussichten auf – derzeit wächst die deutsche Bevölkerung. Auch auf lange Sicht rechnet die Bundesregierung mit einer stabilen Bevölkerungszahl. Die politischen Herausforderungen werden aber nicht weniger. mehr