Familienfreundliche Unternehmen

Die Bevölkerung in Deutschland altert und schrumpft. In der Folge fehlen immer mehr – vor allem jüngere – Fachkräfte. Dabei drängt die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten auf den Arbeitsmarkt. Diese Frauen gehören zwar zum wichtigsten Arbeitskräftepotenzial der Zukunft, doch müssen sie sich immer noch zu häufig zwischen Beruf und Familie entscheiden. Eine familienfreundliche Arbeitswelt kann dieses Problem lösen.

 

Andreja Donko FotoliaEs gibt viele Gründe, warum sich Familie und Beruf nach wie vor nicht vereinbaren lassen. Mehreren Umfragen zufolge fehlt es vor allem an Kitas & Co. Darüber hinaus werden auch flexible Arbeitszeiten als wichtiger Treiber für eine familienfreundliche Arbeitswelt angesehen. Auf dem Weg dorthin ist die deutsche Wirtschaft allerdings schon ein gutes Stück vorangekommen:

 

1. Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit des IW Köln. Danach wird dem Thema heute eine viel höhere Bedeutung beigemessen als früher – fast drei Viertel aller Unternehmen finden es wichtig oder sehr wichtig. Vor drei Jahren hatte dazu nur knapp die Hälfte der befragten Manager eine positive Meinung. Gleichzeitig blieb es nicht bei Lippenbekenntnissen. Vor allem die von den Beschäftigten als besonders wichtig eingestuften Maßnahmen – flexible Arbeitszeitmodelle und aktive Gestaltung der Elternzeit – waren 2006 in den Firmen weiter verbreitet als drei Jahre zuvor. Fast neun von zehn Unternehmen boten zuletzt Arbeitszeitflexibilisierung und/oder Telearbeit an. Im Jahr 2003 hatten ferner erst rund drei Viertel der Unternehmen diese Maßnahmen im Sortiment. Verdoppelt hat sich das Angebot von Vertrauensarbeitszeit. Die Möglichkeit von Sabbaticals hat sich sogar verdreifacht (Grafik: Familienfreundliche Arbeitswelt – Was die Unternehmen tun).

 

Kinderbetreuung entscheidet
So viel Prozent der Befragten glauben, dass dies die Vereinbarkeit von Familie und Beruf am meisten erleichtert
  Bevölkerung insgesamt Junge
Familien
Ausreichend Kindergartenplätze und Kinderhorte 71 73
Mehr Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Schulen 64 72
Flexible Arbeitszeiten und Arbeitszeitkonten in Unternehmen 63 71
Betriebliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten 60 65
Stärkere finanzielle Unterstützung der Familien durch den Staat 51 67
Wenn ein Partner beruflich zurücksteckt, solange die Kinder noch klein sind 50 49
Wenn Betreuungszeiten von Kindergärten und Schulen besser auf Arbeitszeiten abgestimmt wären 49 61
Wenn der Staat den Wiedereinstieg nach der Familienphase erleichtern würde 47 51
Mehr Teilzeitarbeitsplätze in Unternehmen 46 52
Wenn sich die Eltern weniger darum kümmern müssten, wie die Kinder zur Schule oder nach Hause kämen 44 45
Wenn es mehr Betreuungseinrichtungen für Unter-3-Jährige gäbe 41 42
Wenn der Staat mehr private Initiativen wie Krabbelgruppen unterstützen würde 30 33

Befragung von 1.848 Bundesbürgern im April 2009 und im Juli 2009;
Quelle: Allensbach-Familienmonitor

 

Familienfreundliche Maßnahmen werden von den Unternehmen vor allem eingeleitet, um attraktiv zu sein für qualifizierte Beschäftigte und um die Mitarbeiter stärker ans Unternehmen zu binden. Gleichzeitig wollen die Firmen die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen; sie versprechen sich dadurch geringere Fluktuations- und Krankheitskosten sowie eine höhere Produktivität (Grafik: Familienfreundliche Arbeitswelt – Die Motive der Unternehmen).

 

2. Allensbach-Umfrage. Unternehmen gestalten die Elternzeit ihrer Beschäftigten aktiv mit. So bieten fast die Hälfte der befragten Unternehmen ihren pausierenden Mitarbeitern an, sich beruflich fit zu halten. Ein Viertel der Unternehmen praktiziert Telearbeit.

 

Familienpause: Kontakte werden gepflegt
So viel Prozent der befragten Geschäftsführer und Personalleiter sagen, dass es für Beschäftigte in Elternzeit diese Maßnahme in ihrem Unternehmen gebe
  Prozent
Kontakt während der Elternzeit halten 83
Innerhalb von einem Jahr Elternzeit an denselben Arbeitsplatz zurückkehren können 76
Teilzeitarbeitsplätze 68
Flexible Arbeitszeiten für Wiedereinsteiger 62
Seminare, Weiterbildungsmöglichkeiten während der Elternzeit 49
Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten 23
Betriebliche Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Belegplätze 8

Befragung von 502 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Wirtschaftsunternehmen im März 2009;
Quelle: Allensbach

 

3. „hessenstiftung - familie hat zukunft“. Diese Stiftung der Hessischen Landesregierung hat 2008 Geschäftsführer und Personalverantwortliche in Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten nach ihren Erfahrungen und Maßnahmen zur Elternzeit befragen lassen. Danach halten fast alle mittelständischen Unternehmen Kontakt zu den Beschäftigten, die in Elternzeit sind. Je nach Größe bieten zwei Drittel bis drei Viertel den Beschäftigten flexible Arbeitszeiten an. Mehr als ein Drittel der Unternehmen gibt den Eltern Gelegenheit, sich während der Auszeit oder vor dem Wiedereinstieg weiterzubilden.

 

Betriebliche Kinderbetreuungsmaßnahmen, auch in Kooperation mit anderen Trägern, finden sich allerdings nur in ganz wenigen kleinen und mittleren Unternehmen. Meist ist ein eigener Betriebskindergarten weder notwendig noch finanzierbar. Lösungen wie Belegplätze, Unterstützung von Elterninitiativen oder Kooperationen mit anderen Unternehmen sind mit sehr viel geringerem Aufwand denkbar, aber kaum bekannt.

 

Insgesamt erklären 42 Prozent der Befragten in kleinen und mittleren Unternehmen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ihren Betrieb ein wichtiges Thema sei. In den Kleinunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten sagen das sogar 46 Prozent.

 

Familienfreundlichkeit: Auch für den Mittelstand kein Fremdwort
So viel Prozent der befragten Geschäftsführer und Personalleiter von kleinen und mittleren Unternehmen sagen, dass es diese Maßnahme in ihrem Unternehmen gebe
  weniger als 10 Beschäftigte 10 bis 49 Beschäftigte 50 bis 249 Beschäftigte
Möglichkeit, innerhalb von einem Jahr an den selben Arbeitsplatz zurückzukehren 91 80 72
Kontakt während der Elternzeit halten 77 92 92
Flexible Arbeitszeiten, Gleitzeit, Teilzeit 70 62 77
Seminare, Weiterbildungs-
möglichkeiten während der Elternzeit oder bei Wiedereinstieg
32 33 43
Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten 22 25 26
Kinderbetreuungs-
möglichkeiten
- - 6

Quelle: Allensbach

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