Aufgrund der historisch niedrigen Zinsen lohnt es sich für immer mehr Bürger, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen statt zu mieten. Allerdings gilt das nicht für alle Regionen in Deutschland gleichermaßen, wie eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) auf der Grundlage der 402 Landkreise und kreisfreien Städte zeigt.

Danach war es 2013 bereits in 27 Prozent der untersuchten Regionen wirtschaftlich vorteilhafter, zu kaufen statt zu mieten; im Jahr 2009 traf dies auf lediglich 7 Prozent der deutschen Kreise zu. Die IW-Forscher führen diese Entwicklung in erster Linie auf die stark gesunkenen Hypothekenzinsen zurück, die im Analysezeitraum von 4,4 auf knapp 2,8 Prozent zurückgegangen sind. Aber auch steuerliche Gründe sowie die Miet- und Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt spielen eine Rolle.

Vor allem im Osten Deutschlands lohnt sich eine selbstgenutzte Immobilie – aber auch in einigen Landkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. In Bayern und in Baden-Württemberg dagegen empfiehlt es sich mit Blick auf die Renditen eher zu mieten. In rund der Hälfte der analysierten Kreise halten sich die finanziellen Vor- und Nachteile von Mieten und Kaufen in etwa die Waage. Lediglich in den Großstädten bleibt das Mieten vielerorts attraktiver.

Die Analyse zeigt, dass die Haushalte in Deutschland die Niedrigzinsphase nutzen und verstärkt auf Immobilien setzen. Deshalb ist laut Studie damit zu rechnen, dass auch in den kommenden Jahren immer mehr Menschen eine Wohnung oder ein Haus kaufen statt zu mieten. Schon von 2008 bis 2010 war dieser Trend deutlich erkennbar: Lag die sogenannte Wohneigentumsquote 2008 erst bei 43 Prozent der Haushalte, waren es 2010 bereits 46 Prozent.

Diese Entwicklung habe sich fortgesetzt, schreiben die IW-Forscher. Das sei noch unproblematisch. Allerdings dürfe das Vermieten nicht weiter an Attraktivität verlieren – etwa durch die Mietpreisbremse. Denn das ausgewogene Verhältnis von Miet- und Eigentumswohnungen in Deutschland sorge dafür, dass der Immobilienmarkt flexibler und gleichzeitig stabiler ist als in Ländern mit deutlich höherer Wohneigentumsquote.

Programm
IconDownload | PDF

IW-Trends

Michael Schier / Michael Voigtländer: Mieten oder Kaufen – Eine Analyse für die deutschen Kreise

IconDownload | PDF

Pressemitteilung

Immobilien – Trend geht zu den eigenen vier Wänden

IconDownload | PDF

Präsentationen

  • Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter Kompetenzfeld Immobilienökonomik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Der Mietwohnungsmarkt als Stabilitätsanker
  • Dr. Daniel Piazolo, Geschäftsführer IPD Investment Property Databank GmbH: Rentabilität des Wohnungsmarktes für Investoren
  • Dr. Reiner Braun, Vorstand empirica AG: Vermögender durch Wohneigentum?
  • Han Joosten, Director Market Research Bouwfonds Property Development B. V.: Internationale Trends in der Wohneigentumsbildung

IconDownload | PDF

Themen

Veranstaltung
Veranstaltung, 22. Juni 2017

Symposium Zeit für mehr Wohneigentum?!?Arrow

Angesichts niedriger Zinsen und eines vermehrten privaten Vorsorgebedarfs hat das Wohneigentum an Attraktivität gewonnen. Gleichzeitig gibt es aber Sorgen über eine Überhitzung des Wohnungsmarktes. mehr

Gutachten, 20. Juni 2017

Ralph Henger / Michael Voigtländer / Sarah Daniel Immobilienpolitik 2017 – Die Wahlprogramme im VergleichArrow

Der Abbau von Regulierungshemmnissen ist der beste Weg, um Investitionen in den Bestand und den Neubau anzukurbeln und die dringend erforderliche Entlastung vieler Immobilienmärkte in Großstädten und Ballungsregionen voranzutreiben. Dies geht aus dem Gutachten für den ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss hervor. mehr

IW-Kurzbericht, 19. Juni 2017

Philipp Deschermeier / Ralph Henger / Björn Seipelt / Michael Voigtländer Wohnungsmangel in den Städten, Leerstand auf dem LandArrow

Bautätigkeit und Baubedarf fallen in Deutschland räumlich auseinander. Während es in allen Großstädten an Wohnungen mangelt, werden in vielen ländlichen Regionen deutlich zu viele Einfamilienhäuser gebaut. Dies zeigt die Baubedarfsanalyse des IW Köln für den Zeitraum 2011 bis 2015. mehr