IW-Veranstaltung in Brüssel Image
Quelle: Konrad Adenauer Stiftung / Europabüro Brüssel

Braucht die Europäische Währungsunion eine stärkere finanzielle Integration – und wenn ja: warum, wie und wann? Diese Frage stand im Zentrum einer Diskussion, die das IW Köln gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel veranstaltet hat. Es diskutierten Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Think Tanks „Centre for European Policy Studies“ (CEPS), IW Direktor Michael Hüther, Matthias Schäfer, Leiter des Teams Wirtschaftspolitik der Konrad-Adenauer Stiftung (KAS), sowie Guntram Wolff, geschäftsführender Direktor des Brüsseler Think Tanks Bruegel.

Daniel Gros bezweifelte, dass die stärkere wirtschaftspolitische Disziplinierung, die im Rahmen der Krise geschaffen wurde, funktionieren wird. Viel wichtiger wäre ihm die Schaffung einer Bankenunion, um die Finanzierungsprobleme in den Krisenländern in den Griff zu bekommen. Auch IW Direktor Michael Hüther sieht in der Schaffung einer Bankenunion eine wichtige Maßnahme, um die Krise in der Eurozone zu überwinden. Dann wären weitere Schritte in Richtung einer Fiskalunion verzichtbar. Ohnehin gebe es hierfür kaum noch rechtlichen Spielraum, wie das Bundesverfassungsgericht in mehreren Urteilen betont hat.

Für Matthias Schäfer von der KAS ist eine Fiskalunion in Europa ebenfalls keine Option. Als abschreckendes Beispiel nannte er den deutschen Länderfinanzausgleich, der kaum Anreize zum Sparen für Empfängerländer gibt. Um die Krise zu überwinden, sind für ihn vor allem solide Staatsfinanzen zentral. Bruegel-Chef Guntram Wolff warnte indes vor einer zu schnellen Reduzierung der staatlichen und außenwirtschaftlichen Defizite in den Krisenländern, wie sie in den baltischen Staaten stattgefunden hat. Die Märkte in Südeuropa seien weniger flexibel, sodass mit noch stärkeren Wirtschaftseinbrüchen und höherer Arbeitslosigkeit zu rechnen gewesen wäre.

Einig waren sich die Diskutanten indes darin, dass grundlegende Strukturreformen in den Eurostaaten nötig sind. Portugal wurde mehrfach lobend erwähnt, weil die Regierung in Lissabon den Reformkurs aus eigener Überzeugung verfolge.

Ansprechpartner

Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperity
Gastbeitrag, 20. Juni 2017

Hubertus Bardt on KKC International Platform Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperityArrow

In an environment with growing protectionism and the danger of economic disintegration and shocks for the global trade policy system, a free trade agreement between Japan and Europe could set a positive example. Progress in the negotiations are necessary to foster growth and prosperity and to send a message to other countries, that modern market economies rely on good trade relations. mehr

20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

Brexit
IW-Nachricht, 19. Juni 2017

Jürgen Matthes Brexit: Missverständnisse vermeidenArrow

Fast ein Jahr nach dem Referendum beginnen heute die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Die Lage scheint vertrackt, doch in der öffentlichen Debatte wird die bisherige Position der britischen Regierung häufig missverstanden – und damit auch die Chancen für konstruktive Verhandlungen übersehen. mehr