Das private Nettovermögen eines Haushalts in Deutschland beträgt nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank rund 195.000 Euro. Den reichsten 10 Prozent gehören dabei rund 60 Prozent des Vermögens. Im politischen Diskurs taucht nicht zuletzt deshalb und unter Bezug auf mehr Chancengerechtigkeit immer wieder die Forderung nach einer Vermögens- und Erbschaftssteuer auf. Europaweit ist die Besteuerung privater Vermögen bisher wenig populär. Im Jahr 2011 hatten nur Frankreich, Spanien, die Schweiz und Norwegen eine solche Steuer, die zudem nur wenig zum Steueraufkommen beiträgt. Befürworter einer Sollertragssteuer erhoffen sich mehr Gerechtigkeit, höhere Staatseinnahmen und eine Beteiligung der Reichen an den Kosten der Bewältigung der Finanzkrise. Gegner fürchten negative Anreizwirkungen, Kapitalflucht und warnen vor einer Doppelbesteuerung des bereits aus versteuertem Einkommen generierten Vermögens.

Soll (unverdientes) Vermögen also stärker besteuert werden oder nicht? Würde eine Vermögens- und höhere Erbschaftssteuer für mehr Gerechtigkeit sorgen und die Aufstiegschancen ärmerer Bevölkerungsschichten verbessern? Gibt es nicht schon deshalb keine Chancengerechtigkeit, weil die Reichen sich durch teure, professionelle Berater ihren Reichtum sichern lassen können? Inwieweit kann und muss der Wunsch der Menschen, über ihre Lebenszeit hinaus etwas für die Nachwelt zu hinterlassen, berücksichtigt werden? Inwiefern wird Vermögen auch für die Gestaltung des öffentlichen Raums eingesetzt?

Über diese und weitere Fragen diskutieren Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln bei der IV. wissenschaftlichen Tagung am runden Tisch.

Programm

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Präsentationen

Unverdientes Vermögen?
Prof. Dr. Jens Beckert, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
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Korreferat
Dr. Rolf Kroker, Leiter des IW-Wissenschaftsbereichs Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik
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"If you make it there …" – Aufstiegsgerechtigkeit in Deutschland
Dr. Hans-Peter Klös, Leiter des IW-Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik
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Korreferat:
Dr. Armin Schäfer, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
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Trust and Estate Planning – The Emergence of a Profession and its Contribution to Socio-Economic Inequality
Elisabeth Brooke Harrington, Ph. D. Associate Professor of Economic Sociology, Copenhagen Business School
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Korreferat:
Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des IW-Kompetenzfeldes Immobilienökonomik

Weltzeit und Lebenszeit: Fluchtversuche aus prekärer Zeitlage
Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des IW Köln

Korreferat:
Prof. Dr. Christine Trampusch, Lehrstuhl für International Vergleichende Politische Ökonomie und Wirtschaftssoziologie an der Universität zu Köln

Ansprechpartner

26. September 2017

Judith Niehues / Martin Beznoska Vermögen: Auf die Rente kommt es anArrow

Häufig wird in der deutschen Gerechtigkeitsdebatte auf die relativ hohe Vermögensungleichheit verwiesen. Wie ein internationaler Vergleich zeigt, ist diese Ungleichheit allerdings nichts Ungewöhnliches: Sie ist meist dort besonders hoch, wo der Staat über ausgeprägte Sicherungssysteme verfügt – wie die Bundesrepublik. mehr auf iwd.de

Ungleichheit: Medienberichte verunsichern Bürger
Pressemitteilung, 1. September 2017

Matthias Diermeier / Henry Goecke / Judith Niehues / Tobias Thomas Ungleichheit: Medienberichte verunsichern BürgerArrow

Die Medien berichten seit einigen Jahren immer häufiger über Ungleichheit, obwohl sich die Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland kaum verändert hat. Das belegt eine gemeinsame Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und von EcoAustria. Die Studie zeigt zudem, dass die Berichterstattung die Menschen verunsichert – zumindest kurzfristig. mehr

IW-Report, 4. Juli 2017

Martin Beznoska Vermögen der SelbstständigenArrow

Der Kurzbericht gibt einen Einblick in das beobachtbare Vermögen der Selbstständigen auf Basis der Mikrodaten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) für das Jahr 2012. Insbesondere wird die Vermögensverteilung der Selbstständigen mit der der sozialversicherungspflichtigen Bevölkerung (Arbeitnehmer) verglichen. mehr